Onlinestudie von ARD und ZDF: Internet macht zunehmend dem Fernseher Konkurrenz

Das Internet wird immer häufiger zum Fernsehen genutzt: Das ist ein Ergebnis der jährlichen Onlinestudie von ARD und ZDF. Demnach sind drei von vier Deutschen mittlerweile online - 95 Prozent davon sind jünger als 50 Jahre, jeder zweite nutzt soziale Netzwerke.

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DPA

Facebook-Spiel: Jeder zweite Internet-Nutzer in Deutschland nutzt soziale Netzwerke

Frankfurt/Mainz - Das Internet wird von immer mehr Menschen in Deutschland als Online-Glotze genutzt und macht zunehmend dem Fernseher Konkurrenz. Rund 19 Millionen Menschen ab 14 Jahren rufen zumindest gelegentlich TV-Inhalte online auf, so das Ergebnis einer Studie von ARD und ZDF. Das sind vier Millionen Bürger mehr als noch im vergangenen Jahr. Besonders hoch sei die Zunahme in der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen.

Rund 29 Prozent der Webnutzer schauen sich TV-Sendungen zu einem späteren Zeitpunkt online an - 2010 waren es noch 23 Prozent. Live-Übertragungen im Internet schalten rund 21 Prozent der Netzsurfer ein (2010: 15 Prozent). ZDF-Intendant Markus Schächter glaubt, dass professionelle Fernsehinhalte auch in Zukunft immer stärker übers Internet abgerufen werden. Vom Ende des Fernsehens will er nichts wissen: "Das Netz schafft das Fernsehen nicht ab, sondern es wird zu einem wichtigen Ergänzungsmedium für die TV-Sender."

Die Studie bestätigt das: Die neuen Möglichkeiten der Fernsehnutzung über das Internet führen "derzeit eher zu einem gesteigerten Konsum von Fernsehinhalten und nicht zu einer Substitution", heißt es in einem Fachartikel. Die Autorinnen, Beate Frees und Birgit van Eimeren, vermuten außerdem, dass auch im Jahr 2020 das Livefernsehen eine wichtige Rolle bei der Ansprache möglichst großer Zuschauer spielt. Lineares Fernsehen werde aber weiter abnehmen, nicht nur weil das Internet wichtiger wird, sondern weil es über hybride Geräte Einzug in die Wohnzimmer findet: Internet und herkömmliches Fernsehen laufen auf diesen Bildschirmen gleichermaßen, Internet und Fernsehen verschmelzen.

Laut der Befragung sind mittlerweile rund 52 Millionen Menschen online, das entspricht 73 Prozent der Bevölkerung (2010: 69 Prozent). Obwohl in Deutschland inzwischen sieben Millionen Menschen ab 60 Jahren online sind, wird das Internet nach wie vor hauptsächlich von jüngeren Menschen genutzt. 95 Prozent der Nutzer sind jünger als 50 Jahre.

Besonders nachgefragt werden Bewegtbilder im weltweiten Netz: Etwa zwei Drittel (68 Prozent) aller Onliner schauen sich auf den vielen Plattformen Videos an. An erster Stelle steht YouTube, das 65 Prozent der Nutzer schon einmal aufgerufen haben. Die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender liegen mit Reichweiten von 20 (ARD) und 22 Prozent (ZDF) deutlich dahinter. Das offenbar vorhandene Potential wird in Deutschland allerdings noch nicht voll ausgeschöpft: Internet-Fernsehplattformen wie Hulu sind bisher nicht verfügbar oder nur über Umwege zu nutzen, eine gemeinsames Angebot der deutschen Privatsender scheiterte an Kartellrechtlichen Bedenken.

43 Prozent der deutschen Internetnutzer haben sich den Angaben zufolge bereits ein eigenes Profil bei einem sozialen Netzwerk angelegt. Das entspricht einem Anstieg von vier Prozentpunkten. Besonders aktiv sind die unter 30-Jährigen, mit einem Anteil von mehr als 70 Prozent. Bei den über 50-Jährigen sind immerhin 14 Prozent in sozialen Netzwerken aktiv.

Für die Studie befragte das Institut Enigma GfK im Auftrag von ARD und ZDF 1800 Menschen ab 14 Jahren.

ore/dapd/ore

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1. .
frubi 12.08.2011
Zitat von sysopFast jeder Zweite*nutzt soziale Netzwerke, immer mehr sehen Fernsehsendungen im Netz: Das ist das Ergebnis der jährlichen Onlinestudie von ARD und ZDF. Demnach*nutzen drei von vier Deutschen mittlerweile das*Internet - 95 Prozent davon sind jünger als 50 Jahre. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,779962,00.html
Das hat doch meherer Gründe. Die Qualität der TV-Formate sinkt stetisch (17 Meter auf ProSieben war eigentlich mal wieder eine halbwegs gelungene Abwechslung) und die Formate werden sich immer ähnlicher. Casting Shows versuchen sich schon seit 6 Jahren stetig neu zu erfingen und jedes mal kommt der selbe Brei bei raus. Pro7 wiederholt zum x-ten mal Filme wie Hellboy und da soll der Zuschauer noch mitmachen wenn es im Internet einen unbegrenzten Fundus an Material bietet? Selbst das stupide surfen bei Youtube finde ich wesentlich interessanter als einen TV Abend am Mittwoch. Selbst bei den Polit-Talks wird es demnächst unerträglich langweilig, wenn nun bei Shows von Sonntag bis Donnerstag die selben Fratzen den immer gleich bleibenden Blödsinn runterlabern dürfen. Im TV gibt es ein paar Perlen (Augstein/Blome, viele Dinge die auf Arte laufen, viele spannende Dokus) aber meistens findet man die Sendungen in Mediatheken oder später auf Youtube. The Shield, meiner Meinung nach die beste Serie die ich jemals gesehen habe, wurde auf absolut unerträgliche Sendeplätze geschoben. Die besten Dokus laufen meistens um 23:00 Uhr + X. Da soll sich dann niemand beschweren, wenn das Fernsehn seine Bedeutung nach und nach verliert.
2. Kein Titel
meinmein 12.08.2011
"Das Netz schafft das Fernsehen nicht ab, sondern es wird zu einem wichtigen Ergänzungsmedium für die TV-Sender." Was soll er auch sonst sagen? Die Milliarden an Zwangsgeldern sind ja garantiert, der Umstieg auf eine Haushaltsabgabe schützt ihn automatisch vor dem gewaltigen Zuschauerschwund, der gerade stattfindet. In Zukunft werden wir alle eine Glotze in der Wohnung stehen haben, weil wir ja eh' bezahlen müssen, die aber nie an ist.
3. ~
de.nada 12.08.2011
Die Frage nach der Abschaffung ist wohl eher sinngemäß beantwortet. Da sich ja seit Jahrzehnten mehr Kabel verbreitet und die Zusammenfassung höchstens ein Zeitfrage ist, ist also höchstens das Angebot ernsthaft gemeint. Ob es somit klassische Sendetermime nach Fernsehschema geben wird oder ob alles abrufbar sein kann. Mehr Unterschied ist ja bereits nicht mehr und zweitens kommt derzeit der Ausbau der Breitbandanschlüße hinzu. Der Ausbau wird aber kaum irgend eine Rücksicht auf das Fernsehen nehmen, wie es keinen Sender interessiert ob deren Zuseher einen Briefkasten haben.
4. Gähn
caecilia_metella 12.08.2011
Zitat von meinmein"Das Netz schafft das Fernsehen nicht ab, sondern es wird zu einem wichtigen Ergänzungsmedium für die TV-Sender." Was soll er auch sonst sagen? Die Milliarden an Zwangsgeldern sind ja garantiert, der Umstieg auf eine Haushaltsabgabe schützt ihn automatisch vor dem gewaltigen Zuschauerschwund, der gerade stattfindet. In Zukunft werden wir alle eine Glotze in der Wohnung stehen haben, weil wir ja eh' bezahlen müssen, die aber nie an ist.
Möglich. Aber private sind noch sinnloser. Mir geht es jedenfalls so: Wenn ich mir auf einem dieser Sender manchmal wirklich einen guten Film ansehen will, erlebe ich meist nur den Teil bis zur ersten Werbepause. Zeitverschwendung. Wenn die öffentlich-rechtlichen Sender abgestellt sind, wird es vermutlich nur noch Bezahlfernsehen geben, denn die Privatsender können sich natürlich denken, wie langweilig die ewig wiederholten Sprüche sein können.
5.
Kaworu 12.08.2011
Ui, dann haben die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten ja bald ein Argument, den aktuell niedrigeren Beitrag für PCs und andere internetfähige Geräte auf den vollen Betrag anpassen zu lassen. Ach ne, wir zahlen eh bald alle. Das Problematische an den ganzen Polittalk-Sendungen ist einfach, das absolut keine Gesprächskultur herrscht und in Interviews meiner Meinung nach nur gekuschelt wird.
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Begriffserklärung Stream, IPTV und Co.
Streaming
Mit Streaming bezeichnet man die Übertragung von Audio- und/oder Videodaten über das Internet zur Darstellung in einem Browser oder Medienplayer, ohne dass dabei eine permanente Kopie der Datei übertragen und gespeichert wird. Alle Streams haben gemein, dass man mit dem Konsum der Daten bereits beginnen kann, während die Daten noch übertragen werden. Meist entspricht das dem Abruf einer Datei on demand ("sukzessiver Download"). Erheblich aufwendiger und teurer ist das Streaming im Multicast-Verfahren, bei dem ein Server zeitparallel Bilder an viele Empfänger ausliefert - eine Art "Rundfunk" via Internet, der meist zur Übertragung von Live-Ereignissen eingesetzt wird.
Internet Protocol Television (IPTV)

IPTV bezeichnet die Videoübertragung über das Internet, meist im Sinne der Übertragung regulärer Programme. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten:

Das Senden findet in einem geschlossenen Netzwerk statt. Hier gehört dem Provider die Infrastruktur und er ist auch für Endgeräte wie etwa Settop-Boxen zuständig. Da der komplette Signalweg in seiner Hand liegt, kann er die Übertragung für sich kostengünstiger gestalten und auch optimieren. Über IP-Multicast werden mehrere Empfänger gleichtzeitig mit einem Video-Stream versorgt und bei der QoS-Technik (Quality of Service) haben die Video-Datenpakete eine höhere Priorität gegenüber normalen Datenpaketen. Im Idealfall sind die Inhalte in hoher Qualität und ohne Unterbrechungen zu genießen. Einige Anbieter senden auch in HD-Qualität, eine schnelle Internetleitung vorausgesetzt.

In einem halbgeschlossenen Netzwerk hat der IPTV-Provider die Leitung für die Übertragung nur angemietet.
Web-TV
Hier benötigt der Nutzer nur eine Abspiel-Software für seinen Computer und schaut dann etwa über einen Flash-Player Videoinhalte. Die Daten liegen hier auf einem Server oder gelangen über die Bandbreitennutzung verschiedener Computer (P2P-Technik) zum Nutzer. Bei dem Verfahren wird jedes Video einzeln zu jedem Nutzer übertragen. Meist kommt hier ein Video-Streaming-Verfahren zum Einsatz, bei dem das Video nur temporär auf der Festplatte landet. Es gibt auch noch den sogenannten Progressive Download, bei dem das Video komplett auf der Festplatte gespeichert wird, die Wiedergabe aber schon während des Downloads startet. Im Gegensatz zum IPTV in einem geschlossenen Netzwerk ist eine konstante Signalqualität nicht gegeben. Inhaltlich: Mit Web-TV sind meist spezifisch für das Web produzierte Inhalte gemeint (z.B. YouTube-Clips).
Video-on-Demand (VoD)
Bei diesem Verfahren wählt der Zuschauer die Videoinhalte selbst aus und bestimmt, wann er sie gucken möchte. Online-Videotheken bieten hier verschiedene Modelle an, die vom "Download to own" (Kauf einer Datei) bis zum Filmverleih reichen, bei dem die heruntergeladene Datei in der Regel innerhalb eines definierten Zeitfensters beliebig oft angesehen werden kann, nach Ablauf der Frist aber unbrauchbar wird.

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