Online-Petition 177.000 Nutzer protestieren gegen YouTubes Kommentarreform

Eine Online-Petition gegen das neue Kommentarsystem auf YouTube haben bereits mehr als 177.000 Nutzer unterzeichnet. Sie ärgern sich über den Zwang zu Google+ und fahren nun ASCII-Panzer auf.

YouTube-Logo in kanadischem Google-Büro: Kommentare auf der Videoseite sind nur noch mit Google+ erlaubt
REUTERS

YouTube-Logo in kanadischem Google-Büro: Kommentare auf der Videoseite sind nur noch mit Google+ erlaubt


In den Kommentaren von YouTube wurde schon manche Schlacht geschlagen - in Form übler Beleidigungen. Mal traf der Hass den Clipersteller, mal andere Kommentatoren, mal Personen, die überhaupt nichts mit dem Video zu tun hatten. Doch seit einigen Tagen bevorzugt ein Teil der Community ein neues Angriffsziel: Google, den Anbieter der Videoplattform.

Unter vielen Videos finden sich momentan Panzer im ASCII-Stil als Protestkommentare. Der zugehörige Text lautet: "Bob baut eine Armee auf. Dieser Panzer und Bob sind gegen Google+. Verbreite dies per Copy und Paste über ganz YouTube, wenn du auf unserer Seite bist."

Anlass für die digitale Mobilmachung ist Googles Reform des YouTube-Kommentarsystems: Seit knapp zwei Wochen brauchen Nutzer einen Account bei Google+, um Videos und Kanäle kommentieren zu können. Google will auf diesem Weg die Qualität der YouTube-Diskussionen erhöhen, doch viele Nutzer halten das für einen Vorwand: Sie glauben, Google beabsichtige vor allem, die Mitgliederzahl seines sozialen Netzwerks hochzuschrauben - durch die Neuanmeldung von Millionen YouTube-Nutzern.

"Google zwingt uns, Google+-Accounts anzulegen", lautet entsprechend auch der erste Satz einer Change.org-Petition, die von Google fordert, die Kommentarsektion in alter Form wiederaufleben zu lassen. "Man will uns unser anonymes Profil wegnehmen", kritisiert der Petitionsersteller. Sein Name ist so anonym wie die alten YouTube-Kommentare, er unterzeichnet mit John Doe.

Mittlerweile ist die Petition des angeblichen Does mehr als 177.000-mal unterzeichnet worden. Eine durchaus beachtliche Zahl. Zum Vergleich: Das Weiße Haus antwortet auf Bürgerpetitionen,

wenn sie 100.000 Unterschriften erreichen.

Protestsongs und Kommentar-Auslagerungen

Auf YouTube selbst finden sich neben den Panzern weitere Unmutsbekundungen. Sie reichen vom "Fuck you Google+"-Lied bis zum Aufruf einiger Videomacher, ihre Clips lieber auf Seiten wie Reddit zu kommentieren. Googles Erklärvideo zum neuen Kommentarsystem hat derzeit 50.000 Negativbewertungen, das offizielle Forum zu YouTube verzeichnet Zehntausende kritische Einträge.

Die interessanteste Protest-Anekdote ist aber vermutlich eine andere: Dieser Tage hat sich Jawed Karim zu Wort gemeldet - er hatte einst das erste YouTube-Video hochgeladen und war Mitgründer der Plattform. Sein Kommentar lautet: "Warum zur Hölle brauche ich einen Account bei Google+, um ein Video zu kommentieren?" Es war die erste Aktivität seines Kanals seit acht Jahren.

mbö



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insgesamt 40 Beiträge
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Seite 1
Flying Rain 18.11.2013
1. Ma so ...
...ne blöde Frage...bei g+ mit nem fake namen anmelden sollte ja kein Problem sein, und mann kann bei Youtube problemlos den allten acc benutzen...wo also das problem
7eggert 18.11.2013
2.
Zitat von Flying Rain...ne blöde Frage...bei g+ mit nem fake namen anmelden sollte ja kein Problem sein, und mann kann bei Youtube problemlos den allten acc benutzen...wo also das problem
Single-Sign-On. Eine Pest, und wenn man auch nur irgendwo einen wichtigen Bereich dabei hat, dann ist es auch noch eine Sicherheitslücke, wenn man diesen zum Youtube-Kommentieren ebenfalls einloggt.
Anay2 18.11.2013
3. Genau
Zitat von Flying Rain...ne blöde Frage...bei g+ mit nem fake namen anmelden sollte ja kein Problem sein, und mann kann bei Youtube problemlos den allten acc benutzen...wo also das problem
Genau… frage ich mich auch. Vielleicht sind es inhaltliche Gründe, da angeblich die Kommentarwertung jetzt anders läuft. Mich stören ganz andere Sachen, z.B. die Tatsache, dass auch bei einem aus Deutschland betriebenen YouTube-Kanal eine Impressumspflicht besteht. "Gewerbsmäßig" ist das Stichwort, nicht "gewerblich". Wer nur private Videos hochlädt mit geheimen URLs, die nur Familie und wenige Freunde kennen, der braucht das nicht, aber alle anderen sind "gewerbsmäßig" unterwegs. Das mit dem Impressum nervt ja schon auf Facebook & Co.
enivid 18.11.2013
4. Locker bleiben
Viel Wind um nichts. Das sollte man entspannter sehen.
Tom T. Berger 18.11.2013
5. Dringend nötig
Man sieht es ja an den hasserfüllten, primitiven, widerlichen Kommentaren eines Großteils genau derer Leute, dass das dringend nötig war. Und es funktioniert wunderbar, der Müll rutscht immer weiter nach unten, mittlerweile, nach so kurzer Zeit, ertappe ich mich schon dabei, auch mal in die Kommentare zu Videos zu schauen, weil eben nicht 90% Schwachsinn oben landen ...
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