Frankfurt/Mainz - Das Internet wird von immer mehr Menschen in Deutschland als Online-Glotze genutzt und macht zunehmend dem Fernseher Konkurrenz. Rund 19 Millionen Menschen ab 14 Jahren rufen zumindest gelegentlich TV-Inhalte online auf, so das Ergebnis einer Studie von ARD und ZDF. Das sind vier Millionen Bürger mehr als noch im vergangenen Jahr. Besonders hoch sei die Zunahme in der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen.
Rund 29 Prozent der Webnutzer schauen sich TV-Sendungen zu einem späteren Zeitpunkt online an - 2010 waren es noch 23 Prozent. Live-Übertragungen im Internet schalten rund 21 Prozent der Netzsurfer ein (2010: 15 Prozent). ZDF-Intendant Markus Schächter glaubt, dass professionelle Fernsehinhalte auch in Zukunft immer stärker übers Internet abgerufen werden. Vom Ende des Fernsehens will er nichts wissen: "Das Netz schafft das Fernsehen nicht ab, sondern es wird zu einem wichtigen Ergänzungsmedium für die TV-Sender."
Die Studie bestätigt das: Die neuen Möglichkeiten der Fernsehnutzung über das Internet führen "derzeit eher zu einem gesteigerten Konsum von Fernsehinhalten und nicht zu einer Substitution", heißt es in einem Fachartikel. Die Autorinnen, Beate Frees und Birgit van Eimeren, vermuten außerdem, dass auch im Jahr 2020 das Livefernsehen eine wichtige Rolle bei der Ansprache möglichst großer Zuschauer spielt. Lineares Fernsehen werde aber weiter abnehmen, nicht nur weil das Internet wichtiger wird, sondern weil es über hybride Geräte Einzug in die Wohnzimmer findet: Internet und herkömmliches Fernsehen laufen auf diesen Bildschirmen gleichermaßen, Internet und Fernsehen verschmelzen.
Laut der Befragung sind mittlerweile rund 52 Millionen Menschen online, das entspricht 73 Prozent der Bevölkerung (2010: 69 Prozent). Obwohl in Deutschland inzwischen sieben Millionen Menschen ab 60 Jahren online sind, wird das Internet nach wie vor hauptsächlich von jüngeren Menschen genutzt. 95 Prozent der Nutzer sind jünger als 50 Jahre.
Besonders nachgefragt werden Bewegtbilder im weltweiten Netz: Etwa zwei Drittel (68 Prozent) aller Onliner schauen sich auf den vielen Plattformen Videos an. An erster Stelle steht YouTube, das 65 Prozent der Nutzer schon einmal aufgerufen haben. Die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender liegen mit Reichweiten von 20 (ARD) und 22 Prozent (ZDF) deutlich dahinter. Das offenbar vorhandene Potential wird in Deutschland allerdings noch nicht voll ausgeschöpft: Internet-Fernsehplattformen wie Hulu sind bisher nicht verfügbar oder nur über Umwege zu nutzen, eine gemeinsames Angebot der deutschen Privatsender scheiterte an Kartellrechtlichen Bedenken.
43 Prozent der deutschen Internetnutzer haben sich den Angaben zufolge bereits ein eigenes Profil bei einem sozialen Netzwerk angelegt. Das entspricht einem Anstieg von vier Prozentpunkten. Besonders aktiv sind die unter 30-Jährigen, mit einem Anteil von mehr als 70 Prozent. Bei den über 50-Jährigen sind immerhin 14 Prozent in sozialen Netzwerken aktiv.
Für die Studie befragte das Institut Enigma GfK im Auftrag von ARD und ZDF 1800 Menschen ab 14 Jahren.
ore/dapd/ore
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