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Online-Häme wird Straftat: Weltweit erstes Gesetz gegen Cybermobbing

Rund zwei Jahre, nachdem die damals 13 Jahre junge Megan Meier angeblich per Cybermobbing in den Selbstmord getrieben wurde, wird aus den Online-Bösartigkeiten ein Straftatbestand. Der US-Bundesstaat Missouri prescht vor damit - und könnte einen Trend einleiten.

Cybermobbing klingt wie ein Begriff aus der Trendwörterkiste von Werbern oder Boulevardjournalisten, tatsächlich aber stellt es weltweit ein wachsendes Problem dar: Minderjährige kommunizieren nicht nur im Web und pflegen ihre Freundschaften, sondern auch ihre Feindschaften - sie stellen sich gegenseitig bloß, beharken und bekriegen sich. Da wird aus der Profilseite mit Gästebuch-Funktion schnell ein Pranger. Und anders als früher, als das Getuschel und die üble Nachrede sich auf den Schulhof begrenzte, ist es nun potentiell weltweit zu sehen.

Megan Meier: Per MySpace-Profilseite in den Tod getrieben?

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Zumal das Internet für fiese Mobbing-Attacken völlig neue Möglichkeiten bietet, wie der Fall Megan Meier 2006 zeigte. Da verknallte sich eine 13-jährige in einen angeblich 16-jährigen Jungen, der nur geschaffen worden war, um dem Mädchen eins auszuwischen. Als dieser virtuelle Lover sich von ihr abwandte und dazu überging, sie auf das Übelste zu beschimpfen, brachte sich das Mädchen um. Die angebliche Täterin lebte in der Nachbarschaft und hatte die Pubertät deutlich hinter sich: Lori D. ist 49 Jahre alt und steht derzeit vor Gericht.

Die Empörung über diesen spektakulären Fall führte nun dazu, dass im US-Bundesstaat Missouri das erste Gesetz gegen Cybermobbing in Kraft tritt. Denn fast noch mehr Empörung als die Geschichte von Megan Meier erregte die Tatsache, dass die zuständige Staatsanwaltschaft zunächst auf eine Anklage verzichtet hatte: Sie fand einfach kein Gesetz, das ihr eine erfolgversprechende Handhabe gegeben hätte.

Missouris Gouverneur Matt Blunt erweiterte nun bestehende Gesetze gegen Mobbing auf die Möglichkeiten elektronischer Kommunikation verschiedenster Form. "Soziale Netzwerke und andere Technologien haben Kriminellen und Drangsalierern neue Möglichkeiten gegeben, sich auf ihre Opfer, insbesondere Kinder, zu stürzen", sagte Blunt bei der zeremoniellen öffentlichen Unterzeichnung der Gesetzesänderung. "Dieses neue Gesetz wird sicherstellen, dass uns die nötigen Schutzmöglichkeiten wie Strafen zur Verfügung stehen, um Bürger Missouris vor dem Cybermobbing zu schützen."

Prominentester Gast der Zeremonie war Tina Meier, Mutter des dreizehnjährigen Opfers Megan, die seit rund einem Jahr im Rahmen einer privaten Kampagne gegen Cybermobbing an Schulen, auf Kongressen und politischen Meetings spricht. Sie äußerte sich dankbar für die Reaktion des Gesetzgebers in Missouri, unterstrich aber zugleich, dass dies noch nicht weit genug gehe: Damit sei das Thema nicht erledigt, denn Cybermobbing finde überall statt.

Das Gesetz von Missouri ist das erste weltweit, dass verschiedenste Formen von Mobbing via elektronischer Medien und Kommunikationsmittel abdeckt. Es könnte einen Trend einleiten: Auch Gesetze gegen Spam, unfaires Online-Marketing und verschiedene Formen des elektronischen Betruges entstanden zuerst in einzelnen US-Bundesstaaten und wurden zum Vorbild für Gesetze in aller Welt.

pat/AP

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Cybermobbing

Auch in Deutschland sind Formen des Cybermobbings ein wachsendes Problem. Hiesige Gesetze greifen, wenn es um üble Nachrede, direkte Beschimpfungen und Ähnliches geht, auch im Internet. Doch Cybermobbing kann weit mehr sein. Brauchen auch wir eigene Gesetze dagegen?



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