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Online-Jobvergabe: Lokalblatt will Aufträge per Webbörse vergeben

Neues Vergabemodell für journalistische Texte: Der "Nordkurier" bietet Aufträge über eine Onlinebörse an. Interessenten müssen sich über das Webportal für die Jobs bewerben. Während ein Journalistenverband tobt, verteidigt der Initiator der Projekts die neue Vergabepraxis.

So will der "Nordkurier" Kosten minimieren: Freie Autoren und Fotografen sollen ihre Dienste künftig online offerieren. Und das nicht etwa per E-Mail, sondern über eine Online-Börse namens Nordost-Mediahouse. Der Verlag schreibt dort Aufträge für Texte und Bilder aus, lässt sich von potentiellen Auftragnehmern Angebote für die Erfüllung der jeweilige Jobs machen.

Die Idee zu der neuen Vermarktungsplattform hatte Lutz Schumacher. Der Geschäftsführer des Kurierverlags, der den "Nordkurier" herausbringt, hat ein ähnliches System zur Jobvergabe schon bei seinem letzten Arbeitgeber, der "Münsterschen Zeitung", verwendet.

Beim Deutschen Journalisten Verband (DJV, sorgt die Onlinebörse für Aufregung. Der DJV-Vorsitzende Michael Konken sagte der "Süddeutschen Zeitung" er befürchte, die Einführung der Onlinebörse könne zur "Vernichtung des Berufsstandes der freien Journalistinnen und Journalisten" führen. Schumacher bezeichnet diese Kritik dem Blatt gegenüber als "vollkommen überzogen". Außerdem hätten die meisten seiner freien Mitarbeiter bereits einen Vertrag unterschrieben, der sie zur Nutzung der neuen Online-Plattform verpflichtet.

In demselben Vertrag treten die Journalisten auch sämtliche Rechte an ihren Texten und Bildern an den Verlag ab. Die Zweitverwertung von Texten, bei freien Journalisten gängige Praxis, wäre damit eigentlich effektiv unmöglich. Im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE erklärte Schumacher jedoch, es sei aus seiner Sicht jedoch kein Problem, wenn die Journalisten eine umgeschriebe Version eines Textes noch anderen Zeitungen anbieten. Ebenso könnten sie Bilder derselben Veranstaltung weiter verwerten - nur eben nicht genau jene, die sie bereits den "Nordkurier" abgetreten haben.

Für die typischen Auftragnehmer des "Nordkurier" sei diese Praxis aber ohnehin kein Problem, sagte Schumacher der "Süddeutschen Zeitung". Schließlich rekrutiere das Blatt seine Autoren vornehmlich aus Schülern, pensionierten Lehrern und Hausfrauen. Professionelle freie Journalisten gebe es im Verbreitungsgebiet der Zeitung zu seinem Bedauern kaum, sagte Schumacher SPIEGEL ONLINE.

Befürchtungen des DJV, dass Vorgehen des "Nordkurier" könne verheerende Auswirkungen auf den Berufstand der freien Journalisten haben, weist Schumacher weit von sich. Mit einer Online-Versteigerung wie bei eBay, wie in einigen Medien berichtet wurde, habe die neue Onlinebörse schließlich nichts zu tun. Die Auftragnehmer, so Schumacher, würden weiterhin nach der bestehenden Honorarordnung abgerechnet, das System vereinfache lediglich den Prozess der Auftragsvergabe und -abrechnung.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels stand mit Verweis auf Zeitungsberichte, die Aufträge für Texte sollten versteigert werden. Diese Information wurde dementiert. SPIEGEL ONLINE hat den Artikel angepasst und bittet, die Verwirrung zu entschuldigen.

mak

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