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Mohammed-Wettbewerb: Pakistan blockiert Twitter wegen Blasphemie

Im Internet gibt es einen neuen Karikaturenstreit: Via Twitter wurde für einen Mohammed-Karikaturen-Wettbewerb geworben, was Pakistan gar nicht passte. Twitter war deswegen im Land vorübergehend nicht erreichbar.

Twitter: Seite ist in Pakistan zurzeit nicht erreichbar Zur Großansicht
REUTERS

Twitter: Seite ist in Pakistan zurzeit nicht erreichbar

Islamabad - "Diese Webseite ist nicht verfügbar": Pakistan hat am Sonntag den Kurznachrichtendienst Twitter blockiert - aufgrund blasphemischen Materials, wie ein Sprecher der pakistanischen Telekommunikationsbehörde PTA mitteilte. Es gehe um einen geplanten Wettbewerb bei Facebook, bei dem Nutzer Karikaturen des Propheten Mohammed in Netz stellen sollten. Via Twitter wurde auf diesen Wettbewerb aufmerksam gemacht.

Das Ministerium für Informationstechnologie teilte mit, es habe von Twitter mehrfach verlangt, den Wettbewerb nicht zuzulassen und bestimmte Beiträge zu löschen. Facebook habe eingewilligt, sich mit den Bedenken Pakistans zu befassen, sagte Mohammed Yaseen, der Vorsitzende der pakistanischen Telekommunikationsbehörde. Twitter habe aber nicht reagiert. "Wir haben bis letzte Nacht mit ihnen verhandelt, aber sie haben nicht eingewilligt, dieses Zeug zu entfernen. Deshalb mussten wir es blockieren", sagte Yaseen.

Innenminister: "Bitte glaubt nicht an Gerüchte"

Anscheinend ist es ihnen aber nicht gelungen, Twitter in ganz Pakistan zu blockieren: Die pakistanische Zeitung "Express Tribune" berichtet, dass Twitter auf Smartphones noch erreichbar ist, auch via Opera könnte die Seite noch aufgerufen werden. Und Pakistans Innenminister Rehman Malik twitterte Samstag: "Ich versichere euch, dass Twitter und FB in unserem Land fortbestehen wird und es wird nicht geblockt. Bitte glaubt nicht an Gerüchte."

Rund acht Stunden nach Beginn der Blockade habe die Regierung den Zugang zu Twitter wieder hergestellt, berichtete die Nachrichtenagentur AP am Sonntagabend. Ob die Reaktion von Twitter oder die öffentliche Kritik zu dem Einlenken geführt hat, ist unklar.

Pakistan reagierte nicht zum ersten Mal mit so einer Blockade: Mitte 2010 hatte das Land bereits die Webseiten des sozialen Netzwerkes Facebook und des Video-Portals YouTube wegen blasphemischer Inhalte gesperrt.

Der Islam verbietet jede bildliche Darstellung der Propheten. Viele Muslime empfinden jedes Bild von Mohammed - auch ein positives - als Blasphemie und als Beleidigung. Die dänische Zeitung "Jyllands-Posten" hatte 2005 Mohammed-Karikaturen veröffentlicht und damit für Aufruhr gesorgt. In Pakistan wurden 2008 acht Menschen bei einem Selbstmordanschlag auf die dänische Botschaft getötet. Zu dem Attentat hatte sich das Terrornetzwerk Al-Qaida bekannt, das die Veröffentlichung der Karikaturen rächen wollte.

fln/AFP/dapd/Reuters

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1.
Marshmallowmann 20.05.2012
So einen Aus-Schalter gibt es wohl in jedem Land. Traurig. Sehr traurig.
2. Nicht sein kann, was nicht sein darf
catcargerry 20.05.2012
Was der Islam braucht, sind je tausend Krischan Morgenstern und - ganz besonders - Hans Traxler. In Dänemark hat man den Anfang gemacht und die Betonköpfe - leider vergeblich - zur Entblödung provoziert. Der traditiionelle Islam entblödet sich nicht, er bleibt mittelalterlich. Aber es gibt auch den kritischen, weltzugewandten. Sehen wir zu, dass seine Protagonisten (z.B. an deutschen Universitäten) Gehör finden, vielleicht. durch Vorträge vor interessiertem Publikum und Einbindung der lokalen Presse.
3.
Vorzeichen 20.05.2012
Zitat von sysopREUTERSIm Internet gibt es einen neuen Karikaturenstreit: Via Twitter wurde für einen Mohammed-Karikaturen-Wettbewerb geworben, was Pakistan gar nicht passte. Twitter ist deswegen im Land vorrübergehend nicht erreichbar. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,834071,00.html
Steht das mit Opera wirklich so in der "Express Tribune"? Wenn das tatsächlich so sein sollte, dann hat das Ministerium für IT irgendetwas Grundsätzliches nicht verstanden. Keine Gefahr für die Informationsfreiheit also.
4. Das müssen die Muslime aushalten
deb2011 20.05.2012
Zitat von sysopREUTERSIm Internet gibt es einen neuen Karikaturenstreit: Via Twitter wurde für einen Mohammed-Karikaturen-Wettbewerb geworben, was Pakistan gar nicht passte. Twitter ist deswegen im Land vorrübergehend nicht erreichbar. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,834071,00.html
Tja, es tut mir ja leid, aber das müssen die Muslime eben aushalten, denn das ist der Preis der Globalisierung. So wie ich mich mit tief verschleierte Frauen hierzulande abfinden muss, müssen die Muslime das ertragen. Alles eine Frage der Gewöhnung ;)
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Hauptstadt: Islamabad

Staatsoberhaupt:
Mamnoon Hussain

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