Affen-Selfie Naruto geht leer aus, Peta muss zahlen

Im Namen eines Affen wollte die Tierrechtsorganisation Peta Urheberrechte an einem berühmten Tier-Selfie einklagen. Ein Berufungsverfahren endete für die Tierschützer nun mit einer krachenden Niederlage.

Selfie des Makaken Naruto
imago/ Danita Delimont

Selfie des Makaken Naruto


Klappe zu, Affe mittellos: Der jahrelange Rechtsstreit um das berühmte Selfie des indonesischen Makaken Naruto ist - mal wieder - beendet. Die Tierrechtsorganisation Peta verlor auch das Berufungsverfahren zu ihrer Klage wegen Urheberrechtsverletzung, die sie im Namen des Tieres erhoben hatte.

Der Streit dreht sich um ein ikonisches Tierfoto, das den in die Kamera blickenden Affen Naruto zeigt. Naruto hatte das Foto 2011 selbst von sich geschossen, nachdem der Tierfotograf David J. Slater seine Kamera im indonesischen Regenwald kurz unbeobachtet gelassen hatte. Slater ist der Meinung, dass er die Rechte am Bild hält, Peta möchte ihm diese im Namen des Affen streitig machen. Die Aktivisten aber sehen den Affen als wahren Urheber des besonderen Selfies.

Mit der Entscheidung der Richter am Bundesberufungsgericht in San Francisco gilt nun: Naruto bekommt kein Geld für die Verwertung seines Fotos durch den Besitzer der Kamera, also Slater. Stattdessen bekommt die Klägerin, Peta, Slaters Anwaltskosten aufgebrummt. Die Richter urteilten, dass Tiere keine Klage wegen Urheberrechtsverletzungen erheben können, weil das im entsprechenden US-Gesetz nicht ausdrücklich vorgesehen sei. Deshalb könne auch niemand im Namen von Naruto klagen.

Peta hatte genau das versucht, und zwar seit September 2015. Da wurde die Frage, wer als Urheber des Selfies gilt, bereits seit etwa vier Jahren diskutiert. Erstinstanzlich verlor die Organisation den Prozess, das war Anfang 2016. Peta ging in Berufung, erzielte dann aber im September 2017 eine außergerichtliche Einigung mit Slater. Die Organisation wollte ihre Klage zurückziehen, im Gegenzug hätte Slater 25 Prozent seiner Einnahmen aus dem Foto für den Erhalt des Lebensraumes der Affen in Indonesien gespendet.

Peta könnte bis vor den Supreme Court ziehen

Damit hätte der Fall ein Ende finden können, doch das Berufungsgericht lehnte den Vergleich ab. Es wollte erstens einen Präzedenzfall schaffen. Und zweitens wäre Naruto an dem Vergleich nicht beteiligt gewesen, weshalb die Richter glaubten, Peta handele nur zum eigenen Vorteil. So steht es nun auch im Urteil: "Peta scheint Naruto [...] für seine ideologischen Zwecke zu benutzen."

Wie zur Strafe dafür entschieden die Richter, dass Peta die Anwaltskosten von Slater tragen muss. Das ist im US-Recht selten. Der Fotograf hatte schon früher erklärt, durch die Kosten aus dem ersten Prozess finanziell ruiniert zu sein.

Theoretisch könnte Peta weiterklagen, bis zum Supreme Court. Doch es gilt als unwahrscheinlich, dass die Organisation damit durchkäme.

Fotostrecke

16  Bilder
Peta versus Videospiele: Immer dasselbe Spiel

Wohl ebenso unrealistisch ist Petas aktuelle Forderung an den Spielehersteller Ubisoft, "künftig keine Videospiele in Deutschland mehr zu vermarkten, die das Jagen und Töten von Fischen oder anderen Tieren glorifizieren und banalisieren." Anlass ist das Spiel "Far Cry 5" - weil Spieler darin angeln können, wenn sie gerade mal eine Pause vom Rumballern brauchen.

Peta vertritt die Ansicht, "dass ein Fisch ein Jemand ist und kein Etwas und da ist es ein Armutszeugnis, das Angeln zu bewerben." Es ist nicht das erste Mal, dass die Organisation versucht, mit Kritik an aktuellen Videospielen Aufmerksamkeit zu erregen.

Update: In einer früheren Fassung dieses Artikels wurde Peta als Tierschutzorganisation bezeichnet. Die treffende Bezeichnung ist aber Tierrechtsorganisation. Wir haben die entsprechenden Stellen geändert.

pbe

Mehr zum Thema


insgesamt 106 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fatherted98 24.04.2018
1. Wenn man...
...sich die Idiotie einer solchen Klage mal auf der Zunge zergehen lässt....aber besser nicht...sonst kommt einem noch die Galle hoch.
NauMax 24.04.2018
2.
Hat PETA eine vom Rechteinhaber (in deren Augen der Affe) unterzeichnete Erklärung, diesen vor Gericht zu vertreten? Falls nein -> Klage abweisen, Thema durch.
longtawan 24.04.2018
3. Ein Lichtblick...
im Dschungel der für uns nicht nachvollziehbaren Entscheidungen (amerikanischer) Gerichte und endlich mal ein gehöriger Dämpfer für die 'so called' Tierschutzrechtsorganisation oder so ähnlich.
geotie 24.04.2018
4.
Tierschutz ist wichtig, keine Frage, aber ein Tier hat halt nicht dieselben Rechte wie ein Mensch. Was mich stutzig macht, einige Leute räumen dem Tier mehr Rechte ein als dem Menschen. Im deutschen Tierschutzbund gibt es ca. 800.000 Mitglieder, im deutschen Kinderschutzbund sind es nur 50.000 Mitglieder. Dabei sollte man doch die eigene Art bevorzugen, und nicht einem Hund, der mehrere Menschen totgebissen hat, nachtrauern. Es ist ganz gut, das diese Tierschutzorganisation in die Schranken verwiesen wurde.
langenscheidt 24.04.2018
5. Elefantenhaufen
Wenn Elefanten im Zoogehege einen Haufen machen - müssen die Wärter die Elefanten fragen, ob sie die Urheberrechte erhalten, die Haufen zu beseitigen? Ernsthaft, folgende Situation: selbstauslösende Kamera in der Wildnis, wenn sich ein Tier vor der Linse bewegt. Wer hat die Urheberrechte: der Kamerabesitzer, das Tier, das das Foto auslöste oder die Kamera? Ich bin auf weitere schwerwiegende Probleme unserer derzeitigen Weltgeschichte gespannt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.