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14. Mai 2012, 11:17 Uhr

Kampf gegen Raubkopierer

Start-up will illegale Tauschbörsen lahmlegen

Ein russisches Start-up namens Pirate Pay will die Tauschbörsenszene aufmischen - und damit viel Geld verdienen. Mit einer Spezialsoftware kann das Unternehmen angeblich illegale BitTorrent-Downloads unterbinden. Film- und Softwarefirmen haben bereits Interesse bekundet.

Russische Software-Entwickler könnten zufällig auf den heiligen Gral der Pirateriebekämpfung gestoßen sein, als sie vor drei Jahren ein System zur Verwaltung von Datenverkehr konzipierten. Wie das Blog "TorrentFreak" berichtet, sei die Software in der Lage gewesen, BitTorrent-Datenströme bei Bedarf abzuschalten. "Nachdem wir den Prototyp fertig hatten, wurde uns klar, dass wir ganz allgemein das Herunterladen von Daten unterbinden konnten. Das bedeutet, das Programm ist zur Bekämpfung der Verbreitung illegaler Inhalte äußerst vielversprechend", erklärte Pirate-Pay-Chef Andrei Klimenko.

Kein Wunder, dass sich schon bald große Rechteinhaber für die Neuheit interessierten. Microsoft soll dem Start-up 2011 mit einer Finanzspritze in Höhe von 100.000 Dollar unter die Arme gegriffen haben. Im Dezember 2011 schließlich nahmen mit den Walt Disney Studios und Sony Pictures zwei große Filmstudios die russischen Newcomer in ihre Dienste. Einen Monat lang sollten sie den neuen Film "Wyssozki - Danke für mein Leben" über einen sowjetischen Musiker der siebziger Jahre mit ihrer Technik vor unerwünschter Verbreitung schützen. Das sei auch mit einigem Erfolg gelungen. Die Russen priesen sich, sie hätten genau 44.845 Übertragungen unterbunden.

Wie die Technik genau funktioniert, wird natürlich nicht verraten. Vermutlich wurden die BitTorrent-Clients mit irreführenden Informationen geflutet und dadurch die realen IP-Adressen der Netzwerk-Server verborgen. Wie viele Downloads den Häschern dabei entgingen, wurde allerdings nicht mitgeteilt. Grundsätzlich bleibt es fraglich, inwieweit der illegale Datenaustausch über ein weit verbreitetes Netzwerk wie das BitTorrent-System überhaupt effektiv bekämpft werden kann. "TorrentFreak" empfiehlt Rechteinhabern, lieber ihre legalen Angebote zu verbessern.

meu

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