Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

E-Mail-Check beim BSI: Verunsicherte Bürger legen Behördenseite lahm

Von

Computer-Bildschirm mit Tastatur: Das BSI versichert, dass nichts gespeichert wird Zur Großansicht
REUTERS

Computer-Bildschirm mit Tastatur: Das BSI versichert, dass nichts gespeichert wird

Betrüger sollen 16 Millionen Online-Konten geknackt haben, warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik. Auf der Homepage der Behörde können Bürger prüfen, ob sie betroffen sind. Doch die Seite hakt, das Verfahren stößt auf Kritik.

Bonn - 16 Millionen Online-Konten sollen geknackt worden, E-Mail-Adressen und Passwörter in die Hände krimineller Botnet-Betreiber gelangt sein. Davor warnt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und bietet gleichzeitig auf einer Webseite einen Test an: Hier können Nutzer ihre E-Mail-Adresse eingeben, um checken zu lassen, ob ihre Adresse betroffen ist.

Schon kurz nach der Veröffentlichung des entsprechenden Links auf SPIEGEL ONLINE ist die Seite zusammengebrochen und lässt sich seitdem nicht mehr zuverlässig aufrufen. Ein bisschen peinlich ist das für das BSI, schließlich ist es nicht die erste Aktion dieser Art. "Es wird schon daran gearbeitet. Die Kapazitäten werden gerade erhöht", sagt BSI-Pressesprecher Tim Griese. "Die Seite ist immer wieder mal aufrufbar. Am besten probiert man es mehrfach." Abrufzahlen könne man derzeit noch nicht nennen.

Die Aktion scheint jedenfalls auf große Resonanz zu stoßen - dabei fühlt sich nicht unbedingt jeder wohl damit, seine E-Mail-Adresse einfach so im Netz anzugeben. Erst recht nicht nach den Snowden-Enthüllungen, nach denen kaum auszumachen ist, wem man seine Daten anvertrauen kann und wem nicht. "Pfui!!", schreibt uns eine entrüstete Leserin nach der Veröffentlichung der Meldung am Vormittag, wir Journalisten machten uns mit der Berichterstattung "zum Handlanger der Datensammelei".

"Ich kann Ihnen versichern, dass nichts gespeichert wird"

BSI-Sprecher Griese versucht zu beruhigen. "Eine Speicherung der E-Mail-Adresse nach Abschluss der Abfrage erfolgt nicht", sagt er und erklärt das Prüfverfahren:

"Aus der eingegebenen E-Mail-Adresse wird im Rahmen des Überprüfungsverfahrens ein sogenannter Hash-Code generiert. Mit Hilfe dieses Hash-Codes lässt sich feststellen, ob Ihre E-Mail-Adresse betroffen ist. Sofern dies der Fall ist, wird die E-Mail-Adresse als Empfängeradresse der generierten Antwortmail genutzt und sofort danach auf dem Webserver gelöscht. Sind Sie nicht betroffen, wird die E-Mail-Adresse direkt nach Feststellung der Nicht-Betroffenheit gelöscht."

Die Bundesbeauftragte für den Datenschutz sei über dieses Verfahren informiert worden und habe keine Einwände.

Auf Nutzerseite sieht das so aus: Wer seine Adresse eintippt, bekommt einen Code genannt, den er sich merken soll. Nur, wenn dieser Code später in der Betreffzeile der Antwortmail des BSI erscheint, soll man diese öffnen. Aber benachrichtigt werden ohnehin ja nur diejenigen, deren Adressen betroffen sind. Das sollte laut Griese im Normalfall nur einige Minuten dauern. "Es ist unser gesetzlicher Auftrag, die Bürger zu informieren und zu warnen", kommentiert Griese die Aktion; und diesem Auftrag komme man nach.

Das Misstrauen gegenüber diesem Service oder dem Amt selbst kann der BSI-Sprecher offenbar nicht verstehen: "Was soll ich denn mit E-Mail-Adressen anfangen? Ich weiß, wir haben momentan eine Situation, in der solche Fragen vielleicht sogar auf der Hand liegen. Aber ich kann Ihnen versichern, dass nichts gespeichert wird."

Überprüfen lässt sich das von außen freilich kaum.

Anmerkung: In einer früheren Version dieses Artikels war von geknackten E-Mail-Konten die Rede. Bei den gefundenen Daten handelt es sich laut BSI zwar um Kombinationen aus jeweils einer E-Mail-Adresse und einem Passwort. So eine Kombination kann allerdings nicht nur als Zugang für E-Mail-Konten, sondern auch für andere Online-Dienste dienen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 247 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
politicalhank 21.01.2014
Ja Leute, wenn alle Medien darüber berichten ist doch klar, dass der BSI-Server einem DDoS angriff ausgesetzt wird.
2. BSI website
wunni2010 21.01.2014
Dass eine website wenn man sie veröffentlich zusammen bricht ist allgemein bekannt !Noch dazu wenn es sich um eine grosse Zahl von Betroffenen handelt . Das hätte das BSI voraussehen müssen . Das ganze ist umprofessionell-
3. Da habe ich ja vielleicht
kahabe 21.01.2014
noch mal Glück gehabt? Zumindest hat mich dieser "Code" erreicht. Allerdings bin ich jetzt ein wenig verunsichert. Nicht wegen irgendwelcher Datenspeicherung einer Bundesbehörde. Das schaffen die aktuell sowieso nicht, wie ich aus dem Bereich des ÖD wieß, in dem ich IT-mäßig tätig war. Sondern weil ich bisher keine weitere Nachricht vom BSI erhalten habe...
4. schnell...
mr.sniff 21.01.2014
reagierte das BSI. Man sollte in dieser Zeit froh sein, dass schnelle Hilfe in solchen Fällen direkt parat steht.
5.
ralf_si 21.01.2014
""Pfui!!", schreibt uns eine entrüstete Leserin nach der Veröffentlichung der Meldung am Vormittag, wir Journalisten machten uns mit der Berichterstattung "zum Handlanger der Datensammelei"."... und rief danach über ihr Android-/MS-/Apple-Handy die beste Freundin an...
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



SPIEGEL Investigativ

Schad- und Spähsoftware
Klicken Sie auf die Stichworte, um mehr zu erfahren
Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.

Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.
SPIEGEL.TV
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: