Online-Pornografie Jugendschützer beklagen mehr Verstöße im Web denn je

Filme von Hinrichtungen, frei zugängliche Pornos oder rechtsradikale Beiträge: Die zentrale Kontrollstelle für den Jugendschutz im Internet hat im vorigen Jahr so viele Fälle erfasst wie nie zuvor.


Die länderübergreifende Stelle für Jugendschutz im Internet jugendschutz.net hat einen "neuen Höchststand bei Verstößen gegen den Jugendschutz" registriert. Insgesamt seien im vorigen Jahr 2883 solcher Fälle erfasst worden. Das entspreche einem Plus von zehn Prozent verglichen mit 2006. "Das ist ein Phänomen, das wir seit längerem beobachten", sagte Friedemann Schindler von jugendschutz.net.

Dabei handelte es sich vor allem um pornografische Seiten, die mit 52 Prozent den weitaus größten Anteil an den beanstandeten Angeboten ausmachten. Rechtsextreme Propaganda fiel dabei mit 14 Prozent ins Gewicht.

Doch nicht nur einschlägige Seiten gefährden aus Sicht der Experten Kinder und Jugendliche. Auch Online-Netzwerke wie etwa SchülerVZ, Facebook oder Youtube seien nicht ungefährlich. Gerade in diesen Angeboten des sogenannten Web 2.0 würden offenkundig die gleichen Fehler gemacht wie bei älteren Angeboten, sagte Schindler.

Jugendschützer: Selbstentblößung im Mitmachnetz

Die wichtigste Aufgabe sei es, vor allem Betreiber auf ihre eigene Verantwortung hinzuweisen. Oft würden "Jugendschutzaspekte zu wenig mitbedacht". Doch auch Eltern müssten sich die Gefahr bewusster machen, die etwa die Preisgabe eigener Daten im Netz berge.

Die interaktiven Seiten seien eine Herausforderung für den Jugendschutz, da unzählige Teilnehmer eigene Inhalte auf diesen Seiten veröffentlichen könnten. Hier lauerten auch Gefahren, etwa durch mögliche Belästigungen seitens anonym schreibender Erwachsener, die sich als Kinder ausgeben. "Häufig ist es für Eltern schwer, ihrer Verantwortung nachzukommen", sagte Schindler. "Für Eltern ist es deshalb wichtig zu wissen, welche Angebote ihre Kinder nutzen."

Neben eigenen Recherchen nehmen die jugendschutz.net-Mitarbeiter Hinweise von außen entgegen - auch anonym. "Die Zunahme der Hinweise deutet darauf hin, dass sich mehr Menschen Sorgen machen." Auf der Seite der Kontrollstelle finden Eltern Hilfe für das sichere Surfen im Netz.

Die Kontrollstelle setzt auch auf die Zusammenarbeit mit den Anbietern. So seien drei von vier Verstöße nach einem Hinweis beseitigt worden, ohne dass Aufsichtsbehörden eingreifen mussten.

Jugendschützer machtlos gegen Anbieter im Ausland

Allerdings funktioniert das so richtig gut vor allem bei in Deutschland ansässigen Unternehmen. Selbst von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften (BPjM) indizierte und als "schwer jugendgefährdend" eingestufte Internet-Seiten sind in Deutschland problemlos zu erreichen , weil die Anbieter im Ausland sitzen, oder zumindest ihren offiziellen Firmensitz im Ausland haben.

Nur Anbietern, die derartige Dienste unter einer deutschen Adresse betreiben, verlangt der deutsche Gesetzgeber aufwendige und sehr teure Altersprüfsysteme ab, und droht bei zu laxen Kontrollen sogar mit Haftstrafen.

lis, dpa (Sebastian Raabe)



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