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Lauf, Entefant, lauf!

Kombi-Tiere: Waluine, Löwenschweinchen, Hoppelhai Fotos
Olav G. Fredriksen

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In der Savanne steht ein Wesen mit Elefantenohren, Elefantenfüßen, Entenaugen und einem langen orangefarbenen Schnabel. Das ist der Entefant (auf Englisch: Elephuck), ein Wesen, das nur in den Photoshop-Kunstwerken des Norwegers Arne Olav Fredriksen existiert.

Der 23-jährige Student aus Trondheim ist nicht der erste Bildbearbeiter, der verrückte Tierkombinationen am Computer züchtet. Aber seine Schnabelpferde, Hundrillas und Waluine sind sehr gut gemacht, auf der Internetplattform Reddit sind Fredriksens Kunstwerke enorm beliebt.

Fredriksen hat die ersten Tierkombinationen als Ablenkung gebastelt. Ende 2012 lernte der Elektrotechnik-Student für Klausuren und suchte einen guten Grund, zwischendurch etwas anderes zu tun. Ein Freund Fredriksens hat Meerschweinchen zu Hause, die beiden amüsierten sich darüber, wie harmlos die Tierchen aussehen: "So kam ich auf die Idee, die Meerschweinchenköpfe mit etwas gefährlicheren Tieren zu kombinieren." Eines der ersten Werke war das Löwenschweinchen ("guinea lion"). Fredriksen veröffentlichte sein Werk auf Reddit und Imgur und bekam viel Zuspruch: "Die Bildbearbeitung war eine großartige Ablenkung für mich, und die Leute mögen das." Seit Februar gibt es bei Reddit ein eigenes Unterforum für die sogenannten "Hybrid Animals". Man könnte die Tierkombinationen auch ganz klassisch Chimären nennen.

Die imgur-Seite "Weird Animals" zeigt diese und weitere herrlich bizarre Tierkreationen. So wird aus einer Ente und einem Pferd das Dorse, der Purilla ist eine Mischung aus Mops und Gorilla.

Arne Fredriksen ist kein Profi-Bildgestalter. Er hat als Teenager mit dem Fotografieren angefangen. Seine Aufnahmen hat er immer am Rechner gestaltet und sich so Schritt für Schritt in die Bildbearbeitung eingearbeitet. Für die reine Bearbeitung eines Kombi-Tiers braucht er eine knappe Stunde, sagt er. Länger dauert es, wenn die Farben und die Texturen beider Lebewesen sehr unterschiedlich sind. Am schwierigsten sei es, passende Fotos zu finden. Fredriksen sucht die Quellen für seine Kunstwerke im Netz.

Nach deutschem Urheberrecht spricht einiges dafür, dass Fredriksen die Urheber seiner Tierfotos nicht um Erlaubnis fragen muss. Denn er verändert die Bilder so sehr, dass ein völlig neues Werk entsteht, nicht nur eine Bearbeitung. Schließlich hat ein Entefant mit einem Entenporträt so wenig gemeinsam wie mit einem Elefantenbild.

Fredriksen geht bei seinen Kreationen von den Bildern aus, nicht von den Namen. Dabei wäre das ein lohnender Ansatzpunkt: Wie sähe zum Beispiel ein Nagler aus (Nager + Adler)? Oder eine Entilope? Wenn Sie selbst eine hübsche Tierkombination gebastelt haben sollten, schicken Sie uns doch eine Mail, Betreff: Chimären.

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9 Leserkommentare Diskutieren Sie mit!
wildpudel 18.04.2013
Steinwald 18.04.2013
Eva K. 18.04.2013
torstenschäfer 18.04.2013
to5824bo 18.04.2013
hksm 18.04.2013
earl grey 18.04.2013
knielang 19.04.2013
Steinwald 19.04.2013
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