Ouvertüre Apple macht Musik

Wenige Monate nach Ankündigung eines eigenen Apple-Musikangebotes ging der "iTunes Music Store" online. Alle großen Label beliefern den Apple-Dienst, die Nutzungsbedingungen für die Downloads sind überraschend liberal.


Apple feiert gern: Steve Jobs bei der "Music Store"-Präsentation in San Francisco
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Apple feiert gern: Steve Jobs bei der "Music Store"-Präsentation in San Francisco

Apple hat den Anspruch, synonym für den Digital Lifestyle zu stehen: Im Umgang mit multimedialen Daten hatten die Rechner aus Cupertino seit Gründung des Unternehmens die Nase immer ganz vorn. Allein in Sachen Musikdownloads hinkte die Apple-Gemeinde lange hinterher. Viele P2P-Clients gab und gibt es nicht für Apple.

Vor wenigen Monaten kündigte Apple-Chef Steve Jobs dafür Lösungen an. Einen Apple-eigenen Online-Musikvertrieb solle es bald geben, und lang brauchte das Unternehmen nicht, der Ankündigung Taten folgen zu lassen. Spät am Montag ging der "iTunes Music Store" online, ganz im P2P-Stil als Software-Client-Lösung.

Nun sollen Kunden einzelne Musikstücke zu einem einmaligen Preis von 99 US-Cent (rund 0,90 Euro) zur privaten Nutzung aus dem Internet abspeichern können. Vertreter der US-Musikindustrie, die den Tauschbörsen eine Verletzung des

Urheberrechts vorwerfen, begrüßten den Vorstoß. "Verbraucher wollen nicht wie Kriminelle behandelt werden und Künstler wollen nicht, dass ihre wertvolle Arbeit gestohlen wird", erklärte Apple-Chef Steve Jobs.

Laut Apple beteiligen sich die fünf größten Musikverlage mit mehr als 200.000 Titeln aus ihrem Angebot an dem neuen Online-Dienst, wobei das Angebot noch erweitert werden soll. All das ist heute nicht mehr ungewöhnlich, offiziell lizensierte Musikvertriebe vermehren sich gegenwärtig wie die Kaninchen.

Noch flacher: der überarbeitete iPod
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Noch flacher: der überarbeitete iPod

Bemerkenswert sind jedoch die Nutzungsbedingungen der Börse: Ohne Verletzung von Urheberrechten ist es Kunden möglich, einen Song beliebig oft für die eigene Nutzung zu brennen. Zudem dürfen sie bis auf drei Computer geladen werden. Das klingt nach einem ernst zu nehmenden Angebot: Die großen Industrie-eigenen Musikbörsen scheiterten dagegen an Teils schwer nachzuvollziehenden Nutzungseinschränkungen.

Zugleich brachte Apple neue Versionen seines digitalen Musikabspielgeräts iPod heraus, die erweiterte Kapazitäten haben. Mac-Nutzer könnten jetzt ihre Musik im Internet einkaufen und auf ihre iPods überspielen, teilte das in Cupertino ansässige Unternehmen mit. Die iPods sind dünner und leichter als ihre Vorgängermodelle und sollen je nach Leistung zwischen 299 und 499 Dollar kosten.

Die iTunes-Software liegt bisher nur in einer Mac-Version vor. Bis zum Herbst will Apple eine Windows-Version folgen lassen, die den Music-Shop auch Nutzern der anderen Rechnerwelt zugänglich macht.



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