Online-Kreativ-Software Adobe Rome animiert einfach

Visitenkarten, Wanderführer, Web-Seiten: Mit der Adobe-Software Rome kann man vom Geschäftsbrief bis zur Handy-Web-Seite so ziemlich alles produzieren, was auf Papier und Bildschirm passt. Einen teuren PC braucht man dafür nicht, nur einen Web-Browser sollte man haben - denn Rome läuft am liebsten online.

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Das alte Sprichwort, alle Wege führten nach Rom, hat Adobe umgekehrt: Von Rom aus kommt man überallhin, könnte man sagen. Oder besser: Mit Rome kann man alles machen, beinahe jedenfalls.

Denn Rome ist das neue Publishing-Programm des Software-Giganten und es ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Rome ist weder Textverarbeitung noch Layout-Software, es ist weder Homepage-Baukasten noch Animationstool, es ist all das in einem. Und es ist kostenlos, zumindest vorerst.

Letzterer Punkt ist für Adobe gar nicht mal ungewöhnlich. Die meisten Computernutzer kennen den Konzern vor allem durch zwei Programme: Den kostenlosen PDF-Reader, der digitale Dokumente plattformübergreifend lesbar macht, und den kostenlosen Flash-Player, der das Web mit Multimedia-Inhalten aufhübscht. Seine knapp drei Milliarden Dollar Jahresumsatz macht der Software-Gigant dagegen mit Profi-Produkten. Programme wie Photoshop, InDesign und Dreamweaver sind die Werkzeuge, mit denen Zeitungen, Bücher und auch Web-Seiten produziert werden.

Doch diese Programme sind für Normalanwender viel zu kompliziert und zu teuer. Rome soll nun das Kunststück vollbringen, Otto-Normalanwender zum Freizeit-Kreativen zu machen. Mit Rome könne man in einer einfachen, leicht verständlichen Umgebung digitale Inhalte erzeugen und zusammenführen, heißt es in einer Pressemitteilung des Unternehmens.

Online und offline

So nebenbei ist Rome außerdem ein Technologieträger, soll zeigen, was mit Adobe-Software möglich ist. Denn Rome ist in Flash programmiert und läuft auf dem PC mit Hilfe von Air, einer Technik, die es ermöglicht, Web-Anwendungen offline zu benutzen. Deshalb kann man Rome sowohl als eigenständiges Programm für PC und Mac herunterladen, als auch im Web-Browser verwenden.

Beides funktionierte in unseren ersten Tests vollkommen fehlerfrei und sehr elegant. Die Desktop-App legt sich als halb-durchscheinender Streifen über den Bildschirmhintergrund, verschwindet, sobald man in ein anderes Fenster klickt, bleibt dabei aber sofort abrufbereit. Im Web-Browser verhält sich die Software exakt genauso, nur dass sie eben in einem Browser-Fenster läuft.

Was geht?

Die Bedienung ist bei beiden Varianten identisch, hebt sich auf angenehme Weise von den sonst üblichen Benutzeroberflächen ab. Rome zeigt stets nur die Optionen und Werkzeuge an, die man im Augenblick braucht. Dabei steht am Anfang eines neuen Projekts die Frage: Was will ich gerade machen?

Rome gibt sich da ausgesprochen vielseitig, teilt neue Projekte zunächst in zwei Kategorien ein: In solche, die einmal gedruckt werden und solche, die auf einem Bildschirm benutzt werden sollen. An dieser Stelle wird das Programm zum ersten Mal wirklich vielfältig, bietet diverse Papierformate für Druckerzeugnisse und etliche Bildschirmformate für Online-Publikationen an. Allein für Handybildschirme stehen zwölf Varianten bereit.

Aber mit diesen Details muss man sich nicht zwangsläufig beschäftigen, schließlich gibt es Vorlagen, und davon eine ganze Menge. Hübsch sortiert in Kategorien wie "Broschüren", "Visitenkarten", "Präsentationen" und "Websites" liefert Adobe in bester Corel-Draw-Manier etliche Vorlagen, von knallbunt bis bieder.

Selber machen

Wer mehr Muße hat oder in den Vorlagen nichts Passendes findet, kann sein Projekt auch von Grund auf selbst entwickeln. Der Clou: Auf diese Weise erstellte Vorlagen kann man über eine Vorlagen-Tauschbörse mit anderen Anwendern teilen. Die Qualität dessen, was da derzeit hochgeladen wird, ist allerdings noch sehr durchwachsen und stark davon geprägt, dass viele Anwender mit der neuen Software experimentieren. Als einziges Regulativ wirkt ein Bewertungssystem, durch das man Vorlagen mit bis zu fünf Sternchen belohnen kann, wenn sie gefallen.

Die Bearbeitungsfunktionen, mit denen man eigene oder fremde Vorlagen bearbeiten kann, haben es in sich. Je nachdem, was man gerade anpackt, lassen sich zum Teil feine Details, wie etwa Einrückungen von Absätzen oder das Umfließen von Bildobjekten durch Text manipulieren. Bilder können fast wie in Photoshop mit Effekten versehen, in ihrem Erscheinungsbild oder ihrer Form verändert werden. Rund 40 Effektfilter stehen zur Verfügung. Da wundert es nicht, dass sich Bilder, Texte und Objekte wie Klarsichtfolien ebenenweise übereinanderschichten und unabhängig voneinander bearbeiten lassen.

Da hat sich was bewegt!

Fast müßig zu erwähnen ist es, dass man neben Bildern und Texten auch Vektorgrafiken, Filme, ja sogar Google-Landkarten, verwenden kann. Und weil man sowieso schon in einer Flash-Anwendung arbeitet, können alle Objekte, aus denen man sein Projekt zusammenbastelt, natürlich auch animiert werden und miteinander interagieren. Eine mit Rome erstellte Website kann Besucher also erst mal mit einem Haufen herabregnender Sterne begrüßen oder animierte Auswahlmenüs enthalten - was ziemlich professionell aussehen kann.

Und professionell sind auch die Möglichkeiten, mit Rome erstellte Dokumente zu verbreiten. Druckerzeugnisse kann man - logisch - drucken oder als PDF speichern. Dokumente, die man für den Bildschirm aufbereitet, lassen sich zusätzlich beispielsweise als JPEG-Bilddatei , als Flash-Datei oder als interaktives PDF exportieren.

Was kann das kosten?

Ein Spielzeug, um einfach mal eben einen Text zu schreiben, ist Rome jedenfalls nicht. Eher schon eine Art Schweizer Online-Taschenmesser für Mediengestaltung. Und das auch insofern, als man es überall hin mitnehmen kann, sofern man über einen Adobe-Account verfügt. Damit nämlich kann man sich auch im Internetcafé oder bei Freunden bei Rome anmelden und dort mit genau den Dateien weiterarbeiten, die man zu Hause vorbereitet hat.

Ob man sich an diesen Komfort gewöhnen sollte, ist eine andere Frage. Adobe stellt eine mit der Versionsnummer 0.9 versehene Vorabversion von Rome derzeit kostenlos zur Verfügung. Irgendwann aber, wenn die Software die Versionsnummer 1.0 erreicht hat, will Adobe mit Rome Geld verdienen. Wie viel es dann kosten wird, die Online-Offline-Kombination zu benutzen, mochte der Konzern bisher noch nicht verraten.

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