Nutzerprofile im Internet: So löschen Sie Ihre überflüssigen Accounts 

Von Jörg Breithut

Screenshot von justdelete.me: Manche Konten sind nicht einfach zu löschen Zur Großansicht

Screenshot von justdelete.me: Manche Konten sind nicht einfach zu löschen

Ein Nutzerkonto bei Apple, Amazon oder der Wikipedia ist schnell erstellt. Doch das Profil später zu löschen ist meist mühsam. Eine neue Seite zeigt, wie man sein Konto wieder entfernen kann - wenn das denn überhaupt möglich ist.

Auf einen Onlinebesucher ist der Entwickler Robb Lewis besonders stolz. Mehr als 300.000 Nutzer haben sich seine Seite angeschaut, seit der Student sein Portal justdelete.me in der vergangenen Woche ins Netz gestellt hat. Darunter ein Besucher aus dem kalifornischen Cupertino. Vermutlich ein Apple-Mitarbeiter, der sich für den neuen Löschservice im Netz interessierte.

Denn das ist es, was Lewis anbietet: eine Linksammlung zu Löschseiten. Justdelete.me hilft allen Nutzern, die gern ihre Sammlung unzähliger Onlinekonten ausdünnen möchten. Das Portal listet alphabetisch sortiert alle möglichen Seiten im Netz auf: Von Apple bis Yahoo sind die meisten großen Onlineanbieter vertreten. Die Einträge verweisen auf die beste Möglichkeit, seinen Account aus dem Netz zu entfernen. Er wolle es den Nutzern erleichtern, die Löschseiten zu finden, sagt Lewis. Diese seien "manchmal auf den Seiten versteckt, damit die Anwender ihren Account nicht entfernen".

Leichtes Spiel hatten Lewis und sein Team bei Anbietern wie dem Webspeicher-Portal Dropbox und dem Location-Dienst Foursquare. Dort gelangt der Nutzer direkt auf eine Löschseite. Sobald man den Bestätigungsknopf drückt, wird das Konto ausradiert. Der Nutzer wird höchstens darum gebeten, die Entscheidung noch einmal zu überdenken - oder zumindest den Grund für die Löschaktion anzugeben. Dann wird das Profil entfernt. Wenn die Account-Vernichtung so einfach funktioniert, dann färbt Lewis den Link auf der Seite grün ein.

Einfach geht anders

Andere Anbieter haben es Lewis wesentlich schwerer gemacht. Beim RSS-Reader Feedly zum Beispiel ist nicht richtig klar, wie man sich von seinem Account lösen kann. Lewis verweist daher auf einen Forumsbeitrag, in dem die Nutzer darüber diskutieren, wie man sein Konto am besten löscht. Einige Feedly-Mitarbeiter antworten in den Kommentaren, man müsse seine Google-Reader-Identifikationsnummer per E-Mail an das Entwicklerteam schicken. Dort kümmere man sich darum, dass der Nutzer aus der Datenbank gelöscht wird.

Einfach geht anders. In solchen Fällen hat Lewis die Verweise rot markiert. Schwieriger wird es demnach auch, wenn man sein Konto bei Apple, Amazon oder dem Streaming-Service Spotify löschen möchte. Hier gibt es keinen direkten Löschknopf, dem Nutzer bleibt nichts anderes übrig, als sich an einen Servicemitarbeiter zu wenden.

Bei Wikipedia kann man den Nutzernamen nicht löschen

Doch es geht noch schlimmer: Bei einigen Onlineportalen ist es unmöglich, seine Nutzerdaten vollständig zu entfernen. Diese Einträge sind schwarz markiert. Die Wikipedia macht daraus auch keinen Hehl. "Ein Nutzername kann nicht gelöscht werden", heißt es dort. Der Grund: die Beiträge des Nutzers könnten ansonsten nicht mehr richtig zugeordnet werden. Auch Abonnenten des Videoportals Netflix haben wohl kaum eine Chance, ihren Account endgültig zu löschen. Das US-Videoportal friert bei einer Kündigung das Profil lediglich ein, um die Daten des Nutzers wiederherzustellen, falls er zurückkehrt.

Allerdings sind die Angaben bei justdelete.me mit Vorsicht zu behandeln. Zwar habe Lewis nach eigener Aussage selbst "mit einigen Kundenservice-Mitarbeitern einiger Unternehmen gesprochen". Doch manche Farbmarkierungen bei justdelete.me beruhen lediglich auf einer Recherche im Netz.

Der Link auf die Website des Kaffeekonzerns Starbucks beispielsweise ist schwarz eingefärbt. Der Account gilt somit als unlöschbar. Eine Konzernsprecherin sagt gegenüber SPIEGEL ONLINE jedoch: "Das stimmt so nicht ganz." Zwar ist die Lösch-Option nicht offiziell auf der Seite verlinkt, doch eine E-Mail an den Gästeservice genüge, um den Account vollständig zu entfernen. Lewis will die Angaben der Sprecherin nun überprüfen.

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insgesamt 63 Beiträge
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    Seite 1    
1. Amazon - Kontenlöschung
susiwolf 27.08.2013
Habe gerade meinen 'account' bei Amazon (per e-mail-Nachricht) zur Löschung vorgetragen; mit der 'Bitte um Ausführung' ... Eine Antwort sollte in den nächsten 12 Stunden eintreffen. We'll see ! Ich melde mich zurück ;-)
2. hm
maerlynausderprim 27.08.2013
Wer glaubt, das ein sich an "Servicemitarbeiter" wenden zum Löschen seines Accounts, speziell bei amerikanischen Unternehmen wie Amazon & Co wirklich eine komplette Löschung bewirkt, der glaubt auch an den Weihnachtsmann. Solche Datenkraken "vergessen" NIE....
3.
HeisseLuft 27.08.2013
Zitat von sysopEin Nutzerkonto bei Apple, Amazon oder der Wikipedia ist schnell erstellt. Doch das Profil später zu löschen, ist meist mühsam. Eine neue Seite zeigt, wie man sein Konto wieder entfernen kann - wenn das denn überhaupt möglich ist. Online Account: Webseite mit Anleitungen um Profil zu löschen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/web/online-account-webseite-mit-anleitungen-um-profil-zu-loeschen-a-918850.html)
Und da werden manche Leute nervös, wenn sie vorm Standesbeamten ja sagen sollen...
4. Die Geister die ich rief werd ich nun nicht los...
verbal_akrobat 27.08.2013
...es gibt noch eine gute Möglichkeit, (naheliegend) erst gar kein Konto eröffnen. Wie verhält sich das eigentlich mit dem SPON Konto?
5. starbucks
marco0 27.08.2013
"Zwar ist die Lösch-Option nicht offiziell auf der Seite verlinkt, doch eine E-Mail an den Gästeservice genüge, um den Account vollständig zu entfernen." Und warum kein einfacher Knopf? Woher soll jemand wissen an welche Mailadresse er schreiben soll? Kurze Google suche liefert ein FAQ zum Thema "My Account", wo auch nichts angegeben ist, das wars auch schon zum Thema. Das ist alles schon schikane. Wenn es nicht schwarz (= komplett unlöschbar) sein soll dann eben dunkelrot, weil mit lauter unnötigem Aufwand verbunden.
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