Werbeumsätze: US-Firmen geben mehr für Online-Anzeigen aus

Der US-Werbeumsatz im Netz erreichten im dritten Quartal 2012 den höchsten Wert aller Zeiten. Trotzdem ist die Freude im Marktsegment nicht ungetrübt - einige Beobachter fürchten Probleme mit Mobil-Werbung.

Die Ausgaben für Online-Werbung in den USA sind im dritten Quartal dieses Jahres (Juni bis September) auf 9,3 Milliarden Dollar (umgerechnet 7 Milliarden Euro) gestiegen. Das geht aus einer Studie des US-Online-Wirtschaftsverbands IAB hervor. So viel Geld wurde in den Vereinigten Staaten noch nie für Online-Werbung ausgegeben. Die Umsätze stiegen um 18 Prozent gegenüber den Vorjahresquartals.

Die IAB-Experten erwarten für das letzte Quartal 2012 weiteres Wachstum. Zwei Aspekte könnten die Erfolgsstimmung trüben. "Cnet" macht darauf aufmerksam, dass den jeweils verhandelten Werbekonditionen zumindest teilweise falsche Traffic-Zahlen zugrunde liegen. Bereits im Oktober hatte die Meldung die Runde gemacht, dass laut der Online-Werbeplattform Solve Media an die 10 Prozent des Traffics im gesamten Internet von Bots erzeugt würden. Seit 2011 habe diese Art des Internet-Verkehrs um 400 Prozent zugenommen, vor allem soziale Netzwerke wie Facebook hätten vermehrt mit Clickbots zu kämpfen. Dieses Faktum aber werde vom IAB in seiner Präsentation der Quartalszahlen völlig ignoriert.

"Paid Content" gießt ebenfalls ein wenig Wasser in den Wein, wenn es auf das noch ungelöste Problem mobiler Anzeigen hinweist. Auch wenn Rothenberg in seiner Quartalsbilanz mobile Werbung ganz allgemein als Beispiel für die positive Marktentwicklung nannte, konkretisierte er diese wolkige Aussage nicht mit konkreten Zahlen. Letztlich, so "Paid Content", bleibe das Rätsel der Monetarisierung des Smartphone-Bereichs ungelöst. Branchenbeobachter wie der französische Medienmanger Frédéric Filloux weisen langem darauf hin, dass Online-Anbieter ihre mobile Reichweite bislang nicht annähernd so gut vermarkten wie die Desktop-Nutzung. "Paid Content" legt die IAB-Zahlen dennoch optimistisch aus: Es sei angesichts der steigenden Umsätze wahrscheinlich, dass auch für den Mobil-Bereich eine Lösung gefunden werden könne.

Das sehen nicht alle so. So zog Devin Wenig, Marketingchef bei Ebay jetzt die Reißleine für Werbung im Mobilsektor. Es werde künftig keine Anzeigen mehr innerhalb der hauseigenen iPhone-App geben, er sei mit den Erfahrungen nicht glücklich und: "Wir brauchen das Geld nicht." Ebay hatte 2012 damit begonnen, zunächst testweise Anzeigen in seiner iPhone-App zu zeigen. Allerdings stellte sich die Reklame als ablenkend und verwirrend heraus, die kleinen Smartphone-Bildschirme waren völlig überladen.

Ein Glück für Ebay, dass das Unternehmen hauptsächlich an Gebühren für den Online-Verkauf von Produkten verdient. Mediengesellschaften, die vor allem von Werbung lebten, müssten dagegen mit dem Umstand leben, dass mobile Anzeigen sich bislang als wesentlich weniger erfolgreich herausgestellt hätten als erwartet. "Manche haben kein anderes Geschäftsmodell. In diesem Fall müssen sie einfach Glück haben", so Wenigs Fazit.

meu

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