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Opera Unite: Der Browser wird zum Webserver

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Musik, Fotos, eigentlich jede Art digitaler Informationen mit jedermann über das Internet austauschen - und das bitte einfach, schnell und kostenlos: Die norwegische Software-Schmiede Opera will den Datentausch per Browser revolutionieren.

Opera-Chef Jon von Tetzchner sparte nicht an großen Worten, als er den neuen Web-Dienst am Dienstagmorgen ankündigte. Mit der Unite getauften Technik habe Opera das Internet neu erfunden, sagte der Mitgründer der norwegischen Browserfirma. Ausgehend davon, dass derzeit alle von Web 2.0 sprächen, habe man mit Unite bereits das Web 5.0 erfunden. Beides ist reichlich hoch gegriffen. Denn eigentlich hat Opera mit Unite nur den Datenaustausch via Internet vereinfacht - das allerdings sehr elegant.

Das Unite-Prinzip ist einfach: Man lädt sich eine spezielle Version des Opera-Browsers herunter, legt bei den Norwegern einen Benutzeraccount an und kann Freunden, Familienmitgliedern, der ganzen Welt oder nur sich selbst künftig fast beliebige Daten bereitstellen, die man auf seinem Rechner hortet. Mehr als einen Opera-Browser und sein Passwort braucht man dafür nicht. So einfach war es noch nie, Musik, Fotos und andere Daten digital zu teilen. Und das Beste daran: kostenlos ist der Spaß auch noch.

Natürlich gibt es schon lange Möglichkeiten, Daten via Internet anderen zur Verfügung stellen. Bisher aber waren vor dem ungezügelten Datenaustausch stets einige Hürden zu nehmen. Man musste sich Webspace mieten, Tauschprogramme konfigurieren, womöglich Server einrichten und Router umkonfigurieren.

Serverstart per Mausklick

Vergleichsweise einfach geht das noch, wenn man sich kostenpflichtiger Dienste wie Apples MobileMe bedient. Schwieriger wird es, wenn man seinen per DSL ans Internet angeschlossenen PC samt Netzwerkfreigaben online stellen will. Vor allem die Sicherheit bleibt bei solchen Experimenten oft auf der Strecke. Firewalls und Zugangsberechtigungen richtig einzustellen, ist eben nicht jedermanns Sache.

Diese Hürden will Opera nun beseitigt haben. Unite stellt quasi im Webbrowser einen eigenen Server bereit. Der wird aufgerufen, indem man auf ein entsprechendes Symbol in der Seitenleiste des Browsers klickt. Danach kann man auswählen, welchen der angebotenen Dienste man nutzen möchte.

Zum Einstieg bietet Opera sechs Unite-Dienste an:

File Sharing: Hier kann man einen beliebigen Ordner auf seinem Rechner auswählen und anderen Nutzern freigeben. Unabhängig von Dateityp sind alle darin gesicherten Dateien sicht- und abrufbar.

Media Player: Die Bezeichnung ist irreführend, denn eigentlich handelt es sich um einen MP3-Player. Er lässt sämtliche MP3-Musik, die sich im freigegebenen Verzeichnis befindet, via Webbrowser abspielen.

Photo Sharing: Erzeugt eine Bildergalerie aller im freigegebenen Verzeichnis gespeicherten Bilder. Die dafür notwendigen Miniaturansichten erzeugt Opera automatisch.

The Fridge: Auf dem Kühlschrank kann man kurze Notizen für andere hinterlassen oder Notizen lesen, die andere dort hinterlassen haben. Kurz heißt hier übrigens: Nicht mehr als 40 Zeichen. Das ist knapp.

Die Lounge: Hinter der hippen Bezeichnung verbirgt sich nichts anderes als ein Chatraum. Allerdings ein privater, der in Opera gestartet wird, in den man Freunde einladen kann und zu dem auch sonst niemand Zugang haben muss. Geschlossene Gesellschaft.

Der Webserver: Das ist schon fast die Quadratur des Kreises: Innerhalb von Opera läuft ein Webserver, den man nach Belieben mit eigenen Homepages füttern kann. In der Praxis mutet es ein wenig absurd an, wenn man mit Opera eine Web-Seite aufruft, die man selbst mit Opera ins Netz gestellt hat.

Damit soll der Leistungsumfang von Unite aber noch nicht endgültig definiert sein. Vielmehr können externe Entwickler eigene Anwendungen für die neue Technik programmieren. Als Grundlage dienen die weit verbreiteten Web-Standards HTML, CSS und JavaScript. Fertige Unite-Dienste können direkt über Operas Unite-Webseite verteilt werden.

Besser mit Passwort

Besonders wichtig dabei: Standardmäßig sind die Dienste so konfiguriert, dass Fremde nur dann auf die freigegebenen Daten zugreifen können, wenn sie ein Passwort eingegeben haben. Alternativ kann man den Zugriff auch so restriktiv handhaben, dass nur man selbst darauf zugreifen kann. Oder man gibt die Daten passwortlos für jedermann frei. Bevor man diese Option anklickt, sollte man sich allerdings vergewissern, dass man auch wirklich an allen Daten die uneingeschränkten Rechte besitzt.

Denn wer unachtsam beispielsweise seine gesamte Musiksammlung für jedermann öffnet, handelt illegal, wenn darunter auch Songs sind, die man beispielsweise in einem Onlineshop gekauft oder von einer CD gerippt hat - was meist der Fall sein dürfte. Für den Eigenbedarf ist Unite aber eine feine Sache: Alle freigegebenen Songs kann man, das entsprechende Passwort vorausgesetzt, von überall in der Welt abrufen, also beispielsweise auch in einem Hotelzimmer in Chicago oder einem Internetcafé auf Bali anhören, ohne dass man dafür zusätzlich Software installieren müsste.

Unite funktioniert mit jedem Browser

Ohnehin gibt sich Opera sehr offen. Die einzige Voraussetzung zur Nutzung von Unite ist es, die entsprechende Version des Opera-Browsers auf dem Wirts-Rechner zu installieren. Die Norweger bezeichnen das Programm derzeit als Technical Preview, also unfertige Vorabversion. Im Kurztest von SPIEGEL ONLINE lief das Programm aber ohne Murren und Knurren und leistete sich keine Abstürze.

Websurfer, die auf Daten, Musik und Fotos zugreifen wollen, die jemand per Opera Unite freigegeben hat, können dagegen einen beliebigen Browser verwenden. Dem Hersteller zufolge gibt es hier keine Grenzen zwischen Betriebssystemen oder Software-Herstellern.

Gut für einen Quickie

Um das Unite-Prinzip wirklich auskosten zu können, muss der Rechner, auf dem sich Opera und die freigegebenen Daten befinden, freilich kontinuierlich laufen. Energiesparfunktionen sollte man deshalb abschalten, will man beispielsweise auf dem Büro-PC Musik anhören, die auf dem Heimrechner gespeichert ist. Ökologisch sinnvoll ist das natürlich nicht, zieht ein solcher Rechner doch stundenlang unnötig Strom aus der Steckdose.

Wer also regelmäßig Daten via Internet bereitstellen will, ist mit einer sparsamen Netzwerkfestplatte bei weitem besser ausgerüstet als mit einem Heim-PC, der per Opera Unite zum Pseudo-Webserver mutiert. Um schnell mal der Schwiegermutter die digitalen Urlaubsfotos online zu zeigen, ist Unite aber die derzeit schnellste und einfachste Lösung.

Und wer weiß, was da noch kommt, wenn erst einmal Drittentwickler weitere Dienste entwickelt haben. Der Phantasie sind da kaum Grenzen gesetzt.

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Tausch-Technik: Opera wird zum Server


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