Online-News: Wie lange eine Nachricht im Netz überlebt

Den Lebenszyklus von Online-Nachrichten haben ungarische Forscher studiert. Wie leicht eine Meldung zugänglich ist, entscheidet über ihre Haltbarkeit, lautet eines der Ergebnisse. Auch die mittlere Lebensdauer von Online-News berechneten die Forscher: Sie liegt knapp über der von Tageszeitungen.

Zeitungen: Nichts ist älter als die von gestern?
AFP

Zeitungen: Nichts ist älter als die von gestern?

Die alte Weisheit, dass nichts älter sei als die Zeitung von gestern, ist für Onlinemedien nicht gültig. Während die Lebensdauer einer Zeitungsnachricht in erster Linie dadurch bestimmt wurde, dass am nächsten Tag eine neue Zeitung erscheint, bleiben Online-Nachrichten im Allgemeinen im Netz stehen - theoretisch wären sie also noch nach Wochen und Monaten verfügbar. Tatsächlich aber beträgt die reale Lebensdauer einer Online-Nachricht etwa 36 Stunden - zumindest, wenn man nach den Ergebnissen einer Gruppe von Forschern aus Ungarn und von der University of Notre Dame im US-Staat Indiana geht.

"Wenn wir einer Nachricht nicht ausgesetzt sind, während sie noch an hervorstechender Position präsentiert wird, ist es unwahrscheinlich, dass wir später wissen, wonach wir suchen sollen", schreiben Zoltan Dezsö und seine Kollegen in einer jetzt online publizierten Studie. Sie hatten die Klick-Statistiken einer ungarischen Nachrichtenseite namens "Origo" untersucht, die als meistfrequentiertes Internetportal des Landes gilt. Sie studierten die Daten eines einzelnen Tages, an dem innerhalb des Nachrichtenportals knapp 4000 einzelne Meldungen und Geschichten platziert worden waren. 6,5 Millionen Hits registriert die Webseite an einem typischen Tag insgesamt, bei etwa 250.000 individuellen Besuchern.

Nach drei Tagen verschwindet die News für immer

Jede Nachricht wird, wie zu erwarten, an dem Tag am häufigsten gelesen, an dem sie erscheint. An den darauffolgenden Tagen nimmt die Zahl der Hits drastisch ab. Um genau zu sein folgt diese Abnahme einem Potenzgesetz. Nach etwa drei Tagen haben fast alle Leser, die je einen Blick auf die Nachricht werfen werden, dies bereits getan, danach tut sich kaum noch etwas. Auch ein Archiv ändert daran wenig.

Nach den Ergebnissen von Dezsö und Kollegen sieht der typische User von "Origo" etwa 53 Prozent der Nachrichten, bevor sie von der Hauptseite des Portals verschwinden und liest etwa 7 Prozent. Sobald eine Meldung nicht mehr auf der Hauptseite zu finden ist, hat sie ihre reale Lebenszeit so gut wie hinter sich.

Die Forscher glauben, dass ihre Ergebnisse sich auch auf andere Bereiche des Internet ausweiten lassen, etwa auf Handelsplattformen: "Wenn wir uns kommerzielle Webseiten ansehen, stehen wir vor einem vergleichbar dynamischen Netzwerk, wo Gegenstände von der Seite genommen werden, weil sie verkauft oder aus dem Angebot genommen wurden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Besuche einzelner Benutzer auf solchen kommerziellen Seiten ebenfalls einer Potenzgesetz folgen, was zu einem entsprechenden Abfall in den Besuchern eines einzelnen Objektes führen könnte." Dezsö und Kollegen glauben deshalb, das ihre Ergebnisse auch für Online-Händler von Interesse sein sollten.

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