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Paul Bloom "Wie liebenswürdig die Menschen sein können"

Psychologe Bloom: "Jemand hat im Internet etwas Falsches geschrieben"Zur Großansicht
Sigrid Estrada

Psychologe Bloom: "Jemand hat im Internet etwas Falsches geschrieben"

Das Netz ist netter als man gemeinhin glaubt, sagt der Psychologe und Autor Paul Bloom. Allgegenwärtiges Wissen galt vor einigen Jahren noch als technische Herausforderung. Die Umsetzung aber haben Menschen erledigt, die ihr Wissen großzügig teilen.

Als Junge liebte ich die Science-Fiction-Vorstellung von einer Maschine, die jede Tatsachenfrage beantworten konnte. Es hätte ein freundlicher Roboter oder eine Kiste aus Metall bei Ihnen zu Hause oder eine der Komponenten eines Raumschiffs sein können. Man würde einfach fragen "Computer, wie weit ist der Mars entfernt?" oder "Computer, ordne die amerikanischen Präsidenten ihrer Größe nach an", und eine klanglose Stimme würde sofort antworten.

Im Augenblick besitze ich mehrere solche Maschinen, darunter ein iPhone, das in meine Hosentasche passt, und alle greifen auf Informationen im Internet zu. (Enttäuschenderweise kann ich mit keiner dieser Maschinen wirklich sprechen - die Science-Fiction-Autoren waren in dieser Hinsicht zu optimistisch.) Die große Überraschung besteht jedoch darin, dass ein Großteil dieser Informationen nicht von Unternehmen, Regierungen oder Universitäten zusammengestellt wird, sondern dass sie von freiwilligen Helfern kommen. Wikipedia ist das am besten bekannte Beispiel mit seinen Millionen von Artikeln, die von Millionen freiwilliger Redakteure geschrieben werden. Aber es gibt auch andere beliebte Websites, wie z. B. Amazon.com und TripAdvisor.com, die unzählige unbezahlte und anonyme Rezensionen enthalten.

Warum spenden Menschen nützliche Informationen?

Man hat sich die Frage gestellt, ob diese Informationen korrekt sind (Antwort: meistens schon), aber mich interessiert eher ihre bloße Existenz. Betrüger, Leute, die für sich selbst Werbung machen wollen, und Leute, die hasserfüllt sind, überraschen mich eigentlich nicht. Aber warum geben Menschen ihre Zeit und Energie dafür hin, anonym korrekte und nützliche Informationen zu spenden? Schließlich legen wir ja auch keine 20-Dollar-Noten in den Briefkasten von Fremden; warum geben wir ihnen dann aber unsere Zeit und unser Fachwissen? Kommentare zu Blogs stellen ein ähnliches Rätsel dar, das in dem klassischen xkcd-Cartoon schön zum Ausdruck kommt, in dem jemand wie wild in die Tastatur tippt; als sie gebeten wird, ins Bett zu kommen, sagt die Person: "Ich kann nicht. Das ist etwas Wichtiges... Jemand hat im Internet etwas Falsches geschrieben."

Anscheinend ruft das Internet dieselben sozialen Impulse hervor, die auch bei Interaktionen von Angesicht zu Angesicht vorkommen. Wenn sich jemand verirrt hat und Sie nach dem Weg fragt, werden Sie wahrscheinlich nicht ablehnen zu antworten oder lügen. In den meisten wirklichen sozialen Kontexten ist es ganz natürlich, dass man seine Meinung über Bücher oder Filme äußert, die man mag, oder dass man das Wort ergreift, wenn es um etwas geht, worüber man viel weiß. Das Anbieten von Informationen im Internet ist die Fortsetzung dieses alltäglichen Altruismus. Es illustriert das Ausmaß der menschlichen Großzügigkeit in unserem Alltagsleben und zeigt auch, wie die Technik diesen positiven menschlichen Zug durch wirklich nutzbringende Ergebnisse fördern und erweitern kann. Man hat schon lange gesagt, dass uns das Web klüger macht; es macht uns auch liebenswürdiger.

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insgesamt 3 Beiträge
taun 21.09.2011
Derer Artikel brauchen wir viel viel mehr, hier sind die wirklichen Werte, die uns in Zukunft relevant voran bringen werden, nur wer vergleichend Werte der Aufklärung und sogar noch viel ältere Werte der Meschheit des [...]
Zitat von sysopDas Netz ist netter als man gemeinhin glaubt, sagt der Psychologe und Autor Paul Bloom. Allgegenwärtiges Wissen galt vor einigen Jahren noch als technische Herausforderung. Die Umsetzung aber haben Menschen erledigt, die ihr Wissen großzügig teilen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,784936,00.html
Derer Artikel brauchen wir viel viel mehr, hier sind die wirklichen Werte, die uns in Zukunft relevant voran bringen werden, nur wer vergleichend Werte der Aufklärung und sogar noch viel ältere Werte der Meschheit des geteilten Wissens parat hat, weis zu welchen enormen Vorteilen und diese Werte verhelfen können. Dies Werte gilt es somit gegen kommerzialisierungsvertreter zu verteidigen, oder würden Sie in eine Bibliothek gehen, bei der SIe jedesmal 150,-€ Eintritt zahlen müssen?
arbol01 21.09.2011
Ich weiß nicht, vielleicht bin ich ja die Ausnahme, aber eine Motivation, waurm ich Wissen mit anderen teile ist auch, weil ich sonst "platze". Mir machen Dinge spaß, und deswegen will ich sie auch mit anderen teilen. [...]
Zitat von sysopDas Netz ist netter als man gemeinhin glaubt, sagt der Psychologe und Autor Paul Bloom. Allgegenwärtiges Wissen galt vor einigen Jahren noch als technische Herausforderung. Die Umsetzung aber haben Menschen erledigt, die ihr Wissen großzügig teilen. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,784936,00.html
Ich weiß nicht, vielleicht bin ich ja die Ausnahme, aber eine Motivation, waurm ich Wissen mit anderen teile ist auch, weil ich sonst "platze". Mir machen Dinge spaß, und deswegen will ich sie auch mit anderen teilen. Das gilt übrigens für viele Dinge: Der Maler will, das die Leute seine Kunstwerke sehen, der Komponist will seine Kompsitionen gespielt haben, der Dichter seine Werke gelesen. Nicht das Geld ist die treibende Kraft, sondern der Wunsch wahrgenommen zu werden. Mir ist es dabei egal, ob mein Name dabei in Verbindung gebracht wird. Wichtig ist, das ich Wissen weitergebe, und meinen Standpunkt. Das schlimmste, was man jemanden antun kann ist, ihn daran zu hindern, das er das was sich binb ihm entwickelt, der Umwelt weiterzugeben. Ein Komponist, der seine Ideen nicht aufschreiben kann oder darf, der nicht mit anderen Menschen kommunizieren darf, würde verrückt werden. So alle anderen Menschen auch.
hollo 28.09.2011
Ja, genau so geht es mir auch - ich kann einfach nicht anders. geteilte Freude ist doppelte Freude und geteilte Infomation ist doppelte Information.
Zitat von arbol01Ich weiß nicht, vielleicht bin ich ja die Ausnahme, aber eine Motivation, waurm ich Wissen mit anderen teile ist auch, weil ich sonst "platze". Mir machen Dinge spaß, und deswegen will ich sie auch mit anderen teilen.
Ja, genau so geht es mir auch - ich kann einfach nicht anders. geteilte Freude ist doppelte Freude und geteilte Infomation ist doppelte Information.
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Zum Autor
Paul Bloom: Der 1963 geborene Psychologe studierte am Massachusetts Institute of Technology (MIT) und lehrt heute an der Yale University. Er beschäftigt sich mit der Frage, wie Kinder und Erwachsene ihre Umwelt verstehen lernen. Sein neuestes Buch trägt den Titel: "How Pleasure Works: The New Science of Why We Like What We Like".

Gefunden in
  • John Brockman (Hrsg.):
    Wie hat das Internet Ihr Denken verändert?
    Die führenden Köpfe unserer Zeit über das digitale Dasein.

    Deutsche Übersetzung von Jürgen Schröder.

    Fischer Taschenbuch Verlag; 256 Seiten; 10,99 Euro.

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