Scherzhafte Ransomware Erpressersoftware fordert Opfer zum Spielen auf

Ob dem Programmierer langweilig war? Oder ist er bloß ein Spaßvogel? Normal ist es jedenfalls nicht, was die Schadsoftware "PUBG Ransomware" ihren Opfern abverlangt.

Screenshot aus "Playerunknown's Battlegrounds"
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Screenshot aus "Playerunknown's Battlegrounds"


Für PC-Nutzer gehört sogenannte Ransomware aktuell zu den gefährlichsten Bedrohungen. Die Software schleicht sich über fingierte E-Mails oder manipulierte Webseiten in die Rechner ihrer Opfer, verschlüsselt unbemerkt im Hintergrund deren Dateien. Wenn die Angegriffenen das Treiben des Schädlings entdecken, ist es meist zu spät: Fotos, Briefe, E-Mails sind verschlüsselt, für den Entschlüsselungscode verlangen die Täter Geldzahlungen, meist in Bitcoin. Doch auch wer die geforderte Summe zahlt, kann nie sicher sein, tatsächlich den Code zu bekommen.

Opfern, auf deren PC die vom MalwareHunterTeam entdeckte "PUBG Ransomware" ihr Unwesen treibt, haben es einem Bericht von "Bleepingcomputer" zufolge leichter, sich zu befreien. Zwar verschlüsselt auch dieser Schädling die Festplatte des befallenen Rechners, doch wird diesmal keine Überweisung verlangt. Stattdessen heißt es in einer Meldung, die auf dem befallenen PC ausgegeben wird, in schlechtem Englisch:

"Your files is encrypted by PUBG Ransomware!
but don't worry! It is not hard to unlock it.
I don't want money!
Just play PUBG 1Hours!"

Der Täter beruhigt seine Opfer also erst einmal, "mach dir keine Sorgen! Es ist nicht schwer, deine Dateien zu entschlüsseln." Außerdem wolle er kein Geld - sondern dass das Opfer eine Stunde lang "PUBG" spielt. Das Kürzel steht für das Computerspiel "Playerunknown's Battlegrounds".

Das ist "Playerunknown's Battlegrounds"
Worum geht es in "Playerunknown's Battlegrounds"?
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Ein wenig erinnert "Battlegrounds" an die aus Romanen und Filmen bekannten "Hunger Games". Das Spiel spielt auf einer Insel, auf der in jeder Partie 100 Spieler per Fallschirm landen - wo genau, können sie durch den Zeitpunkt des Absprungs grob beeinflussen. Einmal gelandet, ist es das Ziel, möglichst lange zu überleben. Am Ende bleibt nur ein Spieler übrig.

Waffen und andere Ausrüstungsgegenstände, die dieses Vorhaben beim Feindkontakt erleichtern, sind unter anderem in Häusern versteckt. Je nach Modus tritt man in dem Spiel allein oder im Team mit bis zu drei Mitspielern an. "Battlegrounds" ist ein "Battle Royale"-Spiel.
Wie kann man das Spiel spielen?
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Das Spiel gibt es für den PC, außerdem gibt es eine Xbox-One-Fassung des Spiels sowie Smartphone-Varianten.

Das Spiel selbst kann man aus der Ego-Perspektive spielen, aber auch aus einer Dritte-Person-Ansicht, die mehr Übersicht bietet.
Was macht den Reiz aus?
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"Battlegrounds" ist ein Spiel, das schnell zu verstehen, aber schwer durchzustehen ist: Schließlich gilt es im Zweifel, sich geschickter anzustellen als 99 andere Spieler. Und manchmal reicht schon ein Treffer aus der Ferne und die Runde ist für den Spieler vorbei.

Wie die Partien laufen, ist zudem oft schwer vorhersehbar: Es kann passieren, dass man direkt neben fünf brandgefährlichen Spielern landet - oder aber, dass man erstmal minutenlang allein durch die Pampa läuft, bis man irgendwann ein Fahrzeug findet, mit dem man dann schneller als zu Fuß in bevölkertes Gebiet aufbrechen kann. Durch die verschiedenen Waffen des Spiels hat man auch viel Freiheit zu entscheiden, wie man am besten vorgeht.
Kann man sich einfach bis zum Spielende verstecken?
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Dem sogenannten Camping macht das Spiel durch eine kluge Design-Entscheidung den Garaus: Die Spielfläche wird mit der Zeit kleiner, den Spielern wird durch sogenannte Zonen signalisiert, wann sie sich wohin bewegen sollten.

Wer sich etwa außerhalb einer blau gekennzeichneten Zone aufhält, verliert mit der Zeit Lebensenergie und stirbt irgendwann. Nur verstecken hilft also vielleicht vorübergehend, führt aber eher nicht zum Sieg.
Wie einsteigerfreundlich ist "Battlegrounds"?
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Das Spiel erklärt nicht viel, allein deshalb ist die Chance hoch, dass man in den ersten Runden schnell das Zeitliche segnet.

Im Netz gibt es aber jede Menge Hilfevideos und Tutorials, die Spielern Tipps geben, was sie auf jeden und was sie auf keinen Fall tun sollten. Der Hype um das Spiel ist so groß, dass es praktisch rund um die Uhr Livestreams gibt, aus denen man sich Tricks abgucken kann.
Wer ist "Playerunknown"?
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Hinter dem Pseudonym steckt der Chefentwickler des Spiels namens Brendan Greene. Er hat zuvor unter anderem "Battle Royale"-Modifikationen für die Militärsimulationen "Arma 2" und "Arma 3" entwickelt (bei "Arma 2" nahm er selbst die Mod "DayZ Overwatch" als Basis), versuchte sein Glück aber auch schon als Fotograf und DJ. Greene sagt, er spiele allgemein nicht viel - so erzählt er etwa in Interviews, noch nie den Rollenspiel-Klassiker "The Legend of Zelda" gespielt zu haben.

Ob man der Aufforderung tatsächlich nachkommt, überprüfe die Schadsoftware, indem sie im Betriebssystem nachschaue, ob der Systemprozess namens Tslgame ausgeführt wird, berichtet "Bleepingcomputer". Allerdings sei es nicht wirklich nötig, die geforderte Stunde Spielzeit zu absolvieren. Vielmehr reiche es schon aus, das Spiel drei Sekunden lang laufen zu lassen, um die Verschlüsselung zu lösen.

Man könne aber auch ein beliebiges anderes Programm in Tslgame.exe umbenennen und kurz laufen lassen, heißt es bei "Bleepingcomputer". Die Schadsoftware sei nicht besonders ausgefuchst und prüfe nicht, ob es sich wirklich um das Spiel handelt.

Wer Opfer der Ransomware geworden ist, kann sich die Sache aber noch viel leichter machen: In der Warnmeldung der Erpressersoftware verrät deren Programmierer den Entschlüsselungscode selbst. Er lautet: s2acxx56a2sae5fjh5k2gb5s2e.

mak

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insgesamt 2 Beiträge
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Seite 1
winterwoods 11.04.2018
1. Null-Meldung
"...In der Warnmeldung der Erpressersoftware verrät deren Programmierer den Entschlüsselungscode selbst. Er lautet: s2acxx56a2sae5fjh5k2gb5s2e." Also nur ein Scherz, mehr oder weniger (solange er private Rechner betrifft). Aber mal wieder eine klasse Gelegenheit für Journalisten, die irgendwie bei allem immer einige Jährchen hinterher hinken, Werbung für dieses öde Spiel zu machen - das übrigens nur ein (schlechterer) Abklatsch der vielen Arma-Mods like DayZ-Epoch uva. ist - aber diese Perle war eben, wie gesagt, bereits vor einigen Jahren (ausser Altis, das sich immer noch großer Beliebtheit erfreut) und deshalb absolut nicht auf dem Schirm der Journalisten. Nur die nachhallende Kopie ist es - natürlich... Aber besser spät als nie.
pal_dodaj 12.04.2018
2. @wintetwoods
DayZ war nur eine Mod von vielen für Arma 2 Es gab z.b Dayz, Battle Royle und King of the Hill um nur einige zu nennen welche alle ein andere Spielkonzept hatte. Und Es ist auch kein Abklatsch sondern eine Weiterentwicklung der Battle Royle Mod für Arma 2 und Arma 3 da der Entwickler der Battle Royal Mod ein Gewisser Brendan Greene ist welcher heute der Chefentwickler von PUBG ist. PUBG trägt ja den Namen von Brendan Greene im Titel da sein Nickname unter dem er auch damals die Mods entwickelt hat PlayerUnknown ist. Und wie soll es denn bitte ein Abklatsch sein wenn es vom "Vater des*Battle-Royale-Genres? persönlich kommt wie er auch bezeichnet wird.
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