Online-Auktionen Donald Duck hat den Fiskus auf den Fersen

Die Finanzbehörden machen sich im Internet auf die Suche nach Steuersündern. Mit speziell entwickelter Software will die Steuerfahndung zahlungsunwilligen Staatsbürgern auf die Schliche kommen. Im Visier der Fahnder: Verkäufer bei eBay und Co.

Von Michael Voregger


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Zwar kommt das E-Business nicht so richtig in Gang, aber Auktionshäuser, Tauschbörsen und Kleinanzeigenforen haben im Netz Konjunktur. Der virtuelle Marktplatz ist ein Selbstläufer, und inzwischen sind weltweit fast 70 Millionen Nutzer bei eBay registriert. Allein in den ersten drei Monaten wurden 220 Millionen Artikel vom Auto bis zum Babystrampler angeboten. Kein Wunder, das die Steuerbehörden sich für die virtuellen Geschäfte interessieren.

"Wir testen eine intelligente Software, die im Laufe des Jahres eingesetzt wird", erklärt Dr. Frank Ebermann, Leiter der Abteilung Steuern beim Bundesamt für Finanzen. "Es wird geprüft, ob im Netz Hinweise auf deutsche Firmen bestehen, die umsatzsteuerlich erfasst werden müssen".

XPIDER heißt das Programm, dass Verkaufsplattformen auf verdächtige Aktivitäten durchsuchen soll. Entwickelt wurde die Anwendung von Entory, einer Tochter der Deutschen Börse AG. "XPIDER ist ein Web-Crawler, der das Internet nach bestimmten Informationen durchsucht.

Die Software ist lernfähig und kann Querverbindungen ermitteln", erklärt Pressesprecher Frank Hartmann. "Mit einer Suchmaschine ist es eigentlich nicht zu vergleichen, denn hier werden ja nur die Treffer zu einem Stichwort angezeigt.

XPIDER gleicht die gefundenen Informationen mit einer Datenbank ab, die zum Beispiel beim Bundesamt der Finanzen geführt wird". In den Archiven der Bonner Behörde sind steuerlich bedeutsame Angaben aller Art abgelegt und hier finden sich die persönlichen Daten vieler Bundesbürger.

In dem Programm stecken zwei Jahre Entwicklungszeit und den Auftrag hat Entory durch eine öffentliche Ausschreibung gewonnen. "Das Programm ist intelligent und lernfähig", freut sich Frank Hartmann. "Wenn der Nutzer nach einem Auto sucht, dann weiß unser Programm, das er vielleicht auch an Autoreifen und anderen Ersatzteilen interessiert ist". Verschiedene Onlinebuchhändler arbeiten nach einem ähnlichen Prinzip und bieten ihren Kunden personalisierte Angebote.

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Graumärkte im Web

Im Fadenkreuz der Ermittlungen stehen vor allem Tauschbörsen, Kleinanzeigenmärkte und Gebrauchtwagenhändler. Hier treten auch professionelle Händler auf, die ihre Geschäfte nicht ordnungsgemäß versteuern. Das Bundesamt für Finanzen ermittelt den Sachverhalt und gibt die Ergebnisse an die lokalen Finanzbehörden weiter. Die dürfen sich dann weiter um die Steuersünder kümmern.

Bei Auktionshäusern wie eBay beißt sich XPIDER bisher noch die Zähne aus, denn die Teilnehmer treten hier unter Decknamen auf ("Donald Duck", "Schneewittchen"). Ein Zugriff auf die Datenbank des Auktionshauses und die darin enthaltenen Klarnamen ist bisher nicht möglich. Für die Teilnehmer der Auktionen bedeutet das allerdings keine Entwarnung. "Der Datenschutz ist schon durch die Erklärung der Nutzer eingeschränkt", sagt Rechtsanwalt Tobias H. Strömer. "Viel entscheidender dürften aber die Daten bei einer Steuerprüfung bei dem Veranstalter sein, da die hier gemachten Zufallsfunde an die Finanzämter gemeldet werden".

Wer regelmäßig im großen Stil auf Internet-Auktionsplattformen Waren anbietet, muss sich fragen, wie das Finanzamt seine steuerlichen Verpflichtungen einschätzt. Die Anzahl der Auktionen oder die Höhe des Umsatzes ist dabei nicht einmal entscheidend. Vielmehr zählt die "Gewinnerzielungsabsicht" oder die "Nachhaltigkeit" der Aktivitäten. Wenn der Blick in das Einkommensteuergesetz keine Klarheit verschafft, dann bleibt nur ein Besuch beim Steuerberater.



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