Online-Immobiliensuche: Traumwohnung aus dem Internet

Drei Zimmer, Küche, Bad: Die nackten Daten verraten wenig über die Wohnqualität einer Immobilie. Wichtiger sind Erkenntnisse über Umfeld, Infrastruktur und Verkehrsanbindung. Und da wird man im Internet schnell fündig.

Bonn - Der Umzug in die fremde Stadt steht an. Wie die richtige Wohngegend finden? Wie weit ist es zum Arbeitsplatz, zur Schule? Wie ist die Nahverkehrsanbindung? Wo der nächste Supermarkt? Mit speziellen Karten im Internet kann dies nun auch in Deutschland jeder herausfinden. Die Suchriesen Google und Yahoo bieten Landkarten an, die Nutzer mit beliebigen Zusatzinformationen versehen können.

Wohnungssuche im Internet: Kartendienste wie "Wohnungskarte.de" helfen dabei, die passende Immobilie in einer fremden Stadt zu finden
DDP

Wohnungssuche im Internet: Kartendienste wie "Wohnungskarte.de" helfen dabei, die passende Immobilie in einer fremden Stadt zu finden

"Das Netz wird lebensnaher, weil es konkrete Lebensbezüge herstellt", sagt Willi Schroll. Er hat sich für das Trendforschungsunternehmen Z-Punkt in einer Studie mit den neuen Web-Diensten befasst. Die Wohnungskarte.de etwa zeigt bundesweit rund 15.000 Wohnungen - vom WG-Zimmer bis zu Wohnungen mit mehr als fünf Zimmern. Auf der Karte sieht der Wohnungssuchende auf einen Blick, wie weit eine in Frage kommende Wohnung vom Arbeitsplatz entfernt ist. Das Satellitenbild bietet weitere Informationen: Wie groß ist der Garten? Stehen Bäume vor dem Haus? Mit einem Klick auf das Objekt lassen sich weitere Informationen abrufen: Preis, Konditionen und mitunter sogar die Ansichten einzelner Zimmer.

Obwohl der Kartendienst Wohnungskarte.de von der Website Studenten-WG.de betrieben wird, sind die Abfragemöglichkeiten noch eingeschränkt. So lassen sich insbesondere Angebote für Wohngemeinschaften nicht nach der Anzahl, dem Alter oder dem Geschlecht der Mitbewohner durchsuchen.

Dienste wie UndWo.de aus Berlin und MapIts.de aus München verwenden die 1,2 Millionen Datensätze des Internet-Immobilienmaklers Immobilienscout24. Während UndWo.de rund 500.000 Inserate aus dem Datenbestand auf den Karten präsentiert, reichert MapIts.de die Inserate noch mit rund 7000 Angeboten der Münchner Wohnungs-Infobörse GmbH an. Natalia Kossev, Geschäftsführerin von UndWo.de plant, das Angebot mit weiteren Daten über Schulen, Krankenhäuser oder Apotheken anzureichern.

Der Wohnungssuchende kann aber auch selbst über die Infrastruktur vor Ort informieren: Google Earth zeigt solche Informationen bereits an. Aber auch zahlreiche Spezialkarten bieten teilweise ungewöhnliche Zusatzinfos. So gibt es auf Basis von Google Maps etwa für Berlin nicht nur eine interaktive Metrokarte, sondern auch eine Übersicht über öffentliche Tischtennisplatten.

An eine kostenbewusste Klientel wendet sich der Immobilienkompass der Zeitschrift "Capital". Er lässt auf einen Blick erkennen, ob der Preis für eine Wohnung oder ein Haus vergleichsweise günstig oder überteuert ist. Für 36 deutsche Städte stellt er Informationen zu Kauf- und Mietpreisen bereit. Dafür überlagert er die Satellitenansicht je nach Wohnlage - top, gut, mittel, einfach - mit vier verschiedenen Farben. Die Daten decken sich weitgehend mit den regelmäßig aktualisierten Mietspiegeln der Städte, die oftmals kostenlos verfügbar sind.

Noch genauere Auskünfte über Wohngebiete sind in Deutschland noch Zukunftsmusik. In den USA zeigt eine der bekanntesten interaktiven Landkarten-Anwendungen, Chicagocrime.org, zum Beispiel wo genau und wann welche Verbrechen in der Nachbarschaft stattfinden. Ebenfalls in den USA stellt ein Dienst die Erhebungsdaten der US-amerikanischen Volkszählung auf Landkarten dar. So lassen sich straßengenau die Einkommensunterschiede der Haushalte in jeder amerikanischen Stadt ersehen. Damit lässt sich auch erkennen, ob das Einkommensgefälle in einer Stadt etwas mit der Kriminalitätslage zu tun hat. In Deutschland sind solche Spezialkarten allerdings aus Datenschutzgründen noch nicht machbar.

Christiane Schulzki-Haddouti/ddp

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