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Online-Musik: Simfy sucht die Download-Schnäppchen

Von Gerrit Pohl

Online einkaufen ist eine feine Sache, den Überblick über die Angebote zu behalten aber schwer. Preisvergleichsseiten schaffen Durchblick, solange es um physische Güter geht. Simfy will das nun für den Download-Musikmarkt leisten.

Einst war das musikalische Konsumleben verhältnismäßig unkompliziert. Die Anlaufstellen waren hinsichtlich ihres Angebots und Preisniveaus hinreichend bekannt, später kamen dann zunehmend die Mega-Stores hinzu und versteckten manchmal etwas billigere Tonträger geschickt zwischen sogenannter Braun- und Weißware. Heute ist die Sache noch komplizierter.

Simfy: Download-Preisvergleich für Musik

Simfy: Download-Preisvergleich für Musik

Immer mehr Onlinestores verkaufen eine immer größere Anzahl an Musik-Downloads, und das oft zu höchst unterschiedlichen Konditionen. Doch wer hat Lust und Zeit, sich vor dem Einkauf von ein paar Downloads bei den vielen Shops ausführlich umzusehen, nur um ein paar Cent zu sparen? Eben.

Geht es nach dem Willen zweier BWL-Studenten der Universität Mannheim, könnte sich dieser Zustand bald grundlegend ändern. Der Name des von Steffen Wicker und Christoph Lange ins Leben gerufenen Dienstes: "Simfy", eine etwas eigenwillige Verkürzung von "Simplify Your Music Search".

Als virtueller Einkaufsberater für Online-Musik soll Simfy die Preise und sonstigen Konditionen möglichst aller Download-Anbieter kennen und vergleichend darstellen. Ein Konzept, das Portale wie "geizhals.de" für eine breite Produktpalette - von Autoreifen bis hin zum Online-Kredit - bereits seit längerem eingeführt haben. Und das nach Meinung der Macher auch für Musik-Downloads bestens geeignet ist.

"Wir wollen in erster Linie Nutzen stiften", so Steffen Wicker über das ursprünglich studentische Projekt, das nun doch mehr zu werden scheint - man beschäftigt einen Pressesprecher! Der verweist darauf, dass es zwischen den Anbietern Preisunterschiede von immerhin bis zu 50 Prozent gebe. Ziel von Simfy sei es daher, "Übersichtlichkeit und Transparenz im legalen Download-Handel zu schaffen".

Bislang sind in der Datenbank allerdings nur solche Dienste geführt, deren Angebot webbasiert funktioniert - Shops, die eine Client-Software voraussetzen, also auch iTunes, können die simfy-Roboter nicht erfassen. Bereits gelistet sind aber immerhin Größen wie Musicload und AOL, sowie mit Shops wie dem Independent-Spezialisten Finetunes erfreulicherweise auch einige kleinere Anbieter. Nach Angaben von Simfy kann derzeit nach mehr als 75.000 Interpreten, 95.000 Alben und rund 1,2 Millionen Titeln gesucht werden. Und, da sind die Studenten schon echte Profis, Verhandlungen über eine Katalogaufnahme von iTunes und Napster seien selbstverständlich bereits im Gange.

Und so geht das

Die Bedienung der funktional gehaltenen Seite ist einfach: Nach Eingabe eines Suchbegriffs - etwa dem Namen eines Songs oder einer Band - werden die entsprechenden Preis- und Verfügbarkeitsinformationen dargestellt. So kann schnell der günstigste Preis festgestellt werden, ein weiterer Klick führt dann auf die entsprechende Detailseite des Anbieters.

Langfristig soll der noch etwas sterile Charakter von simfy, das sich derzeit über Werbung und Verkaufsprovisionen der Shops finanziert, durch Community-Dienste, Hörproben und Rezensionen aufgebrochen werden. Doch der Preis allein wird nicht immer das entscheidende Kaufkriterium sein. Der Einsatz eines sehr restriktiven Digital Rights Management vermag die Attraktivität eines günstigen Preis beispielsweise schnell wieder aufzuwiegen.

"Wir werden künftig auch solche Informationen bereitstellen", so Wicker. "Außerdem planen wir einen Guide, der über DRM und die damit verbundenen Einschränkungen aufklären soll."

Auch aus einem anderen Grund ein nicht ganz unwichtiges Vorhaben: Wer beispielsweise einen iPod besitzt, wird kaum bei einem Shop einkaufen, der das inkompatible WMA-Format einsetzt - da mag der Preis noch so niedrig sein. "Die Hemmschwelle eines Anbieterwechsels ist natürlich teilweise hoch", gibt Steffen Wicker zu und glaubt dennoch an die Daseinsberechtigung seines Dienstes: "Es gibt genügend Nutzer, die Wert auf alternative Audioformate legen und preissensibel sind."

Apropos preissensibel: Wie viel lässt sich denn nun wirklich durch einen Preisvergleich bei simfy sparen? Wir machten die Probe aufs Exempel und suchten nach "Hardrock Hallelujah", dem Grand-Prix-Gewinnertitel der maskierten Finnen von Lordi. Ergebnis: Zwischen dem teuersten und dem billigsten Anbieter lag eine Differenz von immerhin 30 Cent. Deutlicher Sparen lässt sich mitunter bei Download-Alben: Für das aktuelle Depeche Mode-Album "Playing The Angel" betrug die erzielbare Ersparnis rund zwei Euro.

Download-Kenner kann man mit solchen Zahlen zwar kaum überraschen, aber noch nie wurden die Preisunterschiede so öffentlich aufgezeigt. Was aus Kundensicht also eine lobenswerte Sache ist, könnte für die Musik-Services deshalb die nächste Runde im Preiskampf einläuten. Mit möglicherweise langfristig unangenehmen Folgen für diejenigen Anbieter, die mangels Quersubventionierung von Musik alleine leben müssen. Wicker sieht das ähnlich: "Die zunehmende Transparenz wird zu einem verstärkten Wettbewerb zwischen den Anbietern führen und kann eine Konvergenz der Preise zur Folge haben."

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