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Opera 10: Edel-Browser für die Nische

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Irgendwie ist Opera unter den Browsern das, was Leverkusen unter den Fußballclubs ist: Oft innovativ, schön, leistungsstark - und doch ohne viele Fans. Mit der Programmversion 10 liefert Opera einmal mehr die Ideen, mit denen andere dann Erfolg haben werden.

Opera 10: Der ewige Herausforderer Fotos

Für Tech-Journalisten ist Opera so etwas wie ein geschätzter alter Bekannter, den man ab und zu sieht und jedes Mal überrascht ist, wie jung er geblieben ist. Bereits seit 1996 veröffentlicht das gleichnamige norwegische Unternehmen Web-Browser, die oft genug Trends setzten und Features einführten, die von Konkurrenten allzu oft erst Jahre später kopiert wurden. In vielerlei Hinsicht ist Opera seit langem wohl der innovativste Browser-Entwickler überhaupt - nur ausgezahlt hat sich das bisher nicht.

Denn zum einen besitzt Opera zwar eine Schar ganz besonders begeisterter Fans, die bei jedem Artikel über andere Browser E-Mail-Lawinen der Marke "Gibt's bei Opera schon!" oder "Das haben die geklaut!" auf den Weg schicken. Zum anderen nervt das nicht allzu sehr, weil man erstens weiß, dass das ja oft stimmt, zum anderen aber auch nicht allzu viele E-Mails ins Postfach rauschen: Wie auch, bei einem Marktanteil, der irgendwo zwischen 0,7 und 1,2 Prozent vor sich hin dümpelt?

Man muss sich fragen, womit die Norweger das verdient haben. Auch Opera 10 dokumentiert einmal mehr, dass sie ihr Handwerk verstehen. Die neue, am 1. September veröffentlichte Version bietet zwar keine Fülle an neuen Features, aber eindrucksvolle Verbesserungen im Detail. Der Aufbau des Browsers ist dabei so durchdacht, dass sich fast alles intuitiv erschließt.

Was zeichnet Opera 10 aus?

Das herausragende Merkmal des neuen Browsers ist Geschwindigkeit. Dafür sorgen zum einen Navigationselemente, die uns nicht nur Vor- und Zurückblättern lassen, sondern auch - so wie beim DVD-Player - ganz vor oder ganz zurück. Dafür sorgen der integrierte RSS- und Atom-Feed-Reader, dazu das Mailprogramm. Dafür sorgt aber offensichtlich auch eine Rendering-Engine, die es in sich hat: Opera baut Seiten merklich schneller auf als Internet Explorer oder Firefox, frisst dabei aber weniger Ressourcen. Während etwa Firefox nach 124.000 kb Ressource fragt, um die Startseite von SPIEGEL ONLINE darzustellen, begnügt sich Opera mit 52.000 kb.

Die einmal heruntergeladene Seite behandelt Opera dann fast, als wäre die eine Vektorgrafik: Man kann einfach über die Plus- und Minustaste hinein- und herauszoomen, ohne dass die dargestellte Grafik in dem Maße verpixelte, wie man das erwarten würde (siehe Bildergalerie oben). Außer man nutzt das neue Turbo-Feature.

Turbo: Schnellgrafik für lahme Leitungen

Mit dem Turbo lässt sich der Aufbau einer Web-Seite um den Faktor 3 beschleunigen. Gedacht ist das, um Menschen mit dürren Netzanbindungen per Modem, ISDN oder Mini-DSL das Leben zu erleichtern.

Klappt es? Natürlich tut es das: Opera verzichtet dabei einfach auf den Download und die Darstellung der Grafiken in ihrer vollen Qualität. Opera stellt also Seiten mit abgespeckten bildlichen Elementen dar und nennt das eine "Kompression". Doch wie kann das sein?

Ganz einfach: Das Turbo-Feature funktioniert mit Hilfe eines Proxy-Servers. Es ist also nicht der Browser, der die Grafikelemente herunterskaliert, sondern ein Server der Firma Opera, der dem Browser auf Anfrage abgespeckte Seiten zur Verfügung stellt. Ein nicht ganz unwichtiger Unterschied, weil das natürlich Vertrauen voraussetzt: Wer mit aktiviertem Turbo surft, hinterlässt eine Datenspur auf den Servern der Firma Opera in Oslo.

Unter normalen Umständen wird aber kaum jemand den Turbo nutzen. Der Browser ist so schnell, dass der Unterschied bei einer breitbandigen Verbindung mit dem Web gar nicht auffällt. Der Turbo lohnt sich, wenn man beispielsweise per Funk-Modemkarte und Laptop im Web unterwegs ist - denn natürlich schränkt er zugleich die übertragene Datenmenge ein, was sich in diesem Fall sogar preislich günstig niederschlägt.

Ansonsten hat Opera an zahlreichen Punkten gefeilt, die Navigation und Darstellung betreffen. Die wichtigsten Features haben wir in der Bildergalerie (siehe oben) zusammengefasst. Als erster Eindruck bleibt: Opera 10 ist ein schneller, übersichtlicher Browser mit schönen und nützlichen Features, der zumindest Internet Explorer und Firefox ein wenig blass aussehen lässt. Wie stabil er läuft, wird erst ein längerer Test zeigen. Den wagen heute, am Tag der Veröffentlichung, offenbar eine ganze Menge Leute: Zeitweilig herrschte Datenstau auf den Seiten von Opera.

Wenn man durchkommt, ist der Download allerdings schnell erledigt: Die Installationsdatei ist knapp über 8 MB klein, auch auf der Festplatte nimmt das installierte Programm später gerade einmal 21 Megabyte in Anspruch. Hut ab, Opera: Schlank bist du auch noch.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 91 Beiträge
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1. Geburtsfehler
zaphod1965 02.09.2009
Opera hat sich nie in großem Maße durchsetzen können, weil es von Beginn an ein kommerzielles Produkt war. So schnell und ausgefeilt die Technik auch sein mag, kommt sie gegen das Image eines sehr gut funktionierenden und offen entwickelten Firefox niemals an (wer mit dem "Explorer" surft ist eh selbst schuld). Von den Werbebannern des Opera-Browsers wird im Spiegel-Artikel auch nichts erwähnt.
2. Werbefilter?
wilde Socke 02.09.2009
Hat er einen Werbefilter wie Adblock beim Mozilla-Browser? Ohne sowas kann man doch heutzutage gar nicht mehr surfen, da die bewegte Werbung massiv beim Lesen stört. @ Werber: wenn die Anzeigen einfach nur ruhig wären, würde ich sie nicht rausfiltern. Wenn ich hier ohne Werbefilter surfe (gerade mal versucht), versauen mir Condor, Deutsche Bank und Air Berlin das Surfvergnügen. Ja, Condom, Deutsche Krank, Aids Berlin (Verballerung beabsichtigt), wenn ihr so nervt, bekomme ich leider einen ziemlich schlechten Eindruck von euch und möchte meine Teuros lieber anderswo verbraten. Wollt ihr das? Ups, jetzt fällt mir ein, der Spiegel würde ja aus eigenem Interesse nicht über einen Werbefilter berichten :-) Muss mal daunlohden uns testen.
3. So what?
Izmir.Übül 02.09.2009
Geschwindigkeit und Speicherbedarf eines Browsers sind heutzutage keine wirklich relevanten Kriterien mehr. Mir persönlich ist es jedenfalls egal, ob sich eine Graphik in 10 oder 20 Millisekunden aufbaut, oder wie viel kB meiner 8 GB RAM für die Darstellung einer Seite verbraucht wird. Leute, die einen Vollzeitjob haben, haben meistens weder Zeit noch Lust, sich mit allen erdenklichen Software-Alternativen zu befassen, so lange sie mit der von ihnen verwendeten zufrieden sind (in meinem Fall Firefox), es sei denn, dieser Job besteht ausgerechnet in der Aufgabe, sich mit solchen Themen zu befassen.
4. Stimmt!
Kalle147 02.09.2009
Wirklich schade das Opera nicht der "Nummer 1" browser weltweit ist. Verdient hat er es auf jeden Fall! Benutze dieses "Browser-Juwel" seit vielen Jahren und kann mir nicht vorstellen, freiwillig zu wechseln. Hoffentlich geht den Norwegern nicht irgendwann das Geld aus! Also schmeisst den IE weg und probiert Opera... Ihr werdet es auf keinen Fall bereuen! ;-)
5. .
Haio Forler 02.09.2009
Zitat von sysopIrgendwie ist Opera unter den Browsern das, was Leverkusen unter den Fußballclubs ist: Oft innovativ, schön, leistungsstark - und doch ohne viele Fans. Mit der Programmversion 10 liefert Opera einmal mehr die Ideen, mit denen andere dann Erfolg haben werden. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,646361,00.html
Moin. Noch kein Mac-User hier? Dann wird's aber Zeit. Los kommt, sagt, daß Ihr die Besten seid, es geht doch um ein IT-Thema ;) Kommt, Ihr Motten, hier ist das Licht.
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