Panne im Überwachungszentrum Stromschwankungen bringen NSA-Technik zum Schmelzen

Der US-Geheimdienst NSA kann sein neues, milliardenteures Rechenzentrum in Utah nicht in Betrieb nehmen. Laut "Wall Street Journal" gibt es massive technische Probleme: Immer wieder treten Stromschwankungen auf, die sogar Metall zum Schmelzen bringen.

AP

New York - Der US-Geheimdienst NSA bekommt die Servertechnik in seinem neuen Rechenzentrum offenbar nicht in den Griff. Die Anlage im Bundesstaat Utah werde von Stromschwankungen geplagt, die sogar Metall zum Schmelzen brächten, berichtet das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Projektdokumente und Regierungsbeamte.

Ein Beamter habe die Stromstöße als "Blitz in einer 60-Zentimeter-Kiste" beschrieben. In den vergangenen 13 Monaten habe es zehn davon gegeben. Die Probleme hätten Technik für Hunderttausende Dollar vernichtet und die Eröffnung des Rechenzentrums um rund ein Jahr verzögert.

Das Rechenzentrum sollte eigentlich in diesem September in Betrieb gehen - das hatte 2012 das US-Magazin "Wired" berichtet. Wegen der Geheimhaltung der NSA ist öffentlich nicht einmal bekannt, ob die milliardenschwere Anlage überhaupt wie geplant in Betrieb ging. Der Bericht des "Wall Street Journal" ist der erste konkrete Hinweis auf technische Probleme und Verzögerungen.

Wie viel das Rechenzentrum die Geldgeber der US-Regierung gekostet hat, ist unklar. Im Sommer kursierten in US-Medien diverse Summen: Auf 1,5 bis zwei Milliarden Dollar wurden die Baukosten geschätzt, das "WSJ" spricht jetzt von 1,4 Milliarden Dollar - dazu kämen aber noch die Hardware-Kosten für die Cray-Supercomputer, die das Zentrum schließlich beherbergen soll.

Eine NSA-Sprecherin sagte dem "Wall Street Journal", dass es in der Testphase technische Probleme gegeben habe, die aber inzwischen eingedämmt seien. Rechenzentren sind notorische Stromfresser - vor allem die Kühlung der Computer erfordert viel Aufwand.

Je nach Quelle wollen US-Medien herausgefunden haben, dass der Bau nach Fertigstellung 100.000 bis 150.000 Quadratmeter Fläche für Server bietet. 65 Megawatt Strom soll die Anlage fressen und 4500 Liter Kühlwasser pro Minute brauchen. Die Energiekosten sollen mehr als eine Million Dollar pro Monat betragen.

Der Autor auf Facebook

lis/dpa

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 96 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ynnus 08.10.2013
1. optional
Bei den Kosten (1 mio. Energiekosten pro Monat) braucht man sich nicht wundern, dass die USA gerade pleite sind. Es wird panisch in vermeintliche Sicherheit investiert und der Rest bleibt auf der Strecke. Peinlich, dass sogar die Websites großer US-Organisationen wie der NIST oder NASA offline sind.
citi2010 08.10.2013
2.
Zitat von sysopAPDer US-Geheimdienst NSA kann sein neues, milliardenteures Rechenzentrum in Utah nicht in Betrieb nehmen. Laut "Wall Street Journal" gibt es massive technische Probleme: Immer wieder treten Stromschwankungen auf, die sogar Metall zum Schmelzen bringen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/pannen-im-ueberwachungszentrum-a-926622.html
Wer es bisher nicht verstanden hat der kann es hier sehen: es geht nicht um Sicherheit, sondern - ebenso wie bei dem völlig überhöhtem Militärbudget - darum, dass sich Firmen wie Halliburton das Geld des Steuerzahlers mit no-bid contracts und mafiösen Margen unter den Nagel reissen und davon ohne Aufsicht zehren. Das ist im Grossen nichts anderes als im Kleinen all die Alarmanlagen die vielen Menschen für unglaubliches Geld aufgeschwätzt werden und nicht gebraucht werden.
yarx 08.10.2013
3. Augenblick mal!
Wen meinen Sie mit "die Geldgeber der US-Regierung"??? Sind das nicht die Steuerzahler? Merkwürdige Ausdrucksweise oder gibt da wer Geld, der die Regierung nur zum Teil repräsentiert?
Desconocido 2 08.10.2013
4. Der Ausbau schafft denen Probleme?
Na dann dürfte Verschlüsseln scheinbar doch was bewirken. Zumindest wenn es genug Menschen machen. Ich vermute umso aufwändiger deren Versuch der Komplettüberwachung wird, umso teurer ,und damit für uns alle besser, wird es. Gut so. Ich hoffe dieser Artikel zeigt wie wichtig es für uns alle ist denen diese Sauerei so schwer wie möglich zu machen. Leute verschlüsselt was ihr verschlüsseln könnt. Damit macht ihr es denen schwerer und ihr schützt die Menschen die wirklich darauf angewiesen sind ihre Daten zu verschlüsseln. Erstens weil sie dann in der Masse nicht mehr so deutlich auffallen und zweitens weil nicht mehr so viel Rechenleistung zur Verfügung steht. Allerdings sollte man darauf achten eine vernünftige Verschlüsselung zu nutzen und nicht eine für die die NSA sowieso die Schlüssel entwickelt hat.
greekchimera 08.10.2013
5. Effiziente Idee, aber nicht smart genug für die Amis
nur so eine Frage an die Amerikaner. Utah ist doch sicherlich ein Sonnenstaat. Wäre es nicht effizienter einfach das Dach mit Solarpanel zu bestücken und so die mtl. Energiekosten drücken. Auch könnte man so die Schwankungen durch reguläre Stromeinspeisungen ausgleichen
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.