Online-Werbung Bloggen für einsfuffzich

Ein neuer Blog-Vermarkter will ausgewählten deutschen Bloggern regelmäßige Einnahmen bescheren. Die Anzeigen sollen dezent sein, Werbekunden mit Exklusivität gelockt werden. Das Vorbild dazu kommt aus den USA.

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Hamburg - Blog-Vermarktung in Deutschland, nächster Versuch: Zwei Studenten wollen mit ihrem Start-up Stilanzeigen ausgewählten Bloggern zu regelmäßigen Einnahmen verhelfen. Statt blinkender Banner sollen die Werbekunden kleine, statische Anzeigen schalten: ein kleines Foto, ein wenig Text. Dafür gibt es auf den Blogs dann keine andere Werbung.

Zu den ersten Kunden von Stilanzeigen zählen ein großes deutsches Wirtschaftsmagazin und ein Online-Gewürzversand. Die Unternehmen können ihre Anzeige in einer bestimmten Kategorie schalten, zur Auswahl stehen zum Beispiel Design, Mode oder Food. Bezahlt werden die Blogger nach Tausend-Kontakt-Preis. Der TKP ist die Standardwährung der Werber.

"Wir wollen unseren Bloggern auf keinen Fall weniger als 1,50 Euro zahlen", sagt Simon Staib. Zum Vergleich: Eine große Anzeige auf den Ressortseiten von SPIEGEL ONLINE kostet die Werbekunden rund 70 Euro für Tausend Abrufe. Derzeit gehen laut Staib jeden Tag ein bis zwei Bewerbungen von Bloggern ein, die mit ihrer Website in das Netzwerk aufgenommen werden möchten. Der 22-Jährige studiert Interface-Design in Potsdam und ist einer der beiden Gründer von Stilanzeigen. Der zweite ist sein Schulfreund Jan Homann, 23 Jahre alt, der in Friedrichshafen Management studiert.

Konkurrenz für Adnation

"Wir achten als erstes auf den Inhalt", sagt Staib. "Wir suchen Blogs, die mit Leidenschaft geschrieben werden und sich einem bestimmten Thema widmen." Das bisher größte Blog im Portfolio: Das Kraftfuttermischwerk, wo es täglich Netzkultur- und Musiknews gibt. Auf Klickzahlen komme es aber nicht an, sagt Staib, eher noch auf eine ansprechende Gestaltung.

Damit macht Stilanzeigen dem deutschen Blogvermarkter Adnation Konkurrenz, der vor fünf Jahren unter anderem von Sascha Lobo und Johnny Hausler gegründet wurde und mittlerweile zur Werbefima Populis gehört. Adnation zählt auf seiner Seite 42 teilnehmende Blogger - einer davon könnte bald gestrichen werden. Felix Schwenzel ist mit seinem Blog wirres.net zumindest testweise zu Stilanzeigen übergelaufen.

"Ich habe zuletzt vielleicht 40 Euro im Monat mit Anzeigen von Adnation verdient", sagt Schwenzel. Besonders viel Werbung sei nicht geschaltet worden. Rund 750 Besucher schauen am Tag auf seinem Blog vorbei. Nun bekommen sie eine Stilanzeige angezeigt - derzeit noch für Stilanzeigen selbst. Aber auch dafür bekommt Schwenzel Geld, 60 Euro im Monat. Das ist mehr als er mit Google-Anzeigen verdienen würde.

Exklusiv und dezent

Vor allem blinken die Anzeigen nicht. "Mir gefällt, dass die Werbung von Stilanzeigen dezent ist", sagt Schwenzel. Aufs Geldverdienen kommt es ihm nicht an, er betreibt sein Blog vor allem aus Spaß - da soll keine blinkende Werbung stören. Adnation schaltet derzeit Werbung für einen Kamerahersteller, bei Nachrichten wie in einem Newsticker durchlaufen. Die dezenten Anzeigen sollen sich lohnen: Laut Stilanzeigen soll die Zahl der Nutzer, die auf die Werbung klickt, höher als üblich sein. Für wenig zielgerichtete Werbung kann die Klickrate im Promillebereich liegen.

Das Vorbild von Stilanzeigen, erzählt Staib, komme aus den USA. Dort betreibt die Kreativagentur Coudal Partners mit The Deck einen Blog-Vermarkter, der sich erfolgreich auf ausgewählte Designblogs spezialisiert hat. Die 49 Websites und Dienste werden im Monat mehr als 100 Millionen Mal abgerufen. Zu den Kunden gehören Microsoft, Amazon und Procter & Gamble. Ein Tag auf allen Seiten kostet umgerechnet rund 7000 Euro, alternativ können sich Kunden für den Preis einen Monat lang den Werbeplatz mit 32 anderen Kunden teilen. Auch Fusion Ads, ebenfalls aus den USA, und Influads aus Kopenhagen setzen auf dieses Konzept.

Bis Ende des Jahres soll Stilanzeigen mit seinem Blog-Netzwerk rund zehn Millionen Page Impressions erreichen - und wäre damit so groß wie Adnation. Dazu braucht die Firma mehr Blogs und mehr Werbekunden. Denn die Blogger müssen schließlich auf andere Werbung verzichten. Schafft Stilanzeigen nicht genügend Anzeigen heran, gehen sie leer aus. Vier Wochen beträgt die Kündigungsfrist.

Einige Betreiber großer Blogs hätten schon ihr Interesse signalisiert, sagt Staib. Vorerst habe man sie vertrösten müssen, weil noch nicht genug Anzeigen zum Ausliefern vorliegen. Das soll sich jetzt schnell ändern.

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
dr. phibes 20.07.2012
1.
Sehr gut zu wissen was die Werbeblocker-Addons so alles blockieren...
spon-facebook-10000089598 21.07.2012
2. Moin ...
wie heißt denn die Firma? Würde gern Kontakt aufnehmen wollen...
twan 21.07.2012
3.
Zitat von spon-facebook-10000089598wie heißt denn die Firma? Würde gern Kontakt aufnehmen wollen...
Sowohl Name der Firma, als auch der Link sind am Anfang des Textes.
stefano1 21.07.2012
4. Erfolgreiches Online-Marketing
Kleine Blogs haben kaum eine Möglichkeit, wirklich Geld zu verdienen, mit den oben genannten Partner schon mal gar nicht. Wesentlich für den Erfolg im Internet sind vor allem sehr hohe Zugriffszahlen, und die bekommt man nicht so leicht. Wenn überhaupt, dann nur professionell gemanaged und mit den richtigen Tools, wie etwa konabeo.
wolfi7777 22.07.2012
5. Kann man diese Werbung blockieren ?
Für mich persönlich sehe ich zwei Alternativen: Entweder kann ich diese Werbung blockieren (Hilft ABP ?) - oder ich streiche den blog von meinen Lesezeichen ...
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