Videospiele mit offenen Welten Mehr Platz für Neugier, bitte

In vielen Videospielen können die Spieler sich inzwischen frei bewegen und selbst entscheiden, was sie als Nächstes tun. Doch Freiheit bedeutet nicht automatisch Spaß - wie diese acht Blockbuster-Spiele zeigen.

Von Tobias Hanraths

Spielwelt von "Just Cause 3": Blauer Himmel voraus

Spielwelt von "Just Cause 3": Blauer Himmel voraus


Ein Pferd, ein Held und dahinter nur der Horizont: Als Link in Nintendos "The Legend of Zelda: Ocarina of Time" zum ersten Mal eine offene 3D-Spielwelt erkunden konnte, war das eine kleine Sensation. Seitdem hat sich einiges geändert: Titel wie "Call of Duty", deren Ablauf sich kaum beeinflussen lässt, gibt es zwar noch. Ansonsten dominiert von "Assassin's Creed" bis "Batman" aber die sogenannte offene Spielwelt. Auch früher lineare Serien wie "The Witcher" und"Metal Gear Solid" lassen den Spieler inzwischen selbst entscheiden, wohin er als nächstes reist.

Unter den Spielefans stößt diese neue Freiheit nicht nur auf Begeisterung. Viele Entwickler scheitern nämlich daran, ihre Welten mit interessanten Inhalten zu füllen. Stattdessen gibt es oft nur ein paar Arten von Missionen oder Aufgaben, die das Spiel dann Dutzende Male wiederholt.

Vor allem bei den Spielen von Ubisoft lässt sich schnell ein Muster erkennen: Ende 2014 brachte das Unternehmen mit "Assassin's Creed Unity" , "Far Cry 4" und dem Rennspiel "The Crew" in kurzer Folge drei Titel auf den Markt, die alle nach einem ähnlichen Schema ablaufen: Der Spieler sucht nach einem Aussichtspunkt, schaltet damit in einem Teil der Spielwelt die Nebenmissionen frei und erledigt diese nach und nach. Dann geht es weiter zum nächsten Aussichtspunkt.

London aus der Luft: Das kürzlich erschienene "Assassin's Creed Syndicate" ist grundsätzlich nach dem gleichen Schema designt wie andere Ubisoft-Spiele mit offener Spielwelt.

Alle "Syndicate"-Jobs auf einen Blick: Solche Übersichten sind in modernen Spielen mit offener Welt inzwischen Standard.

Stück für Stück befreit der Spieler London aus der Hand der bösen Templer. Besonders abwechslungsreich ist das allerdings nicht.

Ein Mann und sein Auto: In "Mad Max" reist der Spieler mit dem Titelhelden auf vier Rädern durch eine postapokalyptische Wüste.

Erst erkunden, dann erledigen: Auch in "Mad Max" muss der Spieler die Welt erst von einem Aussichtspunkt aus erkunden - in diesem Fall per Heißluftballon.

Die Wüste lebt: Trotz Atomkrieg ist die Spielwelt längst nicht so leer, wie sie eigentlich sein sollte. Dadurch geht jede Menge Atmosphäre verloren.

Hinterm Horizont kommt immer noch mehr: Im Gegensatz zu den Vorgängern gibt es im Rollenspiel "Dragon Age: Inquisition" mehr zu tun. Mehr Spielspaß bringt das nicht unbedingt.

Burgen erobern, Dämonen vernichten, Schätze suchen: In der Flut der Nebenmissionen geht die spannende Geschichte des Rollenspieles fast unter.

Wohin geht die Reise? "Dragon Age: Inquisition" bietet nicht nur eine, sondern gleich mehrere offene Welten.

Mediterranes Paradies: Die Spielwelt des neuen "Just Cause 3" ist schön anzuschauen, grafisch aber auch recht eintönig.

Eine Karte voller Aufgaben: Die Nebenmissionen sind in "Just Cause 3" nicht wirklich optional: Nützliche Fähigkeiten lassen sich nur damit freischalten.

Zerstörungsorgie: Wer Explosionen mag, kann sich in der Spielwelt nach Herzenslust austoben. Echte Freiheit bietet "Just Cause 3" aber nicht.

Schrecklich schön: Ein Krieg hat die Spielwelt von "The Witcher 3" verwüstet. Grafisch beeindruckend sind die Wälder und Sümpfe trotzdem.

Ein Hauch von Zivilisation: Solche Festungen und Dörfer begegnen der Hauptfigur Geralt oft. Oft wartet dort aber nur eine einzige Nebenmission, keine Checkliste voller Aufgaben.

Auch die Karte von "The Witcher 3" ist voll von Symbolen. Dahinter verbergen sich aber nur wenige Missionen, die dafür viel Abwechslung bieten.

Die große Leere: Viel zu sehen gibt es im Afghanistan von "Metal Gear Solid V" nicht -trotzdem hat das Spiel eine vergleichsweise glaubwürdige Welt.

Auf dieser Checkliste versammelt "Metal Gear Solid" alle verfügbaren Missionen. Darüber hinaus gibt es in der Spielwelt eher wenig zu tun.

Afghanistan im Sonnenaufgang: Eine leere Spielwelt bietet reichlich Freiraum für Experimente und zielloses Umherstreifen.

Ruinen am Horizont: Wie in anderen Rollenspiele von Bethesda geht es auch in "Fallout 4" eher ums Erkunden der Spielwelt, nicht um das Abarbeiten einer Aufgabenliste.

Neue Aufträge erhält der Spieler in Gesprächen mit andere Figuren, nicht einfach aus einem Menü.

Jedes dieser Symbole steht für einen Ort, den der Spieler in "Fallout 4" erkunden kann. Etwas zu erledigen gibt es aber nicht überall.

Bei Nacht im Getto: Das fiktive Los Angeles von "Grand Theft Auto V" hat Entwickler Rockstar Games sehr detailverliebt gestaltet.

Rundflug über Kalifornien: Die "GTA"-Welt besteht nicht nur aus Wolkenkratzern, sondern auch aus Wüsten und Wäldern.

Reichlich Freiraum: Abseits von Story und Onlinemodus gibt es in "Grand Theft Auto V" viel zu sehen. Die Nebenaufgaben fühlen sich eher wie ein Bonus als wie ein Pflichtprogramm an.

Die Aufgabenflut zerstört die Atmosphäre

Vor allem "Assassin's Creed Unity" wurde wegen des eintönigen Designs häufig kritisiert. Im Nachfolger "Syndicate" sind die Nebenaufgaben nun etwas vielfältiger und besser in die Handlung integriert. Routine stellt sich mit der Zeit aber trotzdem ein. Erschwerend kommt hinzu, dass inzwischen auch andere Entwicklerstudios auf diese Form des Spieldesigns setzen - so zum Beispiel die Macher von "Mad Max".

Dieser Fall ist besonders tragisch: Denn ein Nebeneffekt des Checklisten-Designs ist, dass die Spielwelt stets etwas vollgestellt wirkt. In den Großstädten eines "Assassin's Creed" stört das nicht. Zur menschenleeren Post-Apokalypse aus "Mad Max" passt es aber gar nicht, wenn hinter jeder Hügelkuppe die nächste kleine Siedlung auf ihre Befreiung wartet.

Ähnliche Probleme hat das Electronic-Arts-Rollenspiel "Dragon Age: Inquisition" von 2014. Dessen offene Level sind mit belanglosen Aufträgen so zugeschüttet, dass die eigentlich spannende Geschichte des Spiels komplett untergeht. Und die neue Zerstörungsorgie "Just Cause 3" bietet zwar einen schönen Abenteuerspielplatz, zwängt den Spieler aber gleichzeitig in ein enges Korsett aus Aufgaben und Herausforderungen.

Der Trend zur leeren Welt

Die Entwickler scheinen aus der Kritik der Fans gelernt zu haben: 2015 sind schon mehrere Spiele erschienen, deren Welten reichlich Freiraum für zielloses Herumstreifen lassen. Das Rollenspiel "The Witcher 3" zum Beispiel hat nicht ganz so viele Nebenmissionen. Die, die es gibt, sind dafür aber fast alle einzigartig.

Spielwelt von "The Witcher 3": Die Aufträge wirken einzigartig

Spielwelt von "The Witcher 3": Die Aufträge wirken einzigartig

Und auch im Afghanistan von "Metal Gear Solid V: The Phantom Pain" gibt es abseits der aktuellen Mission eher wenig zu tun. Dafür ist die Spielwelt so dynamisch, dass der Spieler auch unorthodoxe Strategien ausprobieren darf und dabei immer mit unvorhersehbaren Zwischenfällen rechnen muss.

Auch das noch ganz frische "Fallout 4" belohnt in der Tradition seiner Vorgänger eher Spieler mit Entdeckungsgeist und Neugier. Noch konsequenter ist nur das etwas ältere "Grand Theft Auto V" von Rockstar Games: Dessen fiktive Version Kaliforniens ist zwar bis ins letzte Detail liebevoll gestaltet, rückt statt unzähliger Nebenmissionen aber klar die Story und den Onlinemodus in den Mittelpunkt.

Mehr Bonus als Pflichtprogramm

Aktivität über das Hauptspiel hinaus gibt es zwar auch in all diesen Titeln: "The Witcher" hat Schatzkisten und Höhlen voller Monster, "Grand Theft Auto" Tennisplätze und Flugschulen, "Metal Gear Solid" zumindest ein paar Blumen zum Pflücken.

Anders als bei der Konkurrenz fühlt sich dieses Drumherum aber wie ein Bonus an, den der Spieler auch gern ignorieren darf - nicht wie seelenlose Massenware, mit der die Entwickler die Spielzeit künstlich verlängern.

Und oft sind es genau diese fokussierter wirkenden Titel, die bei der Spielergemeinde ankommen. "The Witcher 3" und "Metal Gear Solid V" wurden von Kritikern und Kunden gleichermaßen begeistert aufgenommen, "Grand Theft Auto V" ist bis heute die Quelle unzähliger absurder YouTube-Videos.

Ob aus diesen Beispielen ein Trend wird, wird das kommende Spielejahr zeigen. Denn natürlich wird es auch 2016 wieder unzählige offene Welten zum Erkunden geben - steinzeitlich in "Far Cry Primal", futuristisch in "Mirror's Edge Catalyst" oder - ganz klassisch - im neuen "Legend of Zelda".

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Seite 1
Leser161 02.12.2015
1. Jo
Wobei eintönige Missionen noch nicht mal so schlimm sind. Schlimm wird es wenn da irgendwie Sinnlosigkeit im Hinblick auf das Spielziel hinzukommt. Die Missionen sollten was zum Spielziel beitragen. Und sei es weil man Geld braucht um die nächste Waffe zu kaufen. Wenn die Missionen nur da sind um Missionen zu sein, dann fehlt schnell die Motivation (schlimm hier Far Cry 4) Ansonsten kann man auch eigentlich gleiche Missionen durch geschicktes Leveldesign abwechslungsreich gestalten. Siehe Far Cry 3 erste Hälfte. Durch leichte Änderungen im Lagerdesign erfordern manche Lager durchaus andere Herangehenweisen. Merke, es ist nicht wichtig, viele Möglichkeiten zu schaffen, diese müssen auch Sinn machen und abwechslungsreich sein.
tu.felix.austria 02.12.2015
2. Stimmt genau...
Batman Arham Asylum war sehr gut. Der Nachfolger: "Twoface droht die Geiseln zu terminieren, aber egal, der wartet schon auf mich - ich mach mal zuerst diese Challenge wo man durch die Ringe gleiten muß... (warum war das nochmal in der Welt ?). Fürchterlich, daher auch gleich wieder aufgehört zu spielen und Nachfolger nicht gekauft...
RudiRastlos2 02.12.2015
3.
Zeld war sicher nicht das erste 3D-Spiel mit Open-World-Character. Ich bin mir nicht einmal so sicher, ob man Zelda zu einem Zählen sollte. Spontan fällt mir The Elder Scrolls II: Daggerfall von 1996 als Open-World-Spiel ein, aber ich denke es gibt noch frühere.
metalslug 02.12.2015
4. GTA 5 als Maß der Dinge
GTA 5 überzeugt nicht nur durch Story, sondern vor allem durch einer schier unglaublichen Dichte an Details. Es ist so reich an sinnhaften Bezügen, dass es sich fast lebenswert anfühlt. Immer wenn man genauer hinsieht und hinhört, wird man belohnt. Davon sind andere Titel meilenweit, ach was, LICHTJAHRE entfernt.
Sieh 02.12.2015
5. Fallout 4
Gerade im Vergleich zu dem Vorgänger von Obsidian Fallout: New Vegas enttäuscht Fallout 4 gerade im Bereich der Exploration. Die generierten Waffen, die man findet halten den Entdeckungsdrang höchstens für wenige Stunden aufrecht. Die Welt ist seltsam, sie fühlt sich leer an obwohl sie bis zum Rand mit den selben, langweiligen Gegnern (Super Mutants und Raider) gefüllt ist. Fallout 4 ist mehr Shooter mit RPG Elementen als ein wirkliches RPG, in dem Entdecken und Erforschen noch wirklich Spaß macht.
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