Der rege Internethandel mit Viagra-Kopien ("Generic Viagra") verursacht Schäden, die nur schwer zu beziffern sind.
Dass der Pharmahersteller Pfizer sich seit Jahren bemüht, entsprechende Web-Shops zu schließen, liegt auf der Hand: Für den Halter des Viagra-Patentes ist jeder Onlineverkauf ein direkter Umsatzverlust, der sich, so das Unternehmen, auch in den Verkaufsbilanzen zeige. Ein geständiger Händler habe vor Gericht zugegeben, mit seinen per Spam beworbenen Viagra-Kopien "mehrere Millionen Dollar" eingenommen zu haben.
Pfizer klagt seit längerem mit Erfolg gegen illegale Viagraangebote im WWW. Allein im letzten August reichte Pfizer 30 Klagen gegen Webshops ein, von denen 29 inzwischen ihre Pforten schließen mussten. Dass die Firma nun gegen die Online-Medikamentenhändler CanadianPharmacy und E-Pharmacy Direct klagt, ist also nicht ungewöhnlich.
Ungewöhnlich ist jedoch der Partner an Pfizers Seite: Zeitgleich zum Pharmariesen reichte auch Microsoft Klagen gegen mehrere identifizierte und zahlreiche noch zu identifizierende Viagra-Spammer ein. Die beiden von Pfizer verklagten Shops sind nach Überzeugung der klagenden Unternehmen Angelpunkte zweier international vernetzter Spam-Ringe. Insgesamt reichten Pfizer und Microsoft siebzehn Klagen gegen die Shops und angeschlossenen Spamversender ein.
Verschiedene Branchen, gemeinsame Interessen
Microsoft begründet die Klagen mit den Schäden, die unter anderem den Kunden seines MSN-Dienstes zugefügt würden: Allein im letzten Jahr hätten Viagra-Spammer "mehrere hundert Millionen Werbe-E-Mails" an Microsoft-Kunden verschickt.
Die MS-Klagen stehen im Zusammenhang mit Microsofts Kampf gegen das Spam-Unwesen, den MS-Chef Bill Gates 2003 zu einer der Top-Prioritäten des Unternehmens erklärt hatte. MS arbeitet dabei unter anderem mit "Honeypots", mehreren Hundertausend vorgetäuschten Mail-Accounts, über die Spammer identifiziert werden sollen. Die aktuellen Klagen beruhen auf einer gemeinsamen Recherche, die Microsoft auf Anfrage Pfizers vor sieben Monaten begann.
Erklärtes Ziel der Microsoft-Kampagne ist es, möglichst viele der Spammer "offline zu setzen, dabei zu helfen, sie hinter Gitter zu bringen", so Microsoft-Anwalt Aaron Kornblum. Die gemeinsame Aktion mit Pfizer ziele darauf, die "gesamte Versorgungskette ins Visier zu nehmen".
Microsoft braucht die Klagen gegen die zum größten Teil unidentifizierten Spammer, um Serviceprovider dazu zu bringen, Daten ihrer spammenden Kunden heraus zu geben.
Obwohl trotz verschärfter Gesetzgebungen immer noch der größte Teil der weltweiten Spammafia von den USA aus agiert, ist der Nachweis nicht immer einfach zu führen: Viele Spammer parken ihre Server im Ausland oder bedienen sich anderer Tricks, um Identitäten zu verschleiern, wie die MS- und Pfizer-Rechercheure herausfinden mussten. Das von Pfizer verklagte Unternehmen CanadianPharmacy etwa entpuppte sich als Medikamentenversand aus Indien.
In anderen Fällen stießen die Firmen-Rechercheure auf unter dem Dach legitimer Unternehmen heimlich geparkte Spam-Versandserver. In einem Fall war ein Spam-Unternehmen auf den Namen eines New Yorkers angemeldet, der gar nicht wusste, dass er unter die Unternehmer gegangen war: Die Spammer hatten die zur Anmeldung des Geschäftes nötigen Persönlichkeitsdaten schlicht gestohlen.
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Netzwelt | Twitter | RSS |
| alles aus der Rubrik Web | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH