Online-Videos: YouTube jetzt auch fürs Handy
Eigentlich sollte YouTube erst nächstes Jahr mobil werden. Ein kalifornischer Coder wollte aber nicht warten und hat die Sache selbst in die Hand genommen - jetzt kann sich jeder seine Lieblingsclips aufs Mobiltelefon laden.
Endlich müssen YouTube-Süchtige nicht mehr am Laptop oder Computer sitzen, um sich die neuesten Kurzfilmchen anzusehen. Ein Programmierer aus Kalifornien sorgte dafür, dass all die Lonelygirls, Geriatrics und fliegenden Kiwis jetzt auch unterm Klassenzimmertisch, im Bus oder auf dem Schulhof betrachtet werden können - ein modernes Handy mit 3GP-Funktion macht's möglich.
Jetzt auch auf dem Handy: Der suizidale Kiwi-Fluglehrling bei YouTube
Viele Internet-Angebote für Handys lassen sich nur mit den neuesten Smartphones halbwegs darstellen. Andere sind in unscheinbarer WAP-Optik gehalten, oder sie kommen in einer reduzierten HTML-Version daher – modifiziert durch HTML-Konverter von Google oder Mini-Browser wie Opera.
Aber wenn es um größere Inhalte wie Filme geht, dann versagen die meisten aktuellen Handys. Denn hier ist - spätestens seit YouTube - Flash das bevorzugte Format. Und Flash ist selbst auf besonders flashig aussehenden Telefonen eher selten anzutreffen. Die verstehen sich meist besser auf ein Format, dass sich kryptisch 3GP nennt. YouTube für Mobiltelefone muss also erst einmal diese Formathürde nehmen.
Simple Optik, praktische Downloads
Und genau das macht jetzt TinyTube. Die Seite ist im für Web 2.0 typischen Mashup-Stil, gehalten – der User bekommt nur eine Ansammlung bereits bestehender Webinhalte von YouTube. Minimalistisch und gleichzeitig benutzerfreundlich – schließlich ist die Seite für Handys gedacht - bietet TinyTube lediglich ein Suchfeld, eine Handvoll auf der Startseite präsentierte Videos und für jedes Suchergebnis einen Link zum Video im 3GP-Format. Offene Programmierschnittstellen machen den Service möglich.
Statt eines Impressums wird die Seite, die selbstverständlich nur mobil korrekt funktioniert, einfach durch die Icons der üblichen Web-2.0-Propagandamaschinerie abgerundet. Eine Linkleiste verweist auf Del.icio, Digg und Konsorten mit der Bitte, jedem von dem neuen Service zu erzählen. Wer hinter TinyTube steckt, wird dagegen nicht verraten.
Die Spur führt nach Los Angeles
Darf man dem Eintrag im Domain-Verzeichnis trauen, handelt es sich bei dem Entwickler um einen gewissen Allen Day, der an der University of California in Los Angeles (UCLA) seine Zeit damit verbringt, die Programmiersprache Perl für die Bioinformatik nutzbar zu machen - offensichtlich ein Parade-Nerd.
Die Vermutung, dass TinyTube eine Reaktion auf die Ankündigung des späten offiziellen Starts von YouTube für Handys sein könnte, bestätigt sich nicht, denn zumindest die Adresse der Seite ist schon seit fast zwei Wochen angemeldet. Wahrscheinlicher ist, dass TinyTube schlicht entstanden ist, weil der Programmierer unterwegs die neuesten, merkwürdigsten, albernsten und verstörendsten Clips auf YouTube nicht verpassen wollte.
Sascha Koesch / Fee Magdanz / Robert Stadler
P.S.: Ein Bonbon als Nachschlag - der Kiwi-Film
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