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Online-Reklame: Wie Facebook an dubioser Werbung verdient

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Intelligenztests, Gewinnspiele, Partnerbörsen: Bei Facebook werben einige Anbieter für Web-Dienste, die etwas ganz anderes bieten, als die Anzeigen verheißen. Wer nicht aufpasst, schließt bei manchem Test ein Handy-Abo ab. SPIEGEL ONLINE zeigt die Tricks der Firmen.

Hamburg - Ein Baby starrt mit sechs Augen den Betrachter an. Einem Mann schießt eine Stichflamme aus dem Hintern. Darunter der Werbetext: "Bist du klug? Finde heraus, wie schlau du bist." Mit solchen Anzeigenmotiven wirbt auf den deutschen Seiten des Menschel-Netzwerks Facebook ein deutsches Unternehmen für einen sogenannten IQ-Test.

Klickt man auf die Anzeige, öffnet sich eine Seite mit einem als "IQ-Tester" überschriebenen Quiz, zum Start muss man auf einen mit "zum Test" beschrifteten Button klicken. Daneben steht "heutige Höchstpunktzahl 137" - Gutgläubige könnten annehmen, hier einen echten IQ-Test zu absolvieren. Nach dem Klick folgen ein paar simple Fragen wie diese: "Welche Nummer kommt in dieser Reihe als Nächste?". Gezeigt werden die Zahlen 1, 2, 4, 8, 16. Antwortmöglichkeiten: 18, 24, 32 oder 14.

Vermeintlicher IQ-Test führt zum Online-Abo

Das ist nicht besonders schwierig, aber man muss die Fragen auf diesem Niveau nicht einmal beantworten, um in dem sogenannten Test weiterzukommen - ein Klick auf den Knopf "Weiter" genügt, um irgendwann zum Testende durchzukommen. Da erscheint diese Mitteilung: "Super, hol dir jetzt dein Ergebnis auf dein Handy!"

Bevor man seine Handy-Nummer in das Feld tippt und auf "Bestätigen" klickt, sollte man allerdings den in kleiner, dunkelgrauer Schrift auf weißem Hintergrund am Seitenende plazierten Text lesen. Da steht unter anderem: "Das visionclubgamez Abo kostet 2,99€/Spiel (max. 8,97/Woche inkl. 19% MwSt)".

Im Klartext: Was bei Facebook mit dem Slogan "Bist du klug?" beworben und dann auf der entsprechenden Seite oft als "IQ-Test" bezeichnet wird, ist ein Abo für Handy-Spiele, das man mit der Eingabe der Handy-Nummer am Testende abschließt.

Den kleingedruckten Text am Seitenende lesen offenbar nicht alle Kunden, die auf die IQ-Test Seite geraten. Leser von SPIEGEL ONLINE klagen über versehentlich abgeschlossene Abos, eine Google-Suche nach den Schlagworten IQ-Test und Bobmobile (so heißt der Anbieter) offenbart mehrere hundert Treffer. Die ersten sind Hilferufe aus Web-Foren mit Titeln wie:

  • "WARNUNG!-Ich habe den IQ-Test von Bobmobile nicht bestanden ..."
  • "Bobmobile - Abo ohne Einwilligung"
  • "Ich bin auch über den IQ-Test auf Facebook Bobmobile in die Falle gegangen"

Die Kritik kann das Unternehmen Bobmobile nicht nachvollziehen. Sprecher Jorge Peralta erklärt auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE: "Was die Kosten der Software-Applikation anbelangt, so werden diese in den von Ihnen angesprochenen Werbemaßnahmen im Rahmen eines Abos vertrieben. Die Abo-Konditionen werden dabei vor Vertragsschluss deutlich kommuniziert." Peralta verweist auf ein Sternchen, das neben dem "Bestätigen"-Button plaziert ist: "Insbesondere ist der '*'-Verweis auf die Konditionen bei einem Monitor mit üblicher Auflösung ohne Herunterscrollen sichtbar."

Bobmobile: Kein Test, sondern "Beispielaufgaben"

Warum die Fragen in dem bei Facebook beworbenen Test so simpel sind, warum man sich auch ohne Antworten zu geben bis zum "Ergebnis" durchklicken kann, erklärt Peralta so: "Es handelt sich dabei nur um einige wenige Beispielaufgaben zur Veranschaulichung der Software." Die "Möglichkeit, ohne Eingabe einer Antwortmöglichkeit zur nächsten Beispielfrage weiterzuklicken", habe daher keine "negativen Auswirkungen auf die Einsatz- und Funktionsfähigkeit" der Applikation." Denn die läuft ja nur auf dem Mobiltelefon - nachdem man mit einem Klick und Angabe seiner Handy-Nummer ein Abo abgeschlossen hat.

Facebook: Das Weltnetz
Mitglieder
Facebook
Facebook ging Anfang 2004 als soziales Netzwerk für Harvard-Studenten online. Zunächst konnten nur Menschen mit E-Mail-Adressen ausgewählter US-Hochschulen Mitglieder werden, seit 2006 ist die Seite für alle Über-13-Jährigen offen. Nach Angaben von Goldman Sachs hatte Facebook Anfang 2011 600 Millionen Mitglieder weltweit, nach eigenen Angaben loggt sich jeden Tag die Hälfte von ihnen auf der Seite ein (Stand: Januar 2011).
Plattform
Seit Mai 2007 können externe Entwickler auf Nutzerdaten zugreifen, wenn die Facebook-Mitglieder dem zustimmen. Seit die Plattform für externe Entwickler geöffnet wurde, wächst das Angebot des einstigen Studentennetzwerk rasant – die Nutzer können aus mehreren tausend kostenloser Anwendungen wählen – Spielen, Fotoverwaltern, Programmen zum Abgleich von Lese-, Film- und Musikvorlieben zum Beispiel.
"Mir gefällt das"
Facebook überall: Die "Mir gefällt das"-Funktion können Website-Betreiber auf ihren eigenen Seiten einbauen. Mit einem Klick teilen Facebook-Nutzer ihren Freunden mit, was ihnen gefällt. Im Gegenzug kann Facebook Werbung gezielter schalten - und weiß, welche Seiten die Mitglieder ansurfen.
Geschäft
Der Umsatz von Facebook lag 2009 schätzungsweise bei 800 Millionen Dollar. Als Facebook-Gründer Mark Zuckerberg im November 2007 bei einer Präsentation in New York 250 Werbekunden ein "Interface, um Erkenntnisse über die Facebook-Aktivitäten von Mitgliedern zu sammeln, die fürs Marketing relevant sind", versprach, brach ein Proteststurm los.
Firmenwert
Facebook hat Google 2010 als meistbesuchte Website in den USA überholt. Anfang 2011 investierten die US-Großbank Goldman Sachs und die russische Beteiligungsgruppe Digital Sky Technologies 500 Millionen Dollar in das US-Unternehmen. Der Wert des Netzwerks klettert auf 50 Milliarden Dollar.
Hollywood
Der Film zum Phänomen: Die Gründungsgeschichte von Facebook wurde 2010 von David Fincher mit Jesse Eisenberg in der Hauptrolle verfilmt. "The Social Network" zeigt Zuckerberg als soziopathischen Nerd, der Facebook aus enttäuschter Liebe gründet.

Auf den Seiten von Bobmobile findet man andere Dienste, die ähnlich beworben werden. Da gibt es den sogenannten "Diätchecker". Die Werbung fordert auf: "Werte eingeben und Diätplan abholen". Wer Geschlecht, Alter, Größe und Gewicht eintippt und "Jetzt Berechnen" klickt, wird aufgefordert, die Handy-Nummer einzugeben ("Dein Ergebnis aufs Handy holen") und auf "Download" zu klicken. Auch hier steht erst im Fußtext der Seite, dass hier ein Abo abgeschlossen wird: "Das visionclubappz Abo kostet 2,99€/Applikation (max. 8,97/Woche inkl. 19% MwSt)."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 26 Beiträge
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1. Bin kurz davor ...
Kirisiyana, 16.04.2009
... mein Facebook-Account zu löschen.
2. Wot!!!
koshernostra 16.04.2009
Ich habe auch auf den Link zu IQ-Tester geklickt - aber auf die Warnung eines kleinen, feinen Firefox add-ons geachtet: WOT - Web of Trust. Sehr zu empfehlen. Wenn man trotz der Warnung die Seite lädt, ist man doch ausreichend sensibilisiert, das Kleingedruckte zu beachten. Setzt natürlich voraus, daß man Firefox mitsamt add-on installiert hat. infos zu WOT: http://www.mywot.com/de
3. Als abgezockter User zurück schlagen
Bloodman 16.04.2009
Naja, man kann ja jede beliebige Nummer da eingeben und eine sms wird dan das Handy geschickt (so wie ich das sehe) geht man davon aus dass die für jede verschickte sms etwas zahlen müssen, könnte man die auch mit einem kleien Skript recht schnell davon abbringen solche Abzockaktionen zu fahren ;)
4. Als abgezockter User zurück schlagen
Bloodman 16.04.2009
Naja, man kann ja jede beliebige Nummer da eingeben und eine sms wird dan das Handy geschickt (so wie ich das sehe) geht man davon aus dass die für jede verschickte sms etwas zahlen müssen, könnte man die auch mit einem kleien Skript recht schnell davon abbringen solche Abzockaktionen zu fahren ;)
5. Frage
Micron 16.04.2009
Was mir aus dem Artikel nicht klar wurde: Kommt der Vertrag wirklich nur durch die Eingabe einer Handy-Nummer zustande?? Es kann doch jeder meine Handy-Nummer angeben... wird da keine Antwort-SMS oä gefordert?
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