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Online-Netzwerke: Facebook kauft FriendFeed, integriert Bing

Das Online-Netzwerk Facebook übernimmt den Web-2.0-Aggregator FriendFeed. Der Kaufpreis für den im Verhältnis zu Twitter relativ kleinen Dienst liege bei 50 Millionen US-Dollar, berichtet das "Wall Street Journal". Nun wird spekuliert, ob FriendFeed bald verschwindet.

Bar bezahlt würden von der Gesamtsumme von 50 Millionen nur 15 Millionen Dollar, der Rest werde in Facebook-Aktien ausbezahlt. Mit dem Kauf von FriendFeed hat das derzeit weltweit größte Online-Netzwerk jetzt einen Konkurrenten von Twitter übernommen. Ein Kaufangebot der Facebook-Gründer über 500 Millionen US-Dollar war von Twitter 2008 abgelehnt worden.

Friendfeed: Facebook kauft Aggregator

Friendfeed: Facebook kauft Aggregator

FriendFeed war 2007 von vier ehemaligen Google-Mitarbeitern gegründet worden. Die Idee: Nutzer sollten ihre Online-Aktivitäten an einem Ort gebündelt sichtbar machen und gleichzeitig miteinander kommunizieren können. Blogeinträge, Flickr-Fotos, Webshop-Wunschlisten, Lieblingslieder bei LastFM, Netz-Bookmarks bei del.icio.us und anderes (siehe Kasten am Ende des Artikels) kann FriendFeed gebündelt darstellen.

Das Konzept geht also weiter als Twitter, das Nutzern nur erlaubt, miteinander mit 140-Zeichen-Nachrichten zu kommunizieren. Unter anderem das komplexere Erscheinungsbild von Friendfeed mag jedoch viele Menschen bis auf einen harten Kern von Internet-Enthusiasten abgeschreckt haben: Der Dienst kam zuletzt laut Schätzungen auf knapp eine Million Nutzer, während es bei Twitter inzwischen rund 45 Millionen sein sollen.

Facebook: Das Weltnetz
Mitglieder
Facebook
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach Angaben von Goldman Sachs hatte Facebook Anfang 2011 600 Millionen Mitglieder weltweit, nach eigenen Angaben loggt sich jeden Tag die Hälfte von ihnen auf der Seite ein (Stand: Januar 2011).
Plattform
Seit Mai 2007 können externe Entwickler auf Nutzerdaten zugreifen, wenn die Facebook-Mitglieder dem zustimmen. Seit die Plattform für externe Entwickler geöffnet wurde, wächst das Angebot des einstigen Studentennetzwerk rasant – die Nutzer können aus mehreren tausend kostenloser Anwendungen wählen – Spielen, Fotoverwaltern, Programmen zum Abgleich von Lese-, Film- und Musikvorlieben zum Beispiel.
"Mir gefällt das"
Facebook überall: Die "Mir gefällt das"-Funktion können Website-Betreiber auf ihren eigenen Seiten einbauen. Mit einem Klick teilen Facebook-Nutzer ihren Freunden mit, was ihnen gefällt. Im Gegenzug kann Facebook Werbung gezielter schalten - und weiß, welche Seiten die Mitglieder ansurfen.
Geschäft
Der Umsatz von Facebook lag 2009 schätzungsweise bei 800 Millionen Dollar. Als Facebook-Gründer Mark Zuckerberg im November 2007 bei einer Präsentation in New York 250 Werbekunden ein "Interface, um Erkenntnisse über die Facebook-Aktivitäten von Mitgliedern zu sammeln, die fürs Marketing relevant sind", versprach, brach ein Proteststurm los.
Firmenwert
Facebook hat Google 2010 als meistbesuchte Website in den USA überholt. Anfang 2011 investierten die US-Großbank Goldman Sachs und die russische Beteiligungsgruppe Digital Sky Technologies 500 Millionen Dollar in das US-Unternehmen. Der Wert des Netzwerks klettert auf 50 Milliarden Dollar.
Hollywood
Der Film zum Phänomen: Die Gründungsgeschichte von Facebook wurde 2010 von David Fincher mit Jesse Eisenberg in der Hauptrolle verfilmt. "The Social Network" zeigt Zuckerberg als soziopathischen Nerd, der Facebook aus enttäuschter Liebe gründet.

Facebook ist ungleich größer, hat mehr als 250 Millionen Mitglieder. Bei dem Online-Netzwerk können Nutzer ihre Profile anlegen und miteinander kommunizieren. Im Lauf der Zeit hat Facebook zunehmend Funktionen in sein Angebot integriert, die stark an Friendfeed erinnern - auch dort kann man jetzt Web-2.0-Beiträge aus anderen Plattformen zusammenziehen. Auch deshalb wird bereits spekuliert, ob FriendFeed wohl demnächst von der Bildfläche verschwindet, und Facebook sich mit dem Deal eher Mitarbeiter und Know-How als eine Konkurrenzplattform zugelegt hat.

Zusätzlich zu dem Kauf von FriendFeed hat Facebook auch sein eigenes Angebot aufgestockt. Auf der englischsprachigen Seite kann man jetzt neben Profilen und Seiten von Facebookmitgliedern auch das Internet durchsuchen. Die Suchergebnisse stammen von Microsofts Suchmaschine, dem Google-Konkurrenten Bing. Microsoft besitzt einen kleinen Anteil an Facebook.

Nach der Allianz mit Yahoo ist die Integration von Bing in Facebook ein weiterer Schritt, mit dem der Software-Riese Google Marktanteile im Bereich Web-Suche abnehmen möchte.

Der Schritt ist strategisch klug: Marktanteile von Suchmaschinen werden in den USA als prozentuale Anteile an der Gesamtzahl der Suchanfragen ausgewiesen, nicht primär anhand von Nutzerzahlen. Social Networks generieren aber überproportional viele Seitenaufrufe, weil sich deren Nutzer weit überdurchschnittlich rege in diesen Netzen bewegen. Eine typische News-Seite bringt es auf vier bis sechs Seitenaufrufe ("page impression") pro Besuch ("visit"), Social Networks liegen üblicherweise im Bereich über 30 Seitenaufrufe pro Besuch.

mcc/dpa/reuters

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