Online-Betrug Software erkennt falsche Internet-Bewertungen

Eine gute Geschichte und gefälschte Empfehlungen im Internet haben etwas gemeinsam: Sie fallen durch blumige Sprache und viele Verben auf. Forscher einer US-Universität wollen so Bewertungsspam im Internet aufspüren.

Spam (Symbolbild): Gefälschte Bewertungen fallen durch blumige Sprache auf
Corbis

Spam (Symbolbild): Gefälschte Bewertungen fallen durch blumige Sprache auf


Hamburg - Ist das Hotel komfortabel, schmeckt das Essen im Restaurant um die Ecke? Zahlreiche Portale im Netz versammeln mehr oder weniger Aussagekrätige Meinungen. Das Problem daran: Nicht selten schreiben sich die Anbieter ihre Qualitätsurteile einfach selber oder kaufen positive Bewertungen im Dutzend bei einschlägigen Anbietern.

Forscher der Cornell University im US-Bundesstaat New York wollen Abhilfe schaffen: Sie haben eine Software entwickelt, die echte von gefälschten Bewertungen unterscheiden können soll. Eine erste Version hat die Gruppe um die Professoren Claire Cardie und Jeff Hancock bereits im Juni präsentiert. Für den Testlauf wurden 800 Hotel-Bewertungen in Chicago in das System eingespeist, darunter eigens erstellte Fälschungen.

In 90 Prozent der Fälle habe das Programm die Fälschungen erkannt, heißt es in einer Mitteilung der Universität. Die Software führt dazu eine Sprachanalyse durch und sucht nach bestimmten Begriffen und Begriffskombinationen. In echten Bewertungen würden häufiger konkrete Begriffe wie "Badezimmer", "Check-in" oder "Preis" vorkommen. Fälschungen fielen hingegen durch Beschreibungen wie "Urlaub", "Geschäftsreise" oder "mein Ehemann" auf. Mehr Verben deuten auf Fälschungen hin, ehrliche Bewertungen würden mehr Nomen enthalten.

Die Software soll sich den Forschern zufolge weniger häufig von beschreibender Sprache, wie sie auch in Romanen verwendet wird, austricksen lassen als Menschen. Als nächstes wollen die Forscher ihren Algorithmus auf andere Kategorien ausweiten.

Suchmaschinen wie Google halten ihre Routinen zur Erkennung von Fälschungen geheim: Sind die Paramter erst einmal in der Welt, könnten die Erkenntnisse von Spammern zur Erstellung von Fälschungen genutzt werden, die auch eine noch so gute Software nicht mehr als solche identifizieren kann.

ore

insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
gsm900, 27.07.2011
1. Zuverlässigkeit?
Zitat von sysopEine gute Geschichte und gefälschte Empfehlungen im Internet haben etwas gemeinsam: Sie fallen durch blumige Sprache und viele Verben auf. Forscher einer US-Universität wollen so Bewertungsspam im Internet aufspüren. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,776980,00.html
Wenn das so sit wie beim PSA Test: Es hilft etwas, ist abe nicht sicher.
de.nada 27.07.2011
2. 
Zitat von sysopEine gute Geschichte und gefälschte Empfehlungen im Internet haben etwas gemeinsam: Sie fallen durch blumige Sprache und viele Verben auf. Forscher einer US-Universität wollen so Bewertungsspam im Internet aufspüren. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,776980,00.html
Der Schlußsatz ist gut, das passt dann auch für die eher kybernetische Interpretation, daß sich so ein "Elektronenhirn" eben doch auch suggestiv vereinnahmen lässt. ;) Sicher lässt sich eine perfekte Fläschung nicht erkennen. Aber irgendwie lässt das alles nicht auf die Kriterien schließen, die zum auffinden für einen selber relevant sind. Was allerdings Werbung auch nicht brauchen kann. Sowas lässt sich sicher nicht implantieren um Leute vor gedrucktem Spam zu schützen. Das aber gerade Bewrtungsportale mit sowas wie falschen Empfehlungen gespickt sind liegt doch irgendwie auf der Tastatur ? So wie die meisten Blüten von Banken kommen. Da wird das Geld ja auch gesammelt. Da fällt mir ein das ich mal jemandem eine Eintrittskarte verkaufte und der sie für unverschämte 100 DM plus 200 Gulden an einen Holländer verkaufte und beim wechseln noch in der Bank verhaftet wurde. Die Gulden waren "perfektes Falschgeld" Farbe, Papier etc. alles echt, gestohlene Druckplatten usw. aber alle Scheine die selbe Nummer. Also etwas Abwechslung, auch in den Bewertungen, sind schon mal ein gutes Kriterium (um jetzt da irgendwie den Bogen zu schlagen) wenn es um subjektive Beschreibungen geht. Ob es Programme gibt die den Tenor in Texten bewerten können ?
ralf_si 27.07.2011
3. Geheime Routinen?
"Suchmaschinen wie Google halten ihre Routinen zur Erkennung von Fälschungen geheim..." Wirksam sind die Filter (sollte es wirklich welche geben) jedenfalls im Finanzbereich nicht.
HappyLuckyStrike 27.07.2011
4. Viele Verben wie
"Urlaub", "Geschäftsreise" oder "mein Ehemann" bei der Fälschung, konkrete Begriffe wie "Badezimmer", "Check-in" oder "Preis" hingegen bei echt - das leuchtet nicht so GANZ ein. Man erkennt selbstgeschriebene Beräucherungen aber im Netz meist selbst, weil sie in der dritten Person von jemand geschrieben sind, der in der ersten Person denkt und null Kritik kennen (oder Kritik wie ein Schönheitsfleck, oder Pseudokrupp). Dadurch unterscheidet sich sowas sofort von dem normalen undja überall geduldeten Marketinggewschwaller, das ja zu unserer ehrenwerten Kultur gehört. Ob die Software Sinn macht, weiß ich nicht... der Web-User verläßt sich in aller Regel auf Intuition; die hat ja mancher.
profdocnix 27.07.2011
5. Braucht man nicht wirklich
Jeder, der ein bißchen Gespür für Sprache hat, kann die faulen Äpfel leicht erkennen. Ich würde das auch weniger an bestimmten Worten festmachen, als an den Bewertungskriterien: ein Buchautor schaut auf andere Sachen, wünscht sich andere Sachen, hat viel mehr nachgedacht als ein normaler Käufer über das Buch, usw... Und bezahlte Schreiberlinge holen immer weit aus, versuchen einen immer teilhaben zu lassen am Erleben (wie im Roman).
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