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Online-Trends: Vormarsch der Senioren

Die Gesellschaft wird älter, die Surfgemeinde auch: Das Web ist keine Domäne von Jugendlichen und Studenten mehr, die Mehrheit stellen die Silver-Surfer. Die Online-Vorlieben der Senioren ähneln denen der Jüngeren: Sie suchen Informationen - und Partner.

Das Internet ist ein Ort für Jugendliche, vielleicht noch für Studenten? Weit gefehlt: Die Senioren stellen mittlerweile die stärkste Altersgruppe. Viele Anbieter von Internetdiensten haben sich darauf noch gar nicht eingestellt. Zum Glück erweisen sich die "Silver Surfer" beispielsweise bei Online-Einkäufen als besonders geduldig.

Repräsentatives Bild des Surfers: Die Mehrheit ist reiferen Alters
DPA

Repräsentatives Bild des Surfers: Die Mehrheit ist reiferen Alters

Eine 2006 vorgestellte Sonderauswertung der Arbeitsgemeinschaft Onlineforschung (AGOF) zeigte: Ein Viertel aller Surfer sind "Silver Surfer". Darunter werden allerdings alle zusammengefasst, die älter als 50 Jahre sind. Beim genaueren Hinsehen ergeben sich deutliche Unterschiede. Laut einer Studie von ARD und ZDF sind bei den 50- bis 59-Jährigen bereits 60 Prozent im Internet aktiv. Bei den Deutschen ab 60 Jahren nur noch gut 20 Prozent.

Besonders beliebt ist bei der älteren Generation schon seit Jahren, was derzeit unter dem Begriff "Web 2.0" als Neuerung gefeiert wird, wie Alexander Wild festgestellt hat. Er gründete 1998 Feierabend.de, den nach eigenen Angaben "größten deutschen Online-Club für Menschen in den besten Jahren". Mittlerweile zählt die Gemeinschaft 100.000 Mitglieder. Die Seite bietet Anfängern Tipps und Hinweise zum Umgang mit Computer und Internet und erfahrenen Surfern weitergehende Informationen.

Mithilfe eines Bausatzes erstellen sich Mitglieder eine Homepage. Hinzu kommen Informationen über Hobby, Freizeit und Reise, Weiterbildung, Geld, Technik und andere Themen. Ganz im Stil des Web 2.0 gestalten die Mitglieder ihre Online-Gemeinschaft selbst. Sie schreiben Reiseberichte, Ausstellungskritiken und andere Artikel. Im so genannten Poesiealbum steht Aufmunterndes und Nachdenkliches. In den virtuellen Tagebüchern oder Weblogs geht es um Aktuelles. In den Foren tauschen sich Interessierte über Gesundheitsfragen aus, helfen sich mit Reise- oder Computertipps gegenseitig oder diskutieren aktuelle Themen und Produkte. Die Bildergalerien waren schon drei Tage nach Einführung mit mehr als 3000 Aufnahmen gefüllt.

Kontakt gesucht - und Schnäppchen

Einen anderen Trend nennt Wild augenzwinkernd Web 3.0: Die Mitglieder treffen sich außerhalb des Internets in der realen Welt. Mehr als 70 solcher Regionalgruppen existieren bereits. Ähnliche Angebote finden sich auch auf Seiten wie forum-fuer-senioren.de.

Nicht nur Diskutieren ist hier möglich, ebenso gibt es eine Kontaktbörse, Fotoalben, eigene Homepages und mehr. Die Seite planetsenior.de hingegen setzt vor allem auf nützliche Informationen. Ratgeber aus den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Fitness, Reisen und andere Freizeitaktivitäten finden sich hier versammelt.

Informationen aus vielen Bereichen sowie Möglichkeiten zum Diskutieren bietet lebensphasen.de. Hier wartet gar die virtuelle Seniorin Winnie auf die Fragen der Benutzer. Das passt zu den Ergebnissen des Kunden-Kompass Onlineshopping von 2004: 40 Prozent der befragten Internetsurfer über 60 Jahre wünschen sich einen solchen virtuellen Ratgeber. Bei keiner anderen Altersgruppe waren die digitalen Wesen so beliebt.

Spezielle Einkaufsangebote für ältere Internetnutzer sind dabei aber noch eher rar gesät. Senioren gehören allerdings zu den geduldigen Kunden. Selbst wenn technische Probleme auftreten, verlässt nur ein Viertel einen Webshop unverrichteter Dinge. Die überwiegende Mehrheit versucht es weiter bis es klappt, geht aus dem Kunden-Kompass Onlineshopping hervor. Senioren erreichen die virtuelle Kasse häufiger als jüngere Einkäufer. Über 70 Prozent der Silver-Surfer haben demnach bereits im Internet eingekauft. Ein Fünftel zählt zu den Vielnutzern, die regelmäßig Waren über das Internet beziehen. Vor allem Bücher, Kleidung und Musik gehen über die virtuelle Ladentheke. Online-Shops für spezielle Seniorenprodukte sind beispielsweise in Webkatalogen wie senioren-links.info zu finden.

Besonders die Suche nach einem geeigneten Partner und nach Freunden für gemeinsame Unternehmungen steht immer wieder im Mittelpunkt auf Senioren-Seiten. Kein Wunder also, dass es spezialisierte Angebote wie lebensfreude50.de gibt, eine kostenpflichtige Partnerbörse für die Zielgruppe 50plus. Ähnlich angelegt ist derzweitefruehling.de, hier startet die Zielgruppe aber bereits bei 40 Jahren. Die schon genannten Senioren-Portale wie Feierabend.de bieten ebenfalls vielfach solche Möglichkeiten.

Wer sich im Alter engagieren möchte, findet auf senioren-initiativen.de die passenden Informationen. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Seniorenbüros stellt hier ihre Angebote dar. Mehr als 1000 Initiativen aus der Freiwilligenarbeit präsentieren sich hier, sortiert nach Tätigkeitsfeldern, Dachverbänden, Zielgruppe, Aktivitäten und Ort. Vom Internet-Café über gemeinsame Projekte von Jugendlichen und Senioren bis hin zur Integration von Migranten sind die unterschiedlichsten Angebote vertreten.

Von Jan Tißler, ddp

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