Papst-TV Vatikan startet eigenen YouTube-Kanal

Papst Benedikt XVI. und der Vatikan wagen den Schritt ins Internet: Ab sofort ist katholische Kirchenoberhaupt mit einem eigenen Kanal auf YouTube präsent. In einer Botschaft warnte der Papst jedoch vor "obsessiver" Nutzung von Online-Netzwerken - sie könnten einsam machen.


Rom - Seit Freitag spricht das katholische Kirchenoberhaupt auch über die Online-Video-Plattform YouTube zu seinen Anhängern: Der Vatikan hat einen eigenen Internet-Kanal gestartet. Erste Video-Clips zeigen Joseph Ratzinger mit Ausschnitten seiner Weihnachtsbotschaft und zum Weltfriedenstag am 1. Januar sowie mit seiner Sicht zum Nutzen der Medien für den Frieden im "digitalen Zeitalter". Täglich sollen ein bis drei Clips dazukommen.

Vatikan-Seite auf YouTube: "Der Papst ist ein Mann des Dialogs"
DPA

Vatikan-Seite auf YouTube: "Der Papst ist ein Mann des Dialogs"

Der werbefreie Kanal der katholischen Kirche solle es Millionen Menschen weltweit erlauben, sich direkt und möglichst aktuell über die Aktivitäten des Papstes zu informieren, erläuterte Vatikan-Pressechef Federico Lombardi in Rom.

Clips und Texte des Papstes oder des Vatikans werden in Englisch, Spanisch, Deutsch und Italienisch angeboten. Die Besucher des Kanals können auch Kommentare zu den Präsentationen abgeben. Der Papst sei "ein Mann des Dialogs" und habe den YouTube-Kanal ausdrücklich gebilligt.

"Facebook macht einsam"

In einer Botschaft zum Weltkommunikationstag am Freitag nannte Benedikt Online-Netzwerke wie Facebook und MySpace ein Geschenk, das der "grundlegenden Sehnsucht" der Menschen nach Kommunikation entgegenkomme. Sie könnten Freundschaften und Verständnis fördern, bei "obsessiver" Nutzung aber auch einsam machen, so der Papst.

Benedikt lobte zugleich das "außerordentliche Potential" der neuen Technologien, wenn sie dazu genutzt würden, Solidarität zu fördern. Entwürdigende Bilder und Texte oder solche, die Hass und Intoleranz verstärkten und Menschen sexuell ausbeuteten, sollten aber keinen Platz im Cyberspace haben.

Der neue Internet-Kanal wird von Radio Vatikan und dem Vatikan-Fernsehen CTV bestückt. Das Angebot sei ein konkretes Beispiel für das Bedürfnis des Vatikans, die Sprache und Kommunikationsmittel der heutigen Zeit zu nutzen, "um ein weltweites Publikum unabhängig von Nationalität und Kultur zu erreichen", erklärte Pressesprecher Lombardi weiter.

"Wir freuen uns, dass unsere Nutzer Zugang zu den Worten des Papstes zu wichtigen aktuellen Themen haben", sagte Henrique de Castro von der YouTube-Direktion in Europa. Für den Kanal werde dem Vatikan nichts in Rechnung gestellt. Die Nachrichtenclips haben eine Länge von ein bis zwei Minuten. Zu kirchlichen Großereignissen sollen auch längere Beiträge im Originalton auf dem Kanal verbreitet werden.

amz/dpa/AP



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