Prozessbeginn in Regensburg Illegaler Verkauf von Pay-TV-Abos soll Millionenschaden verursacht haben

Mit illegalen Abos soll eine Gruppe Krimineller einen Pay-TV-Sender um fast 17 Millionen Euro Einnahmen gebracht haben. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern "hohe kriminelle Energie" vor.

Einer der Angeklagten im Verhandlungssaal des Landgerichts Regensburg
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Einer der Angeklagten im Verhandlungssaal des Landgerichts Regensburg


Mit dem illegalen Verkauf von Abonnements für Bezahlfernsehen (Pay-TV) sollen fünf Männer einen zweistelligen Millionenschaden verursacht haben. Nun muss sich die Gruppe vor dem Landgericht Regensburg verantworten. Die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg wirft zwei Männern unter anderem Bildung einer kriminellen Vereinigung und Computerbetrug in fast 145.000 Fällen vor, den drei weiteren Anklagten Computerbetrug und das Ausspähen von Daten.

Der Anklage nach entstand dem Pay-TV-Sender ein Schaden in Höhe von knapp 17 Millionen Euro. Die Verteidiger verwiesen zum Prozessauftakt darauf, dass es sich dabei eher um einen erwarteten Betrag, als um einen tatsächlichen handele.

Laut Staatsanwaltschaft müssen die Kunden des illegalen Billig-Abos ebenfalls mit Strafverfolgung rechnen. Es dürfte für sie erkennbar gewesen sein, dass es sich bei den Internetseiten nicht um offizielle Angebote des Fernsehsenders handelte.

Die heute zwischen 33 und 46 Jahre alten Männer richteten den Ermittlungen zufolge Internetseiten ein, über die sie über mehrere Jahre hinweg sogenannte Cardsharing- und IPTV-Angebote verkauften. Dafür bauten sie eine umfangreiche technische und logistische Infrastruktur auf. Die Abonnenten erhielten darüber illegal Zugang zu verschlüsselten Fernsehprogrammen.

1,6 Millionen Euro illegaler Einnahmen

Die beiden Hauptangeklagten sollen zwischen 2012 und 2017 über diverse Internetplattformen insgesamt 12.889 Personen in 143.739 Bezugszeiträumen das für das illegale Cardsharing erforderliche Entschlüsselungssignal zur Verfügung gestellt haben, wie die Generalstaatsanwaltschaft Bamberg schreibt. Die Gruppe soll so etwa 1,6 Millionen Euro illegal verdient haben.

Der Pay-TV-Sender hatte im Sommer 2016 Strafantrag gestellt. Ende November 2017 waren die fünf Verdächtigen festgenommen worden, zwei von ihnen sitzen noch in Untersuchungshaft. Zwei weitere Männer, die zur Bande gehören sollen, seien noch nicht gefasst worden - von einem der beiden ist den Behörden bislang nur ein Deckname bekannt, unter dem er mit den anderen Beteiligten kommuniziert haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft den Männern "hohe kriminelle Energie" vor.

Seit 2015 gibt es bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg die Zentralstelle Cybercrime Bayern. Die Behörde ist zuständig für Computerkriminalität. Weil einer der Angeklagten aus der Umgebung von Regensburg stammt, wird am dortigen Landgericht verhandelt. Es sind zunächst 18 weitere Prozesstage angesetzt, das Urteil ist für den 11. Februar geplant.

ngo/dpa

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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
swedishhousemike 15.11.2018
1. Sky
Warum wird hier nicht erwähnt, dass es sich bei dem Pay-TV Sender um Sky handelt? Das dürfte doch jedem klar sein.
Jetzt_mal_ernsthaft 15.11.2018
2. Eingeladen
Cardsharing bzw IPTV-sharing ist sehr einfach zu verhindern wenn man tatsächlich den Willen dazu hat. Man muss nur eine Prüfung der Lokation vornehmen. Wenn eine Karte sowohl in Hamburg als auch in München genutzt wird ist wohl etwas faul - oder? Kreditkartenunternehmen wie zB American Express praktizieren dies schon seit Ewigkeiten.
funkhero 15.11.2018
3. @jetzt mal ernsthaft
Ist nicht vergleichbar - Card Sharing benutzt nur eine Karte, „streamt“ aber die momentan gültigen entschlüsselungscodes über das Internet an andere Receiver, die dann das Satellitensignal von Sky entschlüsseln können. Die angeschlossenen Receiver haben somit keinerlei Kontakt mit Sky, somit kann man da auch nix lokalisieren, und für Sky ist auch nur eine Karte aktiv - „gibt keinen rückkanal bei Sat Empfang“ etc.
bacillus.maximus 15.11.2018
4.
Zitat von Jetzt_mal_ernsthaftCardsharing bzw IPTV-sharing ist sehr einfach zu verhindern wenn man tatsächlich den Willen dazu hat. Man muss nur eine Prüfung der Lokation vornehmen. Wenn eine Karte sowohl in Hamburg als auch in München genutzt wird ist wohl etwas faul - oder? Kreditkartenunternehmen wie zB American Express praktizieren dies schon seit Ewigkeiten.
Da die Karten keinen Kontakt mit Sky aufnehmen weiß Sky auch nicht daß eine Karte Nr. XYZ zigtausendfach genutzt wird. Sonst würden sie die nämlich sperren und fertig. Der Vergleich mit Ihrer Kreditkarte ist total sinnlos, außer der Optik haben beide so gar nichts gemeinsam.
Jetzt_mal_ernsthaft 16.11.2018
5. Ja, aber
Die Entschlüsselungscodes könnten dann also auch von Sky im Internet abgescannt werden und umgehend gesperrt werden. Wenn sie "zigtausendfach" versandt werden sollte dies kein Problem sein. Die NSA oder private Spionagedienste würden sicherlich gern behilflich sein.
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