Patentstreit: "Boykottiert Amazon.com"
Amazon.com verteidigt seine E-Commerce-Technologien notfalls vor Gericht. Damit hat sich das Unternehmen keine Freunde gemacht: Nun haben Internet-Aktivisten wie der Open-Source-Pionier Richard Stallman zum Streik gegen den Online-Buchhändler aufgerufen.
Internet-Aktivist Stallman: "Boykottiert Amazon.com!"
Im Internet wächst der Unmut über den Marktführer im Online-Buchhandel: In einem Aufruf auf "Linux Today" forderte der Präsident der Free Software Foundation, Richard Stallman, am Montag sogar zum Boykott des Online-Buchhändlers auf. Mit seinem Appell steht der Open-Source-Guru nicht allein. Auch Noamazon.com hat dem Online-Buchhändler den Krieg erklärt. Auf der Website werden Amazon.com-Kunden angehalten, dem Unternehmen per E-Mail die Treue aufzukündigen und beim Online-Kauf auf konkurrierende Anbieter zurückzugreifen.
Grund für die Amazon-Antipathie ist der eifersüchtige Umgang des Unternehmens mit der so genannten Ein-Klick-Technologie, die es seit 1997 einsetzt. Mit diesem Verfahren kann der registrierte Kunde seine Einkäufe mit einem einfachen Mausklick tätigen, statt jedesmal alle persönlichen Daten und Kreditkarteninformationen aufs Neue in ein Bestellformular eingeben zu müssen.
Nachdem sich Amazon.com im September das US-Patent für die Software-Technologie gesichert hatte, verklagte es seinen Rivalen Barnesandnoble.com, der seit 1998 auf seinen Seiten ein ähnliches Verfahren angewandt hatte - und bekam Recht. Nach Ansicht von Amazon.com ist die Technologie geistiges Eigentum des Unternehmens: "Amazon.com hat tausende von Stunden in das Ein-Klick-Verfahren investiert", erklärte Amazon-Chef Jeff Bezos nach dem Gewinn des Rechtstreites.
Kritiker wie Stallman sehen dagegen in dem Prozess den Auftakt für eine neue Welle von Patentklagen und eine Gefahr für den freien Online-Handel. Stallman wirft Amazon.com vor, mit dem Ein-Klick-Verfahren eine grundlegende Technologie monopolisieren zu wollen, die so selbstverständlich ist wie eine Kreditkarte. "Das Patent gibt Amazon.com Macht über jeden, der in den USA eine Website betreibt - die Macht, jeden Einsatz dieser Technologie zu kontrollieren." Gleichzeitig kritisierte Stallman das US-Patentamt, das seiner Meinung nach bei der Patentanmeldung zu niedrige Maßstäbe anlegt.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
© SPIEGEL ONLINE 1999
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Dienstag, 14.12.1999 – 20:01 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Richard Stallman: Boycott Amazon!
- Free Software Foundation (FSF)
- Noamazon.com
- Amazon.com
- Barnesandnoble.com
für die Inhalte externer Internetseiten.
MEHR AUS DEM RESSORT NETZWELT
-
Best of Web
Netz-Fundstücke: Was Sie im Internet unbedingt sehen müssen -
Silberscheiben
Das lohnt sich: Die besten CD- und DVD-Schnäppchen -
Bilderwelten
Bessere Fotos: So holen Sie ganz einfach mehr aus Ihren Bildern raus -
Angefasst
Gadget-Check: Handys und anderes Spielzeug in Matthias Kremps Praxistest -
Angespielt
Game-Tipps: Spiele für Computer und Konsole im SPIEGEL-ONLINE-Test
