Online-Auktion: Ratzingers Golf brachte knapp 190.000 Euro

Der derzeit wohl bekanntest Golf der Republik ist bei eBay für 188.938 Euro und 88 Cent verkauft worden. Der Wagen, der einmal auf Joseph Kardinal Ratzinger zugelassen war, wurde von einem Online-Casino in Austin, Texas, ersteigert. Der bisherige Besitzer will die Versteigerung aber nicht akzeptieren.

Ratzinger-Golf mit Kundendienstheft: Teure Papstreliquie
DPA

Ratzinger-Golf mit Kundendienstheft: Teure Papstreliquie

Berlin - Eine Mitarbeiterin des US-Online-Casinos "Golden Palace" wollte sich gegenüber SPIEGEL ONLINE nicht dazu äußern, was die Firma nun genau mit dem Wagen plane, man habe ihn "aus Promotionsgründen" gekauft. Der Käufer habe in der Vergangenheit schon öfter sehr besondere Artikel gekauft, sagte eBay-Sprecherin Daphne Rauch. Die Versteigerung wurde von mehr als 8,4 Millionen interessierten Internet-Nutzern angeklickt.

Der bisherige Besitzer des Kleinwagens will die Versteigerung allerdings so nicht akzeptieren. Die Website von eBay sei so überlastet gewesen, dass in der letzten Stunde der Auktion kaum noch Gebote hätten abgegeben werden können, sagte Wolfgang Menne, ein Freund des Besitzers Benjamin Halbe aus Olpe in Nordrhein-Westfalen, am Donnerstag der Nachrichtenagentur ddp. Man habe deshalb mit dem als Gewinner der Auktion ausgewiesenen Bieter auch keinen Kontakt aufgenommen.

Man habe eBay mehrfach und frühzeitig darauf hingewiesen, dass es wegen der zahlreichen Zugriffe auf die Auktions-Seite mit dem Papst-Golf zu Überlastungen kommen könne, bemängelte Menne. Das Auktionshaus habe aber nach Rücksprache mit eBay in den USA erklärt, es seien keine derartigen Probleme zu befürchten. Dennoch habe etwa ein Interessent gegenüber dem Besitzer kritisiert, dass er etwa eine Stunde vor Ende der Versteigerung nicht mehr auf die Internet-Seite habe zugreifen können. "Wir haben telefonischen Kontakt zu drei Bietern gehabt, die weit mehr als 200.000 Euro bieten wollten und nicht durchgekommen sind", sagte Menne. Man habe eBay dann gestern gegen 19.00 Uhr gebeten, die Auktion zu verlängern. Darauf habe das Internet-Auktionshaus jedoch nicht mehr geantwortet, so dass die Versteigerung um 19.30 Uhr zu Ende gegangen sei.

"Wir akzeptieren das Ende der Auktion so nicht", kündigte Menne an. Weil eBay nicht darauf eingegangen sei, werde man nun rechtliche Schritte prüfen.

"Die Auktion war gültig"

Das Internet-Auktionshaus betonte dagegen, die Versteigerung sei korrekt verlaufen. Auch wenn es gegen Ende der Auktion wegen des hohen Ansturmes zu technischen Engpässen gekommen sei, habe der Zuschlag für das Online-Casino Gültigkeit. "Die Auktion war gültig", sagte Unternehmenssprecher Nerses Chopurian am Abend. Das System sei nicht zusammengebrochen. Und dass am Ende einer Auktion nicht alle zum Zuge kämen, die gerne noch bieten würden, sei häufig der Fall. Das Höchstgebot sei etwa eine Minute vor Ablauf der Frist am Abend abgegeben worden.

Am frühen Nachmittag hatten sich die Gebote für das ungewöhnliche Papamobil zeitweise fast Minutenabstand erhöht - mehrere Bieter überboten sich immer wieder gegenseitig. Danach passierte für zweieinhalb Stunden gar nichts mehr. Offenbar strich eBay viele Gebote trotz eigens nötiger Akkreditierung von der Liste. So lag das 250. Gebot für die derzeit wohl teuerste Papstreliquie am frühen Abend bei 185.050 Euro. Der Bieter "golden_palace_casino", der den Zuschlag bekam, ist jetzt jedoch laut der Angebotsseite nur der 227. Interessent.

Der Preis hatte sich innerhalb von 24 Stunden mehr als verdoppelt. Über 6,7 Millionen Interessierte und Neugierige hatten bis dahin das Angebot angeklickt, nach Angaben des Internet-Auktionshauses mehr als bei jeder eBay-Auktion in Deutschland zuvor.

Eine britische Sprecherin von "GoldenPalace" sagte am Freitag, man wisse nichts von technischen Problemen bei Ebay Deutschland. "Wir gehen davon aus, dass 'GoldenPalace' zu Recht den Zuschlag bekommen hat."

Der 21-jährige Zivildienstleistende Benjamin Halbe hatte das metallic-graue Auto mit Erstzulassung 1999 für 9500 Euro gekauft. Nach der Papstwahl des berühmten Vorbesitzers entschloss sich Halbe, das Auto zu vergolden. Als Beweis für den berühmten Vorbesitzer hat Halbe bei eBay den Fahrzeugbrief eingescannt. Als erster und letzter bekannter Fahrzeughalter steht dort "Josef Kardinal Ratzinger" eingetragen. Zudem scannte er einen Werkstattzettel ein, auf dem das Kennzeichen "CD 140 XG" und die Adresse "Citta del Vaticano" angegeben sind. Ratzinger lebt seit über 20 Jahren in Rom.

Das Gefährt, das bislang rund 75.000 Kilometer auf dem Tacho hat, kaufte Halbe im Januar bei einem VW-Händler in Siegen. Von dort kommt auch der persönliche Referent des neuen Papstes, der für den damaligen Kardinal Joseph Ratzinger den Wagen gekauft hatte, damit dieser ihn in Rom für Privatfahrten nutzen konnte. Bei Dienstfahrten stand Ratzinger allerdings eine Limousine zur Verfügung.

Der metallic-graue Gebrauchtwagen verfügt den Angaben zufolge über ein handgeschaltetes Getriebe, elektrische Fensterheber, Katalysator, Klima-Anlage und Leichtmetallfelgen.

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