Parteitag in Neumünster Piraten warnen Journalisten vor Hacker-Attacken

"Bitte beachten Sie, dass Sie es mit Hackern zu tun haben": In einer E-Mail warnt die Piratenpartei Journalisten, die am Wochenende vom Parteitag berichten wollen. Die Medienvertreter sollten besser verschlüsselte Verbindungen nutzen - traut die Partei den eigenen Mitgliedern nicht?

Laptop mit Piraten-Aufkleber: "Bitte überprüfen Sie ihre Sicherheitseinstellungen"
dapd

Laptop mit Piraten-Aufkleber: "Bitte überprüfen Sie ihre Sicherheitseinstellungen"


Die Piratenpartei warnt vor ihren eigenen Mitgliedern: Den Pressevertretern, die sich zum Parteitag an diesem Wochenende in Neumünster angemeldet haben, wurde in einer E-Mail der Einsatz verschlüsselter Internetverbindungen empfohlen. Denn im Funknetz, das auf dem Piratentreffen zur Verfügung gestellt wird, könnten Hacker lauern. Hacker von der Piratenpartei:

"Bitte beachten Sie, dass Sie es bei Teilnehmern am Bundesparteitag zum Teil mit erfahrenen 'Hackern' zu tun haben. Versuche, über die (Funk-)Netzwerkverbindungen in andere Rechner einzudringen, sind möglich."

So steht es in der E-Mail an die Journalisten. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, sagt Piraten-Sprecherin Anita Möllering. "Es gibt für diese Warnung keinen konkreten Anlass." Allerdings habe man in der Partei durchaus Mitglieder, die entsprechende Fähigkeiten hätten - und man könne nicht für jeden Einzelnen garantieren. "Aber wir haben de facto in den vergangenen Jahren keinen einzigen Fall gehabt, wo jemand diese Fähigkeit eingesetzt hätte", sagt Möllering.

Jedenfalls nicht gegenüber Journalisten. Auf einem vergangenen Parteitag soll allerdings ein Pirat den Datenverkehr anderer Piraten im W-Lan mitgeschnitten haben - von diesem Gerücht hat auch Möllering gehört. Sie betont aber, ihr sei von Spähangriffen auf Pressevertreter nichts bekannt. "Wir wollten den Journalisten einfach einen allgemein gültigen Hinweis zur Internetsicherheit geben", sagt Möllering. "Genau denselben Hinweis könnten auch andere Parteien geben."

Gut gemeinter Hinweis

Das stimmt allerdings: Wer sich in öffentliche Funknetze einklinkt und nicht genau weiß, wer noch alles in dem W-Lan unterwegs ist, sollte dringend auf sichere Verbindungen achten. Denn Nachrichten oder Passwörter, die ohne Verschlüsselung verschickt werden, können von anderen Teilnehmern desselben Funknetzes mitgeschnitten werden. Viele Seiten bieten glücklicherweise verschlüsselte Verbindungen an, zu erkennen über ein "https" in der Adresszeile, die sich nur mit sehr hohem Aufwand kompromittieren lassen.

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte am Flughafen, am Café oder in der Uni Funkverbindungen nur über einen VPN-Zugang nutzen, um ins Internet zu gehen. Dabei verbindet man sich über eine verschlüsselte Verbindung mit einem Server im Web, über den dann die Verbindungen ins Internet laufen. Die anderen W-Lan-Nutzer und der Betreiber des Netzes sehen dann nur eine verschlüsselte Datenverbindung. Darauf weist auch die Piratenpartei in ihrer E-Mail hin:

"Bitte überprüfen Sie ihre Sicherheitseinstellungen entsprechend und nutzen Sie verschlüsselte Verbindungen (z.B. https oder VPN) beim Surfen im Internet. Wir können nicht für alle unsere Mitglieder bürgen und können Ihnen keine sichere Übertragung sensibler Daten garantieren."

Ein wichtiger Ratschlag, der so in jeder Computerzeitschrift stehen könnte. Nur dass es in diesem Fall so aussieht, als würden die Piraten ihren eigenen Mitgliedern nicht trauen. Darauf angesprochen sagt Parteisprecherin Möllering: "Wenn uns das jetzt negativ ausgelegt werden sollte, dann wäre das schade."

ore



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Konradii 26.04.2012
1. Historische Vergleiche
Zitat von sysopdapd"Bitte beachten Sie, dass Sie es mit Hackern zu tun haben": In einer E-Mail warnt die Piratenpartei Journalisten, die am Wochenende vom Parteitag berichten wollen. Die Medienvertreter sollten besser verschlüsselte Verbindungen nutzen - traut die Partei den eigenen Mitgliedern nicht? http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,830003,00.html
Hat nicht letztens "ein Pirat" die Wahlerfolge der Piraten mit einer Partei aus dem Dritten Reich verglichen!? Dann haben wir ja beim Thema Pressefreiheit schon die nächste Parallele!
MiniDragon 26.04.2012
2. Hacker von der Piratenpartei !
igittigit was sind das nur für Typen diese Piraten! Fällt diesen SPON- Journalisten nix besseres mehr ein, womit sie die Piratenpartei noch etwas diffamieren könnten? Zu spät! Mein Briefwahlcouvert ist schon in der Post.
OliverSch 26.04.2012
3.
Zitat von sysopdapd"Bitte beachten Sie, dass Sie es mit Hackern zu tun haben": In einer E-Mail warnt die Piratenpartei Journalisten, die am Wochenende vom Parteitag berichten wollen. Die Medienvertreter sollten besser verschlüsselte Verbindungen nutzen - traut die Partei den eigenen Mitgliedern nicht? http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,830003,00.html
Ich finde es heftig das eine "Partei" vor den eigenen Mitgliedern warnt bzw. warnen muss. Das das Ausspionieren auch eine Straftat ist sollte auch den Piraten bewußt sein.
klappertopf 26.04.2012
4.
Die Hacker sind doch letztlich doch Demimonde-Figuren.
kittekatz 26.04.2012
5.
Zitat von MiniDragonigittigit was sind das nur für Typen diese Piraten! Fällt diesen SPON- Journalisten nix besseres mehr ein, womit sie die Piratenpartei noch etwas diffamieren könnten? Zu spät! Mein Briefwahlcouvert ist schon in der Post.
Den Spon-Journalisten muss gar nichts einfallen, weil entgegen ihrer psychedelischen, paranoiden Welt diese Nachricht nicht von den Spon-Journalisten erfunden wurde. Hier wurde lediglich über eine Begebenheit berichtet, wie man das in einem Land mit Pressefreiheit nunmal macht, auch wenn ihnen das scheinbar nicht passt. Und im Übrigen wurde hier auch erstaunlich neutral über das Thema berichtet. Denn eigentlich bietet diese Meldung sehr viel Material um das den Piraten negativ anzulasten und das so ordentlich auszuschlachten. Wurde hier nicht gemacht, also bei aller Liebe zu Journalismus-Kritik... aber kommen sie mal wieder runter!
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