Panda-Update: Googles Qualitätsoffensive erreicht Deutschland

Raus mit den Klickfarmen, rein mit Qualitätsangeboten: Mit neuen Such-Algorithmen will der US-Internetkonzern Google den Nutzen seiner Suchergebnisse erhöhen. Die Ergebnisse der Veränderungen waren schon am Wochenende messbar.

Google-Logo: Mit Panda besser finden Zur Großansicht
REUTERS

Google-Logo: Mit Panda besser finden

Googles Suchmaschine soll besser werden. Dazu haben die Techniker des Internetkonzerns kräftig unter der Haube geschraubt und die Such-Algorithmen des Marktführers verändert. Mit der Aktion, erklären die Verantwortlichen im Google Blog, habe man " die Suchqualität durchweg verbessert". Die unter dem Codenamen "Panda" zusammengefassten Änderungen hat das Unternehmen auf seinen englischsprachigen Suchseiten bereits im Juni eingeführt. Am Wochenende ist das neue Bewertungssystem für Suchergebnisse in weiteren Ländern, auch in Deutschland, eingeführt worden.

Seither sollen die neuen Regeln dafür sorgen, dass Seiten mit Qualitätsinhalten weiter oben und solche mit weniger hochwertigen Inhalten weiter unten in der Ergebnisliste platziert werden. Das Update soll eine Sorte Website abstrafen, die man als Content Farm bezeichnet: billige Inhalte, mit denen Suchende auf Werbeangebote gelockt werden. Die Resultate der Aktion waren sofort messbar.

Dabei erwarten Fachleute, dass nicht mehr als sechs bis neun Prozent der Suchanfragen in einer für Anwender spürbaren Weise betroffen sein würden. Die Suchmaschinenexperten von Searchmetrics und Sistrix haben umgehend analysiert, wie sich Googles Panda-Update auf die Platzierung von Web-Seiten in den deutschen Google-Suchergebnissen auswirkt.

Mehr Verlierer als Gewinner?

Sie stellten jeweils ein Gewinner- und Verlierer-Ranking auf. In absoluten Zahlen heißen die größten Verlierer bei Searchmetrics ciao.de, gutefrage.net und dooyoo.de. Ihre Sichtbarkeit bei Google hat demnach um 56 bis 65 Prozent nachgelassen. Sistrix kommt zu etwas anderen Ergebnissen, sieht kelkoo.de (minus 86 Prozent) und alatest.de (minus 70 Prozent) als die größten Verlierer.

Doch wo es Verlierer gibt, muss es auch Gewinner geben. Vor allem Nachrichten-Web-Seiten profitieren von der neuen Sortierung bei Google, werden jetzt in den Suchergebnissen weiter vorn aufgelistet. Ebenso wurden Info-Portale und Facebook in den Ergebnislisten kräftig aufgewertet. Insgesamt, so die Suchmaschinenexperten, decken sich diese Erkenntnisse mit den Entwicklungen, die man schon bei der Einführung des Panda-Updates in den USA und Großbritannien beobachten konnte. Auffällig ist allerdings, dass die Verluste der Verlierer insgesamt stärker ausfallen als die Zugewinne der Aufsteiger.

Nachholbedarf

Abzuwarten bleibt letztlich, inwieweit sich das Update jetzt nicht nur mess-, sondern auch fühlbar auf die Qualität der Suchergebnisse auswirkt. Denn was die angeht, attestieren die Marktforscher von Experian Hitwise Nachholbedarf. Einer aktuellen Hitwise-Studie zufolge kommen Microsofts Bing und Yahoo zwar nur auf einen Anteil von 28,05 Prozent am amerikanischen Suchmaschinenmarkt. Ihre Trefferquote soll jedoch weit höher als die von Google sein.

Demnach hatte Bing im Juli 2011 eine Erfolgsrate von 80,04 Prozent, die von Yahoo mit 81,36 sogar noch übertroffen wurde. Erfolgsrate heißt hier, dass die Nutzer einen der von der Suchmaschine angebotenen Links anklickten. Googles Erfolgsrate habe dagegen nur bei mageren 67,56 Prozent gelegen, schreiben die Marktforscher.

Die zehn größten Verlierer durch Googles Panda-Update
Domain Verlust in Prozent Verlust in Punkten Sichtbarkeitsindex vorher Sichtbarkeitsindex nachher
gutefrage.net 46% 204,72 444,65 239,92
ciao.de 51% 202,38 399,53 197,15
dooyoo.de 55% 122,49 221,44 98,95
wer-weiss-was.de 52% 103,43 199,75 96,32
123people.de 38% 72,02 190,10 118,09
ebay.de 7% 66,74 907,97 841,23
preisroboter.de 44% 60,35 138,33 77,98
hotfrog.de 49% 54,90 113,03 58,14
yasni.de 30% 40,96 134,32 93,36
suite101.de 59% 37,96 64,17 26,20
Alle Angaben laut sistrix.de

Meu

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1.
Muddern 15.08.2011
Facebook als Gewinner. Klasse. Soviel zu Thema "Qualität"...
2. Auf Thema antworten
sunhaq 15.08.2011
Zitat von MuddernFacebook als Gewinner. Klasse. Soviel zu Thema "Qualität"...
Warum sollte ein extrem beliebtes Angebot mit vielen eigenen Inhalten nicht einer der Gewinner sein? Kann es sein, daß Sie nicht verstanden haben, was das Ziel des Panda-Updates war?
3. Ciao.de abzuwerten, hat mit Qualität nichts zu tun
klp 15.08.2011
Ciao ist womöglich das beste Portal, wenn es um Erfahrungsberichte zu alltäglichen Produkten geht. Teilen der Wirtschaft ist das natürlich nicht so angenehm, wenn ihre Produkte teilweise kritische oder gar schlechte Userbewertungen erhalten. Hinter der Abwertung scheint mir daher eher eine kommerzfreundliche Politik zu stecken, als das vorgeschobene Bemühen um bessere Qualität.
4. eher nicht
blowup 15.08.2011
Zitat von klpCiao ist womöglich das beste Portal, wenn es um Erfahrungsberichte zu alltäglichen Produkten geht. Teilen der Wirtschaft ist das natürlich nicht so angenehm, wenn ihre Produkte teilweise kritische oder gar schlechte Userbewertungen erhalten. Hinter der Abwertung scheint mir daher eher eine kommerzfreundliche Politik zu stecken, als das vorgeschobene Bemühen um bessere Qualität.
Eher nicht. Meine Erfahrungen mit ciao sind schlecht. Kein Vergleich zu den Bewertungen bei amazon. Sowohl was die Quantität als auch die Qualität der Bewertungen angeht.
5. ciao.de
einszweidrei 15.08.2011
Zitat von klpCiao ist womöglich das beste Portal, wenn es um Erfahrungsberichte zu alltäglichen Produkten geht. Teilen der Wirtschaft ist das natürlich nicht so angenehm, wenn ihre Produkte teilweise kritische oder gar schlechte Userbewertungen erhalten. Hinter der Abwertung scheint mir daher eher eine kommerzfreundliche Politik zu stecken, als das vorgeschobene Bemühen um bessere Qualität.
Das Problem bei ciao.de ist, dass man auch auf deren Seite gelotst wird, wenn die gar keinen Test des betreffenden Produkts anbieten. Dann wird zwar das Produkt erwähnt, aber es gibt keine Erfahrungsberichte von Kunden, sondern nur kommerzielle Links zu anderen Webangeboten oder die Produktseite des Herstellers. Beispiel: Such mal in Google.de site:ciao.de harley-davidson night rod special Man bekommt erst einmal eine Latte von Kleinanzeigen, und die sich danach anschließenden Tests sind alle nicht von diesem Modell.
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Zum Autor
Richard Meusers sitzt im Garten und sieht seinen Blumen beim Wachsen zu. Ansonsten hat er ein Auge auf Digitales und Mediales.


Marktanteile der Tech-Riesen
Suchmaschinen (Desktop)
Google 75,68%
Baidu 11,95%
Yahoo 5,92%
Bing 4,24%
Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Suchmaschinen (Mobil)
Google 88,35%
Yahoo 6,63%
Baidu 3,34%
Bing 1,08%
Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Browser (Desktop)
Microsoft Internet Explorer 58,35%
Firefox 23,72%
Chrome (Google) 11,50%
Safari (Apple) 4,15%
*weltweiter Marktanteil, erhoben auf der Webbrowser-Angabe, Stand: Januar 2012, Quelle: Net Applications
Browser (Mobil)
Safari (Apple) 54,03%
Opera Mini 21,42%
Android Browser 12,74%
Symbian 6,89%
*weltweiter Marktanteil, erhoben auf der Webbrowser-Angabe, Stand: Januar 2012, Quelle: Net Applications
Betriebssysteme (Desktop)
Windows 91,92%
Mac 6,92%
Linux 1,16%
*weltweit, erhoben auf der Webbrowser-Angabe zum user-agent Stand: Februar 2012, Quelle: Net Applications
Betriebssysteme (Mobil)
Android (Google) 49,7
iOS (Apple) 30,1
Symbian 6,9
RIM 2,1
Nokia 1,8
andere 9,4
Marktanteil an Smartphone-Betriebsystemen im März 2011 in Deutschland (%). Quelle: InMob Mobile Insights, Basis der Auswertung sind 518,7 Millionen inMobi-Werbeeinblendungen auf Mobilgeräten in Deutschland im März 2011 und 470,3 Millionen Werbeeinblendungen im Januar
Werbung
Umsatz gesamt* Umsatz Google* Anteil Google (in %)
Internet 72,842 36,531 50,15
Magazine 43,122 0
TV 184,29 0
Zeitungen 91,495 0
gesamt 458,385 36,531 7,97
*Werbeumsätze 2011, weltweit in Mrd. Dollar, veröffentlicht von ZenithOptimedia 15. März 2012, Googles Werbeumsatz im Jahr 2011
Webnutzer
Angebot Unique Visitors (Mio.) Ø-Stunden
Webnutzer gesamt 366,8 26,75
Google 333,4 3.,14
Microsoft 270,8 3,22
Facebook 240,0 5,43
Wikimedia 161,3 0,22
Yahoo 141,0 1,23
eBay 107,6 0,99
Amazon 91,4 0,27
Top 30 Online Portale in Europa nach Gesamtzahl der Unique Visitors. Mai 2011, Internetnutzer in Europa, Alter 15+, Zuhause und am Arbeitsplatz; Quelle: comScore Media Metrix
Google
Der Konzern
Google wurde 1998 von den Studenten Sergey Brin und Larry Page gegründet und ging ein Jahr später online. 2010 machte die Firma mit ihren rund 20.000 Angestellten einen Umsatz von mehr als 29 Milliarden Dollar. Unterm Strich blieben davon 8,5 Milliarden Dollar als Gewinn übrig. Die dominierende Stellung im Markt für Online-Werbung sorgt für ein attraktives Geschäftsmodell, birgt aber auch die Gefahr der extremen Abhängigkeit von nur einer Ertragsquelle. Immerhin 96 Prozent der Einnahmen erzielte Google im vergangenen Jahr mit Werbung.
Die Geschäftsfelder
Google hat im Laufe der Jahre zahlreiche Unternehmen übernommen - so etwa 2006 die Videoplattform YouTube und 2007 den Online-Vermarkter Doubleclick. Gleichzeitig hat die Firma ihre Geschäftstätigkeit auch selbst ausgebaut, zum Beispiel mit dem Dienst Google Street View oder dem E-Mail-Anbieter Google Mail.

Produkte, die Google nie veröffentlichen wollte

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