Partnertausch Amazon gibt Google den Laufpass

Wer die Websuche beherrscht, genießt höchstes Renommee: Microsoft bemüht sich seit Jahren, den Erzrivalen Google auf diesem Markt auszustechen. Jetzt gelang MS ein publikumswirksamer Coup: Ab sofort wird Microsofts "Windows Live"-Software hinter der A9-Websuche von Amazon stehen.


Es gibt Nachrichten, die die Web-Welt nicht verändern, aber trotzdem relevant sind: Dass es Microsoft gelang, Google den Großkunden Amazon abzujagen, gehört einwandfrei dazu. Bereits seit dem Wochenende versteckt sich hinter Amazons A9-Suchdienst eine Microsoft-MSN-Software, wo vorher Google "tickte".

Suchdienst A9: Außen Amazon, innen Microsoft

Suchdienst A9: Außen Amazon, innen Microsoft

Die Marktanteile im Web wird das nicht merklich verändern: Amazons einst mit großem Tamtam angekündigte Web-Suche A9.com ist eine weitgehend unbekannte Minderheiten-Veranstaltung, die in den weltweiten Nutzungsvergleichen der Suchdienste im prozentualen Bereich nicht erfasst wird. Doch der Schritt hat Symbolcharakter: Mit der zu "Windows Live" unbenannten neuen MSN-Suche probt Microsoft den Aufstand gegen Marktführer Google. Zumindest das Management von Amazon konnten die Redmonder von den Vorteilen ihrer neuen Web-Suche schon einmal überzeugen.

Die MSN-Software Windows Live biete eine "sehr interessante, starke Internet-Suchoption", sagte A9-Chef Davin Tennenhouse der Nachrichtenagentur Reuters am Montag. Amazon habe die Suchfunktionen von Google am Wochenende von seiner Internetseite entfernt, nachdem der Vertrag ausgelaufen sei. Über Einzelheiten zum Vertrag mit Microsoft machte Tennenhouse keine Angaben.

Microsoft feiert den frischen Vertrag als Gelegenheit, mehr Menschen mit Windows Live vertraut zu machen. Das hat das ambitionierte Projekt auch nötig, denn der Marktanteil von Microsofts Suchdiensten befindet sich weiter im Sinkflug. In den USA schätzen Marktforschungsunternehmen für MSN noch einen Anteil von 7,5 bis 11 Prozent. Google hingegen steigert seinen Marktanteil weiter und liegt in den USA mit 49 Prozent Anteil am Gesamtmarkt deutlich vor allen Konkurrenten. In Europa und insbesondere Deutschland liegt dieser Prozentsatz noch weit höher.

Die eigentliche Relevanz der Nachricht liegt aber nicht in Marktanteilen, sondern in der Symbolik des Schrittes an sich: Marktbeobachter werten den Partnerwechsel als Zeichen für eine "Frontstellung" gegen Google. Immer mehr auch prominente Unternehmen nähmen das zum Suchgiganten angewachsene Ex-Startup als Konkurrenten wahr. Wenige Tage vor Amazons A9 vollzog auch der Traffic-Analysedienst Alexa.com - eine Tochterfirma von Amazon - den gleichen "Partnertausch" von Google zu Microsoft.

pat/rts



© SPIEGEL ONLINE 2006
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.