Open-Source-Lösung Deutsche Firma baut die Dropbox für den Bund

Die Bundescloud wird 300.000 Nutzer aus den Ministerien und anderen Behörden verbinden. Wie der SPIEGEL erfuhr, wird dafür Open-Source-Software aus Deutschland zum Einsatz kommen.

Die Bundesministerien wollen eine eigene Cloud haben
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Die Bundesministerien wollen eine eigene Cloud haben

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Windows, Word und Excel kosten den Bund viel Geld: Rund 74 Millionen Euro haben die deutschen Bundesbehörden allein 2017 für Software-Lizenzen von Microsoft ausgegeben. Zwischen 2015 und 2019 - so lange laufen die aktuellen Verträge mit dem US-Unternehmen - werden es insgesamt 250 Millionen Euro sein, die der Bund für die Nutzung der proprietären (also nicht selbst kontrollierten) Software zahlt. Das geht aus der Antwort des zuständigen Innenministeriums auf die Anfrage des Linken-Abgeordneten Victor Perli hervor, über die der SPIEGEL berichtete.

Dass auch alternative Lösungen eine Option sein können, zeigt die Bundesverwaltung mit ihrer künftigen Bundescloud. Wie der SPIEGEL erfuhr, wird die geplante Plattform für Dateiaustausch und Zusammenarbeit auf der Open-Source-Software der deutschen Firma Nextcloud basieren. Das Angebot ist grob mit dem vielen Privatnutzern bekannten Dienst Dropbox vergleichbar, über den man einfach Urlaubsfotos oder andere Dokumente austauschen kann.

Gemäß der Ausschreibung wird die Bundescloud vom zentralen IT-Dienstleister der Bundesverwaltung selbst betrieben, dem Informationstechnikzentrum Bund (ITZBund).

Dessen Sprecher teilte mit, die Firma Computacenter aus Ratingen habe die Ausschreibung gewonnen, und "diese setzt die Firma Nextcloud GmbH als Unterauftragnehmer ein." Nextcloud wiederum ist ein Stuttgarter Unternehmen, das 2016 aus dem Open-Source-Projekt ownCloud hervorgegangenen ist.

Code ist jederzeit einsehbar

Nextcloud

Nextcloud

Gründer und Nextcloud-Geschäftsführer Frank Karlitschek sagt: "Nextcloud ist sicherer als eine Public-Cloud-Lösung, weil man unsere Software in einem eigenen Rechenzentrum betreiben kann, dem man vertraut. Außerdem kann jeder und zu jeder Zeit den Code einsehen, auf Sicherheitslücken prüfen und bei Bedarf auch ändern". Damit beschreibt Karlitschek das Prinzip von sogenannter Open-Source-Software, die anders als proprietärer Code etwa von Apple oder Microsoft eben auf Transparenz setzt, der Quellcode ist öffentlich.

300.000 Menschen in den Ministerien und anderen Einrichtungen des Bundes werden die Bundescloud mit der Nextcloud-Software nutzen. Der Vertrag mit dem ITZBund läuft zunächst über drei Jahre und bringt Nextcloud eine siebenstellige Summe für den Support und ähnliche Dienstleistungen ein.

Nextcloud ist ein Gegenmodell zu den typischen Cloud-Angeboten großer US-Anbieter wie Microsoft. Der amerikanische Tech-Konzern verkauft erstens Nutzungslizenzen für seine Software, erlaubt zweitens kaum Einblick in seinen Code und betreibt seine Clouddienste drittens nur in eigenen Rechenzentren oder denen besonderer Vertragspartner.

Insbesondere Letzteres wollte das ITZBund jedoch nicht: "Gegenstand des Vergabeverfahrens war der Aufbau einer privaten Cloud für den Bund", schrieb der Sprecher in einer E-Mail. Deshalb sei es "nicht verwunderlich", dass sich weder Microsoft, noch andere große US-Cloudanbieter wie Amazon oder Google um den Auftrag beworben hatten.

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insgesamt 24 Beiträge
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ramius1968 17.04.2018
1. Steuergeldverschwendung
Für was braucht der Bund so ein schwachsinniges Tool? Das ist die reinste Steuergeldverschwendung. Ägerlich ist dass man Politikern dies nicht klar machen kann. Niemand braucht diesen Müll namens Cloud.
mopsfidel 17.04.2018
2. Es geschehen noch Zeichen und Wunder
Der Bund setzt auf Open-Source Software, und dann auch noch auf eine aus Deutschland!? Dass ich das noch erleben darf.
central_wise 17.04.2018
3. Interessant
Das wäre ja mal was. Ich bezweifle, das das pünktlich fertig wird...
Berlin142 17.04.2018
4. Schön, dass die das einsetzen, aber...
auf dem Mantra rumzuhacken, dass jeder jederzeit in den Sourcecode schauen könne und Sicherheitsprobleme beheben oder (lt. Artikel) ändern könne - bleibt die Frage, welchen Sinn das macht -, ist Unfug. Zum einen kann man auch bei Closed Source Lösungen die Sorcen einsehen, gerade z.B. bei MS. Zum anderen bringt das relativ wenig, denn es ist meist sehr schwer, fremde Sourcen zu lesen, geschweige denn, zu verstehen. Warum sonst können Sicherheitslücken auch in Open Cource Lösungen 10 Jahre und länger existieren? Und sich z.B. Linux Kernel Sourcen "reinzuziehen" ist alles, aber nichts, was Spaß macht. Die Dokumentation ist krude oder oft auch gar nicht vorhanden, so dass man nur raten kann, was der Entwickler eigentlich will. Btw: 74 Mio. beziehen sich übrigens nicht auf MS Office, sondern auf den ganzen Microsoft Stack. Dazu zählen auch die OS (Client und Server), die Applikationsserver und anderes mehr. In der Summe bei mehreren hundert K Anwendern eher nicht viel. Fragen sie mal, wieviel z.B. Firmen wie Cisco, Oracle oder SAP so bekommen - so große Unterschiede gibt es da gar nicht. Das Budget der IT ist deutlich höher, als 75 Mio. JT
Zeitkind 17.04.2018
5. Gut so..
Vewende NextCloud selber zu Hause - und bin zufrieden. Als zentraler Hub für Kalender, Adressbuch und einige Daten sehr tauglich, schlank und stabil. Wenn der Bund da noch mitmacht, wird die Qualität der Software vermutlich noch besser werden - was dann auch mir zu Gute kommt. Nett.
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