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Online-Angebot: "Der Westen" kostet die WAZ Leser

Von Robin Meyer-Lucht

Ein Online-Befreiungsschlag ist der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" vorerst misslungen: Das Ende Oktober mit Millionenaufwand lancierte Angebot "Der Westen" verzeichnet nicht mehr, sondern rund ein Viertel weniger Seitenabrufe als die fünf WAZ-Titel, die darin aufgegangen sind.

Die neuen IVW-Zahlen zeigen die Einbußen durch den Übergang zu "Der Westen" deutlich: Auf 16,0 Millionen – feiertagsbereinigt etwa 17,4 Millionen – Seitenabrufe kam der "Der Westen" im Dezember. Die Vorgängersites erreichten im September noch 23,1 Millionen.

"Der Westen"-Chefin Katarina Borchert: "Wir sind alles andere als glücklich"
Faceland/SPIEGEL ONLINE [M]

"Der Westen"-Chefin Katarina Borchert: "Wir sind alles andere als glücklich"

"Wir sind alles andere als glücklich", kommentiert "Der Westen"-Chefin Katharina Borchert die Zahlen. "Wir sind enttäuscht, aber nicht entmutigt." Es zeige sich leider nun, dass mit der Lancierung von "Der Westen" die Arbeit eigentlich erst beginne. "Wir befinden uns auf einem sehr mühsamen steinigen Weg". Die Print- und Online-Aktivitäten würden erst langsam zusammenwachsen. Zudem habe es im Dezember aber auch ganz konkrete technische Probleme gegeben, die einem Erfolg von "Der Westen" im Wege standen. "Wir hatten mehrfach Systemausfälle und Serverprobleme in der Hauptzeit der Nutzung."

Borchert will sich ihren Enthusiasmus nicht nehmen lassen und zieht eine erste Bilanz: Die Kommentierung von Artikeln sei sehr viel besser aufgenommen worden, als sie gehofft habe. Die Community-Betreuung von "Der Westen" habe kurzfristig aufgestockt werden müssen. Erhebliche Defizite gebe es jedoch bei der Verortung von Artikeln mit Hilfe von Geoinformationen auf Karten. Zudem müsse das Angebot dringend Suchmaschinen-optimiert werden: Die einzelnen Stadtseiten von "Der Westen" seien beispielsweise über Google schlecht bis gar nicht auffindbar. Sehr viele neue Formate des Portals befänden sich erst einmal in der Erprobungsphase. Mit "Der Westen" ist der WAZ unter Borcherts Führung ein konzeptioneller Quantensprung gelungen - bei den Lesern und in der Tiefe der Site ist er noch nicht angekommen.

90 Lokalredaktionen, über 800 Journalisten

Branchenschätzungen zufolge hat die WAZ einen hohen einstelligen Millionenbetrag in "Der Westen" investiert. Das Angebot ist damit die bislang teuerste Online-Offensive eines regionalen Zeitungsverlags. Mehrere Agenturen und Technikdienstleister wurden damit beauftragt, dem WAZ-Konzert ein völlig neues Online-Kleid zu schneidern. Über ein Jahr dauerten die Vorbereitungen. Das neue Angebot vereint 140 Städteseiten, die von 90 Lokalredaktionen mit über 800 Journalisten bestückt werden. "Wir haben damit eine sehr gute Infrastruktur geschaffen", sagt Borchert, die von der Bloggerin zur WAZ-Onlinechefstrategin aufstieg. Nun gelte es vor allem, Print- und Online-Aktivitäten besser zu integrieren.

"Der Westen" gilt als Präventivschlag des WAZ-Konzerns im Gerangel um die regionale Vorherrschaft mit dem Westdeutschen Rundfunk (WDR). Das Portal richtet sich an eine Region mit rund acht Millionen Einwohnern. Aus 2,2 Millionen Besuchen im Dezember folgt, dass "Der Westen" auf rund 0,3 Besuche pro Einwohner des Einzugsgebietes kommt. Westdeutschland surft derzeit vor allem woanders. Um dem Anspruch seines Namens gerecht zu werden, müssen dem Angebot noch ganz erhebliche Wachstumssprünge gelingen. Für die Wachstumseuphorie des Online-Regionaljournalismus bedeutet das bescheidene Abschneiden von "Der Westen" zunächst einen erheblichen Dämpfer.

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