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06. Februar 2014, 13:09 Uhr

Olympische Spiele

Experten warnen vor Hackerangriffen in Sotschi

Kriminelle versuchen offenbar, das Interesse an den Olympischen Winterspielen auszunutzen, um am Ort selbst und im Internet neue Opfer zu finden. Ein US-Reporter machte in Russland einen Selbstversuch: Es dauerte nur 24 Stunden, bis Handy und Rechner gekapert wurden.

Plastischer kann man das Problem nicht darstellen: Gemeinsam mit einem Experten für Computersicherheit reiste NBC-Reporter Richard Engel nach Russland, im Gepäck ein nagelneues Windows-Notebook, ein neues Macbook und ein neues Android-Handy. Alle drei Geräte waren vor der Abreise mit fingierten Daten und Identitäten bestückt worden. E-Mail-Adressen und Accounts in sozialen Netzwerken sollten den Anschein erwecken, die Geräte würden regelmäßig genutzt. Honeypot, Honigtopf, nennen Fachleute derart vorbereitete Computer, deren einzige Aufgabe es ist, ein scheinbar lohnendes Ziel für Hacker abzugeben.

Der Lohn der Mühe: Binnen 24 Stunden, nachdem die beiden die Geräte in Russland in Betrieb genommen hatten, hatte sich auf allen dreien Schadsoftware eingenistet, die Daten abschöpfte und die Kontrolle übernahm.

Die Erfahrungen des US-Reporters decken sich mit der Warnung eines Sicherheitsunternehmens, das die Internetkriminalität zur "Hauptsorge bei der Winterolympiade" erklärt. "Die anstehenden olympischen Winterspiele in Sotschi bergen erhebliche Risiken für die Internetsicherheit", sagt Threatmetrix-Manager Andreas Baumhof.

Bei den Olympischen Spielen sei viel Geld im Spiel, weshalb sie ein Ziel für betrügerische Aktivitäten seien. Sowohl Zuschauer als auch Journalisten, Athleten und Geschäftsleute, die nach Sotschi reisen, müssten sich vor Cyberkriminellen hüten.

Vorsicht vor dem W-Lan

In das große W-Lan-Netz, das für die Spiele errichtet worden ist, hat Baumhof wenig Vertrauen. Es sei "unglaublich schwer, ein Wi-Fi-Netzwerk abzusichern, und es gibt kein vollständig sicheres Verschlüsselungsprogramm, das ein solches Netzwerk vor Aktivitäten von Internetkriminellen schützt", erklärt der Experte. Deshalb rate er Besuchern und Teilnehmern der Spiele, keine persönlichen oder geschäftlichen Daten über dieses Netz zu verschicken. Online-Banking sei dort ohnehin tabu. Das Risiko, dass Internetkriminelle das Netzwerk angreifen oder Dritte die Netzwerkverbindungen abfangen, sei zu hoch.

Auch vor manipulierten Webseiten, die sich als offizielle Angebote ausgeben, und vor betrügerischen E-Mails warnt Baumhof. Sie könnten von Kriminellen genutzt werden, um Anwender zum Klick auf Links zu verführen, über die Schadsoftware auf den Rechner geladen wird. Auch die Möglichkeit, dass Betrüger sich in sozialen Netzwerken als Sportler oder Journalisten ausgeben und auf diesem Weg derartige Links verbreiten könnten, erwähnt er.

Auch beim Ticketkauf sollte man Vorsicht walten lassen: "Wenn ein Ticketangebot für die Spiele in Sotschi zu gut klingt, um wahr zu sein, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Ticket nicht echt ist", zitiert Threatmetrix Robert Capps vom Online-Ticketversender StubHub.

Vor Ort solle man zudem besonders auf seine Kreditkarte achten. Mit mobilen Skimming-Apparaturen könnten Cyberkriminelle beispielsweise beim Einkauf von Erfrischungen oder Souvenirs die Daten solcher Karten abgreifen.

mak

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