Preisänderungen bei Onlinehändlern Morgens teuer, abends billig?

Das sogenannte Marktwächterteam der Verbraucherzentrale Brandenburg hat wochenlang die Preisentwicklungen in 16 Onlineshops beobachtet. Ihr Fazit: Verlässliche Referenzpreise gibt es online kaum noch.

Symbol eines Einkaufskorbs auf einer Computertastatur
DPA

Symbol eines Einkaufskorbs auf einer Computertastatur


Ob Bekleidung oder Elektroartikel: Onlinehändler ändern die Preise von Produkten öfter und schneller, als es die Verbraucher vom stationären Handel in den Innenstädten gewohnt sind. So lautet zumindest das Ergebnis einer am Montag veröffentlichten Studie des Marktwächterteams der Verbraucherzentrale Brandenburg. Ihrer Untersuchung zufolge änderten 15 von 16 untersuchten Onlinehändlern immer wieder die Preise für Teile ihres Sortiments.

Die Verbraucherschützer hatten mehr als einen Monat lang die Preise von 1133 Produkten in 16 Onlineshops kontrolliert. Beobachtet wurden unter anderem Mediamarkt, Douglas, Obi, Zalando und ATU. Deutschlands größter Onlinehändler Amazon wurde nicht einbezogen.

Bei mehr als einem Drittel der Produkte gab es in diesem Zeitraum Preisveränderungen. Bei einzelnen Produkten schwankte der Preis praktisch jeden Tag. Besonders oft registrierten die Verbraucherschützer das bei Elektronikprodukten und Medikamenten.

Zum Teil waren die Veränderungen erheblich. So schwankte der Preis einer Designer-Hose nach Angaben der Verbraucherschützer innerhalb weniger Tage mehrfach von 79,95 auf 199,95 Euro und zurück. Der Preis für ein Paar Sportschuhe pendelte zwischen 39,99 und 59,99 Euro. Bei Mediamarkt lagen zwischen dem niedrigsten und dem höchsten angebotenen Preis für ein bestimmtes Smartphone-Modell während des Beobachtungszeitraums 220 Euro.

Morgens teuer, abends günstig?

Eine generelle Systematik haben die Marktwächter dabei nicht erkennen können. Ihnen fielen allerdings einige Besonderheiten auf. Etwa, dass beim Autozubehör-Shop ATU Reifen und Autobatterien vormittags bis zu 30 Prozent teurer waren als nachmittags.

Bei Online-Apotheken würden Preissenkungen einzelner Produkte oft mit Preiserhöhungen anderer Produkte einhergehen, sagen die Verbraucherschützer. "Wer zusätzlich zu heruntergesetzten Produkten noch weitere bestellt, sollte daher aufpassen", sagt Michèle Scherer, Referentin Digitale Welt der Verbraucherzentrale Brandenburg.

Preisbeobachtung statt Preisvergleich

Marktwächter-Teamleiterin Kirsti Dautzenberg warnte vor den möglichen Folgen einer solchen für den Verbraucher kaum nachvollziehbaren Preispolitik: "Der Kunde kann nicht einschätzen, ob er bei seinem Kauf gerade spart oder draufzahlt." Damit könne sich der Onlinehandel am Ende selbst schaden. Die fehlende Transparenz lasse das Vertrauen der Kunden schwinden. Viele Menschen würden Händler, die ständig ihre Preise ändern, als weniger zuverlässig empfinden und deshalb künftig möglicherweise anderswo einkaufen.

Ein Ende solcher Preisschwankungen scheint dennoch nicht in Sicht. Vielmehr geht der Trend in Richtung automatisierter Systeme, die Preise dynamisch anpassen. "Dann müssen Verbraucher - ähnlich wie Börsenhändler - fallende und steigende Preise noch intensiver in den Blick nehmen, was den Zeitaufwand für einen Preisvergleich deutlich erhöhen kann", warnt Miika Blinn, Referent beim Verbraucherzentrale Bundesverband e.V.

Video: Gezielte Abzocke - Abmahn-Horror für Online-Händler

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mak/dpa

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insgesamt 32 Beiträge
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fr14229 06.08.2018
1. Prinzip Preisgestaltung wie an den Tankstellen!
Das ist wohl kein ganz neuer Trend mehr. Die Preise für Benzin an den Tankstellen haben wohl mit dieser Preisintransparenz begonnen. Die Österreicher sollen dies staatlicherseits für den Sprit reguliert haben. Der Preis muss mindesten einen Tag lang Bestand haben. Dies wäre auch in Deutschland, dann nicht nur bei Tankstellen, einzuführen.
dasfred 06.08.2018
2. Also so geht das mit dem tollen Interneteinkauf
Statt in den Laden zu gehen, mir den Artikel zu greifen, zur Kasse und ab nach Hause setze ich mich rund um die Uhr und prüfe die Preise im Stundentakt. Oder ich bestelle morgens für achzig Euro, dann das gleiche abends noch einmal für vierzig Euro und schicke das teure wieder zurück. Genial. Jetzt spielt nicht mehr das Objekt die Hauptrolle sondern der Spaß am Preise jagen. Man hat ja sonst nix zu tun.
baghira1 06.08.2018
3. Warum nicht mit Amazon?
Eins wundert mich,das ist die Tatsache,das Amazon nicht in den Test mit einbezogen worden ist.Das ist ja der größte Händler,welcher auch noch Klicks auf Artikel registriert, demzufolge den preis anpassen.
noalk 06.08.2018
4. Cookies
Steht leider nix im Artikel, aber haben die Wächter vor jeder Anfrage sämtliche Cookies gelöscht?
damei 06.08.2018
5. zurückgeben
Wenn man einen Artikel irgendwo billiger findet als den Preis für den man ihn bestellt hat, könnte man ihn dann nicht einfach zu dem billigeren Preis ebenfalls kaufen, und dann innerhalb der gesetzlichen Frist beim ersten, teueren Händler wieder zurück geben? (Freundlicherweise den noch verpackten vom zweiten Kauf ;-) Geld und Versandkosten gibt's doch zurück, oder? Aber gab es nicht auch mal Händler mit Tiefstpreisgarantie, dh die die Differenz erstatteten, wenn man den Artikel irgendwo anders billiger gefunden hatte?
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