Netzwelt-Ticker: Erstbegutachter finden "Hobbit" zu realistisch

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Schluss mit Bildrucklern in Mittelerde, aber nicht alle Betrachter sind überzeugt. Außerdem im Überblick: Kaspersky sieht Apple in Sicherheitsfragen "zehn Jahre hinter Microsoft", und Apple-Chef watscht Windows 8 als "Mischung aus Toaster und Kühlschrank" ab.

Peter Jacksons "Hobbit": Zu scharf? Fotos
Warner Bros.

Elf Jahre nach der Premiere von Peter Jacksons erstem Teil der "Herr der Ringe"-Trilogie können sich die Freunde von Mittelerde auf das Prequel zur Serie freuen. Am 14. Dezember hat "The Hobbit" seinen Kinostart, und er kommt als erster kommerzieller Film in einer neuen Technik daher. Statt nämlich mit den seit Jahrzehnten üblichen 24 Bildern pro Sekunde Bewegung ins Geschehen zu bringen, wurde beim Jackson-Neuling auf "HFR"-Technik (High Frame Rate) gesetzt. Die verdoppelt die Rate auf 48 Bilder pro Sekunde (möglich sind sogar bis zu 60) und soll die Gefahr von Rucklern verringern. Das gilt vor allem für die wesentlich datenaufwendigeren Produktionen in 3D.

Allerdings zeigte sich das Publikum bei der Vorführung von Vorabausschnitten im Rahmen der Filmtheatermesse CinemaCon in Las Vegas nur mäßig begeistert. Kritiker bemängelten die überdeutliche Video-Ästhetik, manche Szenen erinnerten an "behind-the-scenes"-Aufnahmen oder Bilder aus Seifenopern. Andere fühlten sich an den BBC-Videolook der TV-Theateradaptionen aus den siebziger Jahren erinnert.

Für Regisseur und Produzent James Cameron, der das HFR-Verfahren auch für den Nachfolger von "Avatar" nutzen will, ist das keine Überraschung. "Es wird Leute geben, die das mögen. Und es wird die geben, die sagen, das sieht ja wie Video aus. Aber Video ist der einzige Weg, mit dem man etwas entwickeln kann, das so realistisch aussieht. Und es ist wirklich magisch."

Kaspersky sieht Apple in Sicherheitsfragen "zehn Jahre hinter Microsoft"

Eine Ohrfeige der Extraklasse verpasste das IT-Sicherheitsunternehmen Kaspersky dem iPhone-Konzern Apple gestern auf der Info Security 2012 Conference. Firmengründer Eugene Kaspersky erklärte, Apple liege in Sicherheitsfragen im Vergleich mit Microsoft zehn Jahre zurück. Der jüngste Ausbruch der Flashback/Flashfake-Schadprogramme sei mit großer Wahrscheinlichkeit nur der Beginn einer ganzen Welle ähnlicher Attacken auf das Apple-System.

Mit der steigenden Zahl von Geräten aus dem Hause des Unterhaltungselektronikers werde es auch für Hacker und Malware-Entwickler immer interessanter, auf Mac und Co. zugeschnittene Attacken durchzuführen. Kaspersky: "Es war nur eine Frage der Zeit und des Marktanteils. Cyber-Kriminelle haben erkannt, dass Mac ein interessantes Gebiet ist. Und jetzt haben wir viel, nicht nur Flashback. Willkommen in der Welt von Microsoft. Sie ist voller Malware."

Das bedeute, dass Apple endlich die Frequenz seiner Aktualisierungen und Sicherheits-Patches erhöhen müsse. Apple befinde sich in derselben Lage wie Microsoft vor zwölf Jahren, als die Aktualisierungszyklen immer weiter verkürzt werden mussten. Die Verantwortlichen in Cupertino seien gezwungen, mehr als bisher in Sicherheitsüberprüfungen ihrer Software zu investieren.

Auch das noch:

  • Apple-Chef Tim Cook hält Windows 8 für eine "Mischung aus Toaster und Kühlschrank". Mit diesem Bild qualifizierte Cook Vorschläge ab, eine Hybrid-Technologie zu etablieren, die die Welt der Touchscreen-Tablets mit klassischen Laptops vereinigt. Das gelte auch für Microsofts Strategie, Windows 8 gleichermaßen für PCs und Tablets anzubieten. Derlei Kompromisse würden Verbraucher letztendlich nicht befriedigen.

  • Conficker ist noch immer eine Bedrohung für Unternehmen. Microsofts zwölfter Sicherheitsreport listet allerhand Gefahren auf, darunter auch alte Bekannte wie den Conficker-Wurm. Im Berichtszeitraum von Juli bis Dezember 2011 seien immer noch mehr als 1,7 Millionen Rechner von dem Schadprogramm befallen gewesen. Eines der Hauptprobleme im Sicherheitsbereich seien unsichere Passwörter. Sie seien für mehr als 90 Prozent der Infektionen durch Schadprogramme verantwortlich.

  • Onionbrowser für iOS ist da. Auch die Bewohner der Apple-Welt können jetzt den Anonymisierungsservice des TOR-Netzwerks noch einfacher nutzen. Mit dem Onion Browser wird der Netz-Traffic durch das Netzwerk geleitet und soll so die Privatsphäre der Nutzer gewährleisten.

  • Die Shitstorm-Skala. Der Überblick über die Stufen der Eskalation ist als Hilfe für Politiker gedacht. Er will aufzeigen, was sie im Falle ansteigender Online-Aufmerksamkeit zu beachten haben.

  • Der Anbieter von On-Demand-Musik Deezer und die Telekom wollen gemeinsam ein Portal für legales Musik-Streaming in Europa schaffen und sich ein Stück am wachsenden Digitalmarkt sichern. Dabei sollen auch die Probleme regional unterschiedlicher Gesetzgebungen berücksichtigt werden. Erster Testmarkt ist Österreich.

  • Wer braucht schon iTunes? Die "Financial Times" nicht. Die mobile FT-App ist in HTML5 programmiert und wird frei angeboten. In Apples iTunes-Store ist sie nicht zu haben, trotzdem verkauft sie sich wie geschnitten Brot. Zwei Millionen Abos wurden schon unter die Leser gebracht, das sind zwölf Prozent aller digitalen Dauerbestellungen der FT. Besonders schön für den Verlag: Er kann sich die 30 Prozent Provision für Apple sparen.

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1.
Stelzi 26.04.2012
Soap-Opera Effekt - das geht gar nicht. Zum Glück werden die das nach genügend miesen Previews am Computer noch etwas ausbügeln..
2. Soap-Effekt
shatreng 26.04.2012
Zitat von sysopWarner Bros.Schluss mit Bildrucklern in Mittelerde, aber nicht alle Betrachter sind überzeugt. Außerdem im Überblick: Kaspersky sieht Apple in Sicherheitsfragen "10 Jahre hinter Microsoft", und Apple-Chef watscht Windows 8 als "Mischung aus Toaster und Kühlschrank" ab. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,829915,00.html
Bevor ich meinen ersten LCD-TV gekauft habe, hatte ich von diesem "Soap-Effekt" nie etwas gehört. Als ich den TV das erste Mal anmachte, fuhr James Bond in einem Auto vor einem Styroporeisberg...das ging gar nicht. Nachdem ich die FPS runtergestellt hatte, war das Bild 1a. Die sollen bloß nicht den Film durch zu viel "Realität" versauen :/
3.
Europas 26.04.2012
Nur weil bisher die Bildqualität mies war, soll sie so bleiben, weil man sich dran gewöhnt hat? Nein, danke. Wenn Unschärfe, Rauschen, miese Farben, instabiles Bild und Ruckeln wirklich so entscheidend für das Kinoerlebnis sind, kann man sie auch digital reinrechnen. So wie man bei digitaler Musikwiedergabe problemlos die Störgeräusche des Plattenspielers und des Verstärkers ergänzen könnte - das war ja damals absolut dieselbe Argumentation: Nur diese Fehler würden den Medienkonsum authentisch machen, Musik ohne diese Fehler sei steril und unnatürlich. Wenig überraschend gibt es heute niemanden, der nur aufgrund romantischer Anwandelungen eine solch niedrigere Qualität akzeptiert oder gar aktiv herbeiführt. Höchstens, dass man alle Jubeljahre wieder aus Nostalgie die Platten aus dem Keller holt, bis sie dann doch irgendwann entsorgt werden.
4.
kaiser-k 26.04.2012
Zitat von EuropasNur weil bisher die Bildqualität mies war, soll sie so bleiben, weil man sich dran gewöhnt hat? Nein, danke. Wenn Unschärfe, Rauschen, miese Farben, instabiles Bild und Ruckeln wirklich so entscheidend für das Kinoerlebnis sind, kann man sie auch digital reinrechnen. So wie man bei digitaler Musikwiedergabe problemlos die Störgeräusche des Plattenspielers und des Verstärkers ergänzen könnte - das war ja damals absolut dieselbe Argumentation: Nur diese Fehler würden den Medienkonsum authentisch machen, Musik ohne diese Fehler sei steril und unnatürlich. Wenig überraschend gibt es heute niemanden, der nur aufgrund romantischer Anwandelungen eine solch niedrigere Qualität akzeptiert oder gar aktiv herbeiführt. Höchstens, dass man alle Jubeljahre wieder aus Nostalgie die Platten aus dem Keller holt, bis sie dann doch irgendwann entsorgt werden.
Es geht ja nicht um die Bildqualität. Der Seifenoper-Effekt ist in jeder Auflösung - ob in SD, Full-HD oder 4k - gegeben. 'Haus am Eaton Place" sieht auch im Kino kacke aus. Der filmisch-epische Eindruck geht bei hoher Bildrate einfach flöten - ob's an der Sehgewohnheit oder biologischer Natur des Zuschauers liegt - wir werden - buchstäblich - sehen.
5.
Europas 26.04.2012
Zitat von kaiser-kEs geht ja nicht um die Bildqualität. Der Seifenoper-Effekt ist in jeder Auflösung - ob in SD, Full-HD oder 4k - gegeben. 'Haus am Eaton Place" sieht auch im Kino kacke aus. Der filmisch-epische Eindruck geht bei hoher Bildrate einfach flöten - ob's an der Sehgewohnheit oder biologischer Natur des Zuschauers liegt - wir werden - buchstäblich - sehen.
Wie manifestiert sich dieser für Sie? Ich kann den Verlust nicht nachempfinden - der ja angeblich auch schon durch die Digitalprojektion auftreten sollte. Auch da hat sich ja nicht bewahrheitet, dass durch die qualitative Verbesserung nach einer kurzen Gewöhnung für Altseher ein Verlust des "Kinogefühls" eintritt. Und die junge Generation, die nichts anderes mehr kennt, lacht einen aus oder schaut einen betreten an, wenn man von früher schwärmt und das dann tatsächlich in Altkinos noch zeigen kann. Es ist eine reine Gewohnheitssache. Hier auf Befindlichkeiten einzelner Nostalgiker Rücksicht zu nehmen, ist vergebens. Daher glaube ich auch nicht, dass es da, wie es im ersten Kommentar anklingt, je einen Weg zurück geben wird.
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