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Umstrittene Personalie: Dropbox-Nutzer protestieren gegen Condoleezza Rice

Ehemalige US-Außenministerin Rice: Umstrittene Personalie Zur Großansicht
REUTERS

Ehemalige US-Außenministerin Rice: Umstrittene Personalie

Dropbox steht in der Kritik, nachdem die Firma Condoleezza Rice in ihren Verwaltungsrat berufen hat. Auf Twitter und im Forum der Firma protestieren Nutzer gegen das Engagement der früheren US-Außenministerin.

New York - Normalerweise geht es im offiziellen Dropbox-Forum um technische Probleme, etwa um versehentlich gelöschte Dateien oder aktuelle Sicherheitslücken. Momentan jedoch finden sich auf der Diskussionsplattform auffällig viele kritische Einträge, mit Zeilen wie "Auf Wiedersehen", "Habt ihr den Verstand verloren?" und "Ich werde meinen Account kündigen".

Grund für den Nutzeraufstand ist die jüngste Personalentscheidung des Speicherdienstes: Am Mittwoch hatte Dropbox bekanntgegeben, dass das Unternehmen Condoleezza Rice in seinen Verwaltungsrat beruft. Rices Firma RiceHadleyGates soll Dropbox schon zuvor beraten haben.

Rice ist in den USA seit Jahren eine umstrittene Persönlichkeit. Vor ihrer Zeit als Außenministerin war sie in der Regierung von George W. Bush dessen Nationale Sicherheitsberaterin. Aus diesem Grund gilt Rice als mitverantwortlich für den Ausbau des staatlichen Überwachungsapparats nach den Anschlägen vom 11. September 2001.

Die Welle der Empörung, mit der sich Dropbox nun konfrontiert sieht, geht so weit, dass Nutzer Rice als Kriegsverbrecherin bezeichnen oder Hitler-Vergleiche bemühen. Doch abgesehen von Beschimpfungen wird auch aktiv gegen ihr Engagement vorgegangen: So steht mit "Drop Dropbox" bereits eine Anti-Rice-Website im Netz, die mithilft, bei Twitter den Hashtag #DropDropbox zu etablieren.

Rice soll bei Firmenexpansion mithelfen

Dropbox hatte die Berufung von Rice per Blogpost bekanntgegeben. Laut Mitgründer Drew Houston soll die Politikerin helfen, die weltweite Expansion von Dropbox voranzutreiben. Houston verweist in seinem Post unter anderem auf ihre Tätigkeit in den Verwaltungsräten des Computerbauers Hewlett-Packard und der Finanzfirma Charles Schwab: "Wir fühlen uns geehrt, jemand so brillantes und verdienstvolles wie Dr. Rice in unserem Team willkommen heißen zu können."

Dropbox bietet die Möglichkeit, Dateien online zu speichern und von verschiedenen Geräten aus abzurufen. Die Firma verdient ihr Geld mit Gebühren für zusätzlichen Speicherplatz. Dropbox hat mehr als 200 Millionen Nutzer und gehört zu den prominentesten Unternehmen des Silicon Valley. Immer wieder wird über einen möglichen Börsengang spekuliert.

Im September hatte sich Dropbox der Forderung anderer US-Technologiekonzerne nach mehr Transparenz bei Geheimdienstanfragen angeschlossen. Mitgründer Houston gehörte außerdem zu den Firmenchefs, die im März bei Präsident Barack Obama eingeladen waren, um über den NSA-Skandal zu sprechen. Die Firmen fürchten, dass sie das Vertrauen ihrer Nutzer insbesondere im Ausland verlieren könnten, nachdem die weitreichende Internet- und Telefonspionage des US-Geheimdienstes bekannt geworden ist.

mbö/dpa

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insgesamt 13 Beiträge
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1. Wogegen protestieren die eigentlich?
gweihir 11.04.2014
Ist doch schon lange klar, dass Dropbox alles durchscannt und auswertet. Rice im Aufsichtsrat ist da doch nur ehrlich. Kaempfen diese Nutzer die da jetzt "aufschreien" dafuer ihre weltfremden Illusionen behalten zu koennen?
2. Absolut NO GO
carranza 11.04.2014
Zitat von sysopREUTERSDropbox steht in der Kritik, nachdem die Firma Condoleezza Rice in ihren Verwaltungsrat berufen hat. Auf Twitter und im Forum der Firma protestieren Nutzer gegen das Engagement der früheren US-Außenministerin. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/online-speicher-dropbox-aerger-um-condoleezza-rice-im-verwaltungsrat-a-963840.html
Ich würde es begrüßen, wenn die Dame ihren Job bei Dropbox umgehend und mit sofortiger Wirkung kündigt und sich künftig dem Malen voll und ganz widmet.
3. Hey, cool bleiben...
PointerX 11.04.2014
...ein Monster mehr oder weniger im Web macht den Braten nicht fett. Ich dachte immer, sie wäre ein angemalter Cyborg. Und schon lange vom Netz genommen. Wie man sich doch täuschen kann. Um die sollte aber wirklich jedes Unternehen (außer aus der Rüstung) einen Bogen machen.
4.
Peter Werner 11.04.2014
Unzweifelhaft ist, dass es sich bei Rice um einen hochintelligenten Menschen handelt. Sicherlich ist Rice in der Lage, Dropbox adäquat zu beraten und wirtschaftlich nach Vorne zu bringen. Also alles richtig gemacht? Nein. Ebenso unbestritten dürfte sein, dass Rice eine der größten Feinde eines von Bespitzelung freien Internets ist. Der Schaden, welcher insb. US-Firmen hierdurch entstanden ist, lässt sich noch gar nicht genau beziffern. Wer möchte einer US-Firma noch seine Daten anvertrauen? Insofern ist Rice für diesen Posten ein denkbar ungeeignete Person, hat sie doch - zumindest indirekt - in der Vergangenheit Dropbox und anderen Internetanbietern erheblichen Schade zugefügt. Der Bock wird hier sozusagen zum Gärtner gemacht.
5. Realsatire
angka 11.04.2014
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Stichwort: Cloud Computing
Prinzip
Das Endgerät ist beim Cloud Computing nur ein Fenster auf einen stets aktuellen Datenbestand. Wer am Rechner einen Termin einträgt, sieht ihn später auch beim Blick in den Handy-Kalender, wer mobil einen Kontakt einträgt, kann ihn später am PC abrufen - immer nur online, versteht sich. Das Gleiche gilt für Adressbücher, E-Mails, online abgelegte Fotos, Dokumente und so weiter.
Anbieter
Viele Anbieter versuchen derzeit, sich als erste Adresse für den Zugang zur Datenwolke zu positionieren. Dazu gehören beispielsweise Google, Microsoft, der Hardware-Hersteller Apple mit MobileMe und der Handy-Produzent Nokia mit seinem Dienst Ovi. Auch Vodafone will künftig stärker auf Netzdienste setzen.
Business-Funktionen
Für Unternehmen hat Cloud Computing eine weitere Bedeutung: Sie können rechen- oder datenintensive Aufgaben an Datenzentren auslagern, gewissermaßen Rechner - oder Speicherkapazität in der Wolke nach Bedarf für bestimmte Aufgaben anmieten. Vorreiter ist hier Amazon mit seinen Web Services (AWS), etwa dem Speicherdienst S3. Es gibt aber auch zahlreiche andere Anbieter, etwa die Plattform Force.com von Salesforce.

Musik: Die Cloud-Konkurrenz
Worum geht es?
Die eigene Musiksammlung im Internet, immer und überall verfügbar, mit angeschlossenem Online-Shop: Klingt einfach, ist aber immer noch keine Selbstverständlichkeit. Vor allem die Musiklabels sperren sich gegen die neuen Online-Angebote, zudem behindert internationales Lizenzchaos innovative Angebote. Die EU-Kommission plant deswegen nun einen gemeinsamen europäischen Online-Binnenmarkt.
Amazon Cloud Drive
Der Online-Händler Amazon hat als erster Internetriese einen Online-Musikdienst gestartet. Auf die Online-Festplatte Cloud-Drive lassen sich bei Amazon eingekaufte Werke kopieren. Eine spezielle Genehmigung für das Streaming-Angebot hat sich Amazon nicht eingeholt.
Dropbox
Der Online-Speicherdienst Dropbox synchronisiert automatisch Dateien und Ordner zwischen Computern, außerdem kann über ein Webinterface und eine App auf die eigenen Daten zugegriffen werden. Auch die eigene Musiksammlung lässt sich in den Webspeicher verlegen - und auf das iPhone streamen.
iTunes in the Cloud
Bei Apple eingekaufte Musik steht künftig über "iTunes in the Cloud" automatisch auf allen registrierten Geräten bereit. US-Nutzer können für eine Jahresgebühr von rund 25 Dollar außerdem über das Netzwerk auf Musikstücke zugreifen, die sie als Datei auf ihrem Rechner liegen haben, ohne sie bei Apple (oder anderswo) gekauft zu haben. Vorausgesetzt, der iTunes Store führt das Lied im Angebot.
Music Beta by Google
Im Mai hat Google auf einer Konferenz einen eigenen Online-Musikdienst vorgestellt - zunächst aber nur als Beta-Version und nur für US-Nutzer. Die können ihre eigene Musiksammlung auf die Google-Server laden, einen eigenen Online-Musikladen bietet Google bisher nicht an.
Simfy
Über Werbung und kostenpflichtige Premium-Angebote finanziert sich der Streaming-Dienst Simfy - bisher stehen im deutschsprachigen Raum rund acht Millionen Lieder zur Verfügung. Bisher ist die iPad-App des Unternehmens nicht von Apple genehmigt worden.
Spotify (und Facebook)
Bisher in sieben Ländern nutzbar ist der Musik-Streamingdienst Spotify. Deutschland und die USA fehlen allerdings. Für die mobile Spotify-App wird eine Gebühr fällig. Für Aufsehen sorgten Meldungen, wonach eine enge Integration in Facebook geplant sein soll.


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