Von Konrad Lischka
Von diesem Donnerstag an sollen Leser in Kanada für das Vollprogramm der "New York Times" im Web zahlen, von Ende März an dann die Nutzer weltweit. Verleger Arthur Ochs Sulzberger erklärt den Lesern, man wolle vor allem "regelmäßige Kunden" der Web-Seite und der Anwendungen für mobile Endgeräte bezahlen lassen.
Das Bezahlmodell der "New York Times" sieht so aus:
Allerdings hat das Bezahlmodell eine Menge Ausnahmen, die Gelegenheitsleser halten und neue Kunden locken sollen. Wer all diese Möglichkeiten ausnutzt, kann die "New York Times" im Netz mit viel Aufwand weiterhin kostenlos lesen:
Stufen-Modell wie bei FT.com
Dieses abgestufte Modell erinnert an die digitalen Bezahlangebote von "Financial Times" und "Wall Street Journal". Die "FT" öffnete zum Beispiel 2007 die Bezahlschranken ein wenig. Anhand der IP-Adresse wird festgestellt, wie oft von bestimmten Rechnern Artikel auf FT.com abgerufen werden. Einen kostenpflichtigen Artikel im Monat kann jeder Nutzer völlig kostenlos lesen, danach muss man sich registrieren, und wer mehr als zehn Texte im Monat lesen will, muss ein Online-Abo abschließen. Das Standard-Online-Abo für FT.com kostet knapp 15 Euro im Monat, für die Luxusversion mit exklusiven Newslettern und dem Zugriff auf das E-Paper der gedruckten Zeitung muss man knapp 30 Euro monatlich bezahlen.
Auch beim kostenpflichtigen Online-Angebot des "Wall Street Journal" ist eine Auswahl der Artikel für alle Nutzer kostenlos. Wer auf andere, eigentlich kostenpflichtige Seiten über eine Suchmaschine gelangt, kann die ebenso kostenfrei abrufen.
FT.com verdient geschätzte 70 Millionen Euro mit Digitalabos
Für 2010 meldete die "Financial Times" so viele Online-Abonnenten wie nie zuvor: 206.289 zahlende Leser hatte die Web-Ausgabe samt iPhone- und iPad-App. Die Print-Ausgabe der "FT" hatte Ende 2010 eine Auflage von 390.121 Exemplaren. Wie viel ein Digital-Abo der "Financial Times" kostet, ist schwer zu sagen - das Unternehmen bietet ähnlich wie Fluggesellschaften unterschiedlichen Kunden unterschiedliche Preise.
Einer uns vorliegenden Preisaufstellung zufolge kostet ein Standard-Zugang für FT.com knapp 25 Euro im Monat und ein Premium-Abo knapp 38 Euro (inklusive Mehrwertsteuer). Nimmt man an, dass ein Drittel der Abonnenten ein Premium-Abo zu diesem Tarif abgeschlossen haben, käme FT.com auf gut 72 Millionen Euro Einnahmen aus Onlineabos im Jahr. Das Digitalangebot des "Wall Street Journal" - WSJ.com - gibt keine aktuellen Abonnentenzahlen bekannt - eine Million Abonnenten soll die Seite haben, macht bei einem Abopreis von knapp 150 Euro im Jahr (auch hier liegt der Rechnung nur ein uns vorliegendes Angebot zugrunde) schätzungsweise 150 Millionen Euro.
Ob sich diese Zahlen auf die "New York Times" und andere General-Interest-Portale übertragen lassen, ist nicht ausgemacht. Denn die Wirtschaftzeitungen richten sich an Entscheider in Unternehmen, die ihre Online-Abos beruflich nutzen und vermutlich zum Teil vom Arbeitgeber bezahlt bekommen.
Das alte Digitalabo der "New York Times" brachte zehn Millionen
Die "New York Times" hat selbst schon schlechte Erfahrungen mit Onlineabos gemacht. Im September 2007 stellte das Medienhaus nach nur zwei Jahren das alte Online-Bezahlangebot ein. Unter dem Label Timesselect hatte die Online-Ausgabe damals Beiträge von 23 prominenten Kolumnisten und Inhalte des "New York Times"-Archivs angeboten. Die Abo-Erlöse lagen damals bei nicht einmal zehn Millionen Dollar im Jahr. Und die Kolumnisten waren unzufrieden, weil sie im Web massiv an Reichweite verloren.
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