Paid Content: "New York Times" führt das Digitalabo ein

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15 Dollar im Monat für die Web-Seite, 35 Dollar für Web-Zugang und alle Apps: Die "New York Times" macht ihre Digitalangebot kostenpflichtig. Gelegenheitsleser will man mit vielen Gratis-Artikeln locken.

Verlagsgebäude der "New York Times": Die Online-Ausgabe soll Web-Abos verkaufen Zur Großansicht
AFP

Verlagsgebäude der "New York Times": Die Online-Ausgabe soll Web-Abos verkaufen

Von diesem Donnerstag an sollen Leser in Kanada für das Vollprogramm der "New York Times" im Web zahlen, von Ende März an dann die Nutzer weltweit. Verleger Arthur Ochs Sulzberger erklärt den Lesern, man wolle vor allem "regelmäßige Kunden" der Web-Seite und der Anwendungen für mobile Endgeräte bezahlen lassen.

Das Bezahlmodell der "New York Times" sieht so aus:

  • Wer das gedruckte Blatt abonniert, kann die Web-Seite und alle Anwendungen für mobile Endgeräte kostenlos nutzen. Ein Abo der gedruckten "NYT" kostet bei Botenzustellung in New York 46,80 Dollar im Monat, in Washington zum Beispiel 59,20 Dollar - inklusive "Sunday Times".
  • Ein Abo der Website samt Zugriff über die Smartphone-Anwendungen kostet 15 Dollar für vier Wochen.
  • Ein Abo der Website samt Zugriff über die Tablet-Anwendungen kostet 20 Dollar für vier Wochen.
  • Ein Abo der Website samt Zugriff über die Smartphone- und Tablet-Anwendungen kostet 35 Dollar für vier Wochen.

Allerdings hat das Bezahlmodell eine Menge Ausnahmen, die Gelegenheitsleser halten und neue Kunden locken sollen. Wer all diese Möglichkeiten ausnutzt, kann die "New York Times" im Netz mit viel Aufwand weiterhin kostenlos lesen:

  • Von einer bestimmten IP-Adresse aus können die Nutzer 20 Artikel pro Monat auf der Website der "New York Times" kostenlos lesen.
  • Die Startseiten ("Top News") der Smartphone- und Tablet-Anwendungen bleiben kostenfrei. Ebenso sind alle Artikel auf der Startseite von nytimes.com jederzeit kostenlos.
  • Wer über eine Suchmaschine oder einen Link in einem Blog, auf Twitter oder in einem sozialen Netzwerk auf die Seiten der "New York Times" gelangt, kann den verlinkten Artikel kostenlos lesen.

Stufen-Modell wie bei FT.com

Dieses abgestufte Modell erinnert an die digitalen Bezahlangebote von "Financial Times" und "Wall Street Journal". Die "FT" öffnete zum Beispiel 2007 die Bezahlschranken ein wenig. Anhand der IP-Adresse wird festgestellt, wie oft von bestimmten Rechnern Artikel auf FT.com abgerufen werden. Einen kostenpflichtigen Artikel im Monat kann jeder Nutzer völlig kostenlos lesen, danach muss man sich registrieren, und wer mehr als zehn Texte im Monat lesen will, muss ein Online-Abo abschließen. Das Standard-Online-Abo für FT.com kostet knapp 15 Euro im Monat, für die Luxusversion mit exklusiven Newslettern und dem Zugriff auf das E-Paper der gedruckten Zeitung muss man knapp 30 Euro monatlich bezahlen.

Auch beim kostenpflichtigen Online-Angebot des "Wall Street Journal" ist eine Auswahl der Artikel für alle Nutzer kostenlos. Wer auf andere, eigentlich kostenpflichtige Seiten über eine Suchmaschine gelangt, kann die ebenso kostenfrei abrufen.

FT.com verdient geschätzte 70 Millionen Euro mit Digitalabos

Für 2010 meldete die "Financial Times" so viele Online-Abonnenten wie nie zuvor: 206.289 zahlende Leser hatte die Web-Ausgabe samt iPhone- und iPad-App. Die Print-Ausgabe der "FT" hatte Ende 2010 eine Auflage von 390.121 Exemplaren. Wie viel ein Digital-Abo der "Financial Times" kostet, ist schwer zu sagen - das Unternehmen bietet ähnlich wie Fluggesellschaften unterschiedlichen Kunden unterschiedliche Preise.

Einer uns vorliegenden Preisaufstellung zufolge kostet ein Standard-Zugang für FT.com knapp 25 Euro im Monat und ein Premium-Abo knapp 38 Euro (inklusive Mehrwertsteuer). Nimmt man an, dass ein Drittel der Abonnenten ein Premium-Abo zu diesem Tarif abgeschlossen haben, käme FT.com auf gut 72 Millionen Euro Einnahmen aus Onlineabos im Jahr. Das Digitalangebot des "Wall Street Journal" - WSJ.com - gibt keine aktuellen Abonnentenzahlen bekannt - eine Million Abonnenten soll die Seite haben, macht bei einem Abopreis von knapp 150 Euro im Jahr (auch hier liegt der Rechnung nur ein uns vorliegendes Angebot zugrunde) schätzungsweise 150 Millionen Euro.

Ob sich diese Zahlen auf die "New York Times" und andere General-Interest-Portale übertragen lassen, ist nicht ausgemacht. Denn die Wirtschaftzeitungen richten sich an Entscheider in Unternehmen, die ihre Online-Abos beruflich nutzen und vermutlich zum Teil vom Arbeitgeber bezahlt bekommen.

Das alte Digitalabo der "New York Times" brachte zehn Millionen

Die "New York Times" hat selbst schon schlechte Erfahrungen mit Onlineabos gemacht. Im September 2007 stellte das Medienhaus nach nur zwei Jahren das alte Online-Bezahlangebot ein. Unter dem Label Timesselect hatte die Online-Ausgabe damals Beiträge von 23 prominenten Kolumnisten und Inhalte des "New York Times"-Archivs angeboten. Die Abo-Erlöse lagen damals bei nicht einmal zehn Millionen Dollar im Jahr. Und die Kolumnisten waren unzufrieden, weil sie im Web massiv an Reichweite verloren.

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insgesamt 8 Beiträge
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    Seite 1    
1. Blödsinn
flukus 17.03.2011
Digitalabos sind blödsinn. Der einzige Ertrag wird sein, dass man einen großen Teil der Leser verliert, und seine Stellung im Markt damit aufgibt. Zeitungen sollten lieber auf neue Wege setzen, wie etwa das freiwillige Bezahlen für Inhalte (flattr). Ich zum Beispiel zahle gerne freiwillig für Texte wie BildBlog, Niggemeier, taz etc. Auch für Spiegel-Online würde ich sehr gerne zahlen, aber ich kann nicht, weil der Spiegel bisher keinen Flattr-Button abietet. Wer nicht will, der hat schon, kann ich dazu nur sagen!
2. Und Tschüss!
AllesGrau, 17.03.2011
Um mir einen internationalen Blick auf Dinge zu verschaffen, werfe ich im Netz gerne einen Blick auf die angesprochene NYT, auf den Guardian aus England oder The Australien aus Australien. Schade, dass die NYT jetzt wegfällt. Aber es gibt ja noch mehr Zeitungen in den USA. Und Kanada habe ich bisher leider völlig vernachlässigt.
3. und die Süddeutsche Zeitung.. ?
heidejuergen 17.03.2011
die kostet mittlerweile auch schon 24,80 €, wenn man keine Print-Ausgabe dazu nimmt.
4.
laolu 18.03.2011
Paid Content - versucht das Hamburger Abendblatt, in der gedruckten Form die beste Zeitung, die ich kenne, schon seit etwa einem Jahr. Ergebnis? Und tschüß...
5. Eine Idee
SurferJRS 19.03.2011
Zitat von flukusDigitalabos sind blödsinn. Der einzige Ertrag wird sein, dass man einen großen Teil der Leser verliert, und seine Stellung im Markt damit aufgibt. Zeitungen sollten lieber auf neue Wege setzen, wie etwa das freiwillige Bezahlen für Inhalte (flattr). Ich zum Beispiel zahle gerne freiwillig für Texte wie BildBlog, Niggemeier, taz etc. Auch für Spiegel-Online würde ich sehr gerne zahlen, aber ich kann nicht, weil der Spiegel bisher keinen Flattr-Button abietet. Wer nicht will, der hat schon, kann ich dazu nur sagen!
Flattr habe ich zwar schon gehört, aber genau genommen sagt mir das gar nichts. Falls sie Infos dazu haben, würde mich das mal interessieren. Wollte aktuell mal wieder etwas internationaler lesen und stieß dabei logischer Weise auch auf die NYTimes. Da nun vieles kostenpflichtig wird, ist das Angebot entsprechend uninteressanter für mich und ich werde mich wohl nach Alternativen umschauen. Für den SPIEGEL könnte ich mir folgendes vorstellen: Zusammenstellungen von kostenlosen Beiträgen zu einem digitalen "Heft", was dem Leser die Mühe spart, sich alles zusammenzusuchen und dem Verlag beim digitalen Verkauf Geld bringen kann. Könnte man dann vergleichbar dem digitalen Print-SPIEGEL abrechnen, was ja die Einnahmen innerhalb des Verlages halten würde, während flattr wohl extern ist und sicher auch ein paar Prozente haben will. Aktuell könnte ich mir vorstellen, daß es sicher interessant wäre, ein SPIEGEL-OONLINE spezial "Deutschland und die Atomkraft" zu lesen, in dem nicht nur aktuell über Fukushima berichtet wird, sondern auch über die Entstehungsgeschichte der zivilen Atomkraftnutzung, den Auf- und Ausbau der Atomkraftwerke und die Geschichte des Widerstands dagegen, der ja dazu führte, daß die heutige Partei Bündnis90/GRÜNE entstand. Kann man alles kostenlos mit hohem Zeitaufwand zusammen suchen und dann lesen, oder redaktionell bearbeitet mit einem Klick zu einem angemessenen Preis digital erwerben, wenn es denn angeboten wird. Einen Versuch wäre es auf alle Fälle Wert. Mir würde es jedenfalls Spaß machen, solche "Hefte" zusammen zu stellen und anzubieten.
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