Pennsylvania: Warum gibt es keine Fotos?

"Warum", fragen die Vertreter der Pennsylvania-Verschwörungstheorie, "gibt es keine (oder nur so wenige) Fotos vom Absturzort?" Eine tatsächlich legitime Frage.

Wald, Wiese, Einschlagstelle: Im Strom der spektakulären Bilder ging die Katastrophe des Fluges 93 unter
AP

Wald, Wiese, Einschlagstelle: Im Strom der spektakulären Bilder ging die Katastrophe des Fluges 93 unter

Es gab und gibt relativ wenig veröffentlichte Fotodokumente zum Pennsylvania-Absturz. CNN etwa bietet in seinen extensiven 11/9-Archiven unter Hunderten von Bildern nur zwei vom Pennsylvania-Absturz, die wohl repräsentativ für alle veröffentlichten Fotos sein dürften: Da sieht man einige Feuerwehrleute, Wald und Trümmerstücke weit verteilt auf einem Feld. Mehr nicht.

Verschwörungstheoretiker und Gerüchteköche argumentieren nun, mehr werde deshalb nicht gezeigt, weil sonst offenbar würde, dass

  • die Boeing in Wahrheit abgeschossen worden sei;
  • die Boeing in Wahrheit mit einem F-16-Abfangjäger kollidiert sei.

Die Geschichte von den heldenhaften Passagieren, die den Flieger über dem offenen Land statt über Washington zum Absturz brachten, sei von der amerikanischen Regierung zur Stärkung der Moral und Vorbereitung des "War on Terrorism" in Umlauf gebracht worden - und somit nichts als zum einen eine Vertuschungsaktion und zum anderen mobilisierende Propaganda.

Einschlagstelle: Trümmer, verteilt über ein riesiges Areal
AP

Einschlagstelle: Trümmer, verteilt über ein riesiges Areal

Zu entkräften ist so etwas kaum: Behaupten kann man viel, beweisen so gut wie nichts. Für die offizielle Darstellung gibt es zumindest starke Indizien: Die letzten Telefonate einiger Passagiere, Tonbandmitschnitte einer Szene, die stark nach einem Handgemenge zwischen Entführern und Opfern klingt. Für die Gegenbehauptung der Verschwörungstheorie gibt es keinen Beleg.

Beweisbare Tatsache ist, dass an dem gezeigten Ort ein Passagierjet mit großer Wucht abstürzte und zerbarst. Was die relativ wenigen Fotos zeigen, ähnelt dem, was tausend andere Absturzfotos zuvor dokumentierten, bis ins Detail: So sieht der Ort eines Flugzeugabsturzes nun einmal aus. Was hätten die Medien (und die offiziellen Stellen) darüber hinaus noch zeigen sollen?

Gerüchte-Fans befriedigt solch ein Appell an den gesunden Menschenverstand nicht. Auch der Hinweis auf die vielleicht zynischen, aber in Anbetracht der Größe der Ereignisse verständlichen Auswahlkriterien der Medien reicht offenbar nicht: Wenn in New York das WTC unter den Einschlägen zweier Passagiermaschinen zerstört wird und das Tausende von Menschenleben kostet, dann hat ein Flugzeugabsturz in Pennsylvania - egal unter wie dramatischen oder tragischen Umständen er zu Stande kam - in der Berichterstattung kaum eine Chance.

Die Antwort auf die Grundfrage der Verschwörungstheorie klingt also ziemlich zynisch: Relativ wenig Fotos vom Absturzort in Pennsylvania gab es deshalb, weil dies als Motiv im Vergleich zum kollabierenden WTC und dem Chaos von Manhattan "uninteressant" war.

Für die offizielle Version gibt es einige wenige Zeugen: Die Hinterbliebenen der Menschen, denen es kurz vor dem Absturz noch gelang, mit ihren Handys zu telefonieren. Wer der Pennsylvania-Verschwörungstheorie Glauben schenkt, sollte bedenken, dass er damit unterstellt, dass diese Hinterbliebenen den Tod ihrer Angehörigen im Sinne einer angeblichen amerikanischen Kriegspropaganda werbend vermarkten.

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Frank Patalong

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