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Online-Enzyklopädie: Wikipedia-Gründer ist entsetzt über Qualität

Ein renommierter US-Journalist hat sich die englische Ausgabe der Wikipedia vorgenommen und darin "Müll" gefunden, Einträge, die er "schlimmer als schlecht" nennt. Das Erstaunliche: Wikipedia-Gründer Jimmy Wales stimmte ihm zu.

Wikipedia-Gründer Wales: "Was können wir dagegen tun?"

Wikipedia-Gründer Wales: "Was können wir dagegen tun?"

"Das hier ist schlimmer als schlecht, und es ist, unglücklicherweise, repräsentativ für die schlampige Qualität der Wikipedia", schrieb Nicholas Carr in seinem Weblog. Carr ist nicht irgendwer, er hat Bücher über Informationstechnologie geschrieben, war einmal Chefredakteur des "Harvard Business Review" und hat beispielsweise für die "New York Times" und die "Financial Times" gearbeitet. Die zitierte Kritik bezieht sich auf den englischen Wikipedia-Eintrag über die Schauspielerin Jane Fonda, der Details enthält wie die Tatsache, dass Fonda einmal außerhalb von Paris einen Garten anlegte und dass sie bei einem Besuch in der Sowjetunion "von den Menschen dort beeindruckt" gewesen sei.

Der zweite Eintrag, den Carr sich vornimmt, betrifft Bill Gates. In dem erfährt man zum Beispiel, dass Gates 1998 mal mit einer Cremetorte attackiert wurde. Einen "inkohärenten Mischmasch von fragwürdigen Fakten" nennt der Journalist den Eintrag und fragt: "Wann wird die großartige Wikipedia gut werden?"

"Unlesbarer Mist"

Wikipedia-Gründer Jimmy Wales stieß auf den Text - in dem es um die immer wieder angekündigte kollektive Intelligenz geht, die das Internet einst versprach - und reagierte mit einem Post in einem über E-Mails befüllten Wikipedia-Forum. Er stimme nicht in allem mit Carr überein, schrieb Wales, aber "die zwei Beispiele, die er anbringt, sind, ganz ehrlich, eine entsetzliche Peinlichkeit. [Die Einträge über] Bill Gates und Jane Fonda sind fast unlesbarer Mist. Warum? Was können wir dagegen tun?"

Die deutsche Wikipedia, der die Attacken nicht galten, hat unterdessen Preise im hauseignenen Schreibwettbewerb vergeben. Mehr als 70 Beiträge waren im Rennen, mit Themen von der Blauflügel-Prachtlibelle bis hin zur britischen Monarchie. Gewonnen hat schließlich ein Text zu einem Begriff der, so die Jury, zwar jedermann bekannt sei, "dessen Hintergründe uns aber heute nur noch oberflächlich bewusst sind": Der Eintrag behandelt das Thema "Wahnsinn".

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