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Gefälschte SPIEGEL-ONLINE-Meldung: Spielt nicht mit der "Lügenpresse"

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Angeblicher Absage-Post auf Facebook: Als Satire zu erkennen Zur Großansicht
twitter.com/Der_Postillon

Angeblicher Absage-Post auf Facebook: Als Satire zu erkennen

Eine gefälschte SPIEGEL-ONLINE-Meldung hat am Montag für Verwirrung gesorgt. Ein Mann hat sich zu der Aktion bekannt und schreibt: Das sollte gegen Pegida gehen. Die Methode ist falsch.

Am Montagnachmittag haben sich viele Twitter-Nutzer offenbar prächtig amüsiert. Zugegeben, es war auch ganz lustig: Die Satireseite "Der Postillon" hatte vermeldet, die Pegida-Demonstration in Dresden sei abgesagt worden. Darauf folgte ein unterhaltsames Kuddelmuddel aus Dementis und wiederum satirischen Dementis der Dementis.

Mittendrin erschien auf einer gefälschten Webseite, die aussah wie SPIEGEL ONLINE, eine Meldung: Die Demo falle tatsächlich aus, hieß es darin. Ein Scherz. Nur weiß bis heute wohl immer noch nicht jeder, der diesen Beitrag gelesen hat, dass er gar nicht von SPIEGEL ONLINE stammte.

Das ist nicht mehr lustig.

Die Fälschung unter unserem Namen hat auch der "Postillon" verbreitet. Unter dessen Artikel wurde auf den vermeintlichen SPIEGEL-ONLINE-Text verlinkt. Die Satireseite beteuert, selbst nicht hinter der Fälschung zu stecken.

Nun hat sich ein Mann bei uns gemeldet, der behauptet, die gefälschte Meldung ins Netz gestellt und mittlerweile von sich aus wieder gelöscht zu haben. Ihm sei "etwas mulmig bei der Sache geworden", als sich der Text rasch verbreitete. Er entschuldigt sich und sagt, die Aktion sei keineswegs gegen SPIEGEL ONLINE gerichtet gewesen - sondern gegen Pegida.

Die Grundidee folgt aus Sicht der Pegida-Gegner einem schlüssigen Prinzip: Man behauptet, die Demo sei abgesagt und hofft, dass viele Leute darauf reinfallen und nicht hingehen. Satire darf das.

"Der Postillon" ist eine mächtige Seite, und es ist schon häufiger vorgekommen, dass Leser auf eine ihre Scherzmeldungen hereingefallen sind. Vielleicht hätte es auch diesmal noch besser klappen können. Hat es aber nicht. Von den Pegida-Anhängern haben offenbar letztlich nicht allzu viele der Falschmeldung geglaubt. Die Demo in Dresden fiel am Montag nicht kleiner, sondern größer aus als bei den vorherigen Treffen.

Die Wirkung der Satire durch eine Fälschung forcieren zu wollen, ist indes schwach. Satire muss sich selbst vertrauen. Und die Folgen der Fehlberichterstattung können gravierend sein: Manche Pegida-Anhänger mögen sich jetzt bestärkt sehen in ihrer Ansicht, der sogenannten Lügenpresse sei keinesfalls zu trauen.

Die NDR-Sendung Panorama hat Pegida-Anhänger befragt und die Interviews ungekürzt ins Internet gestellt, leider gehört dazu auch das nicht ernstzunehmende Interview mit einem RTL-Reporter. Doch der Rest der Gespräche lässt erahnen, dass man der Wut dieser Menschen nur mit einem begegnen kann: mit Fakten.

Die Wütenden müssen darüber aufgeklärt werden, dass eben nicht "70 bis 80 Prozent" der Bevölkerung in westdeutschen Großstädten einen Migrationshintergrund haben. Dass nur 0,1 Prozent der in Sachsen lebenden Menschen Muslime sind. Dass von einer Islamisierung Dresdens also keine Rede sein kann. Journalisten können und müssen diese Aufklärung übernehmen. SPIEGEL ONLINE hat das mit dem Pegida-Faktencheck auch bereits getan.

Deshalb darf gerade jetzt die Glaubwürdigkeit der Presse nicht aufs Spiel gesetzt werden. Das gilt sowohl für den Ex-RTL-Reporter, der bei Panorama vor die Kamera getreten ist und damit der seriösen Berichterstattung geschadet hat. Und das gilt für diejenigen, die Nachrichten fälschen, um Pegida-Anhänger zu verwirren. Verwirrung, so scheint es, ist zumindest bei einigen Demonstranten bereits genug vorhanden.

SPIEGEL ONLINE hat die Falschmeldung von der abgesagten Demo umgehend dementiert. Dafür haben wir uns im Netz als "Spielverderber" und "Idioten" beschimpfen lassen. Selbst derjenige, der die Falschmeldung nach eigener Aussage erstellt hat, schreibt uns: "Mit der Auflösung hättet Ihr ruhig noch etwas warten können." Dabei sollte jedem klar sein, dass wir eine falsche Meldung sofort öffentlich richtig stellen müssen. Und warum wir das tun: Unsere Aufgabe ist es, Fakten zu verbreiten und zu erklären.

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