Places Facebook startet deutschen Hier-bin-ich-Dienst

Nun können Facebook-Nutzer in Deutschland per GPS-Handy ihren Standort mitteilen - und den ihrer Freunde. Die Verortungsfunktion bieten viele Dienste - aber Facebook könnte den Dienst massentauglich machen. Schließlich hat das Netzwerk in Deutschland 9,3 Millionen volljähriger Mitglieder.

dpa

Neu ist die Idee nicht, dass Menschen mit ihrem Handy in alle Welt hinausposaunen können, wo sie gerade sind - und mit wem. Das ermöglichen Lokalisierungsnetzwerke wie Gowalla und Foursquare schon lange. Neu ist, dass die 9,38 Millionen volljährigen Facebook-Mitglieder in Deutschland so einen Dienst nutzen können. Facebook hat seinen Lokalisierungsdienst Places nun auch hierzulande freigeschaltet.

Nutzer von Facebook Places können nun ihren Freunden oder auch allen Facebook-Mitgliedern (das hängt von den individuellen Privatsphäre-Einstellungen des Profils ab) ihren aktuellen Standort angeben. Sie müssen dafür nur ein Gerät mit GPS-Funktionalität benutzen, der Technik zur Ortsbestimmung. Mit Geräten ohne eigene Facebook-Anwendung ist Places über die Seite touch.facebook.com nutzbar. Angezeigt werden dann nicht die exakten Koordinaten des Nutzers - sondern zum Beispiel der Name des Ladens, Restaurants oder Cafés, im dem man sitzt. Nutzer können auch eigene Orte der Datenbank hinzufügen (zum Beispiel die eigene Wohnung, wenn man die denn öffentlich machen will). Man checkt an diesen Orten ein und markiert gegebenenfalls einige Facebook-Kontakte, die angeblich auch gerade an diesem Ort sind.

Datenschützer dürften die Funktionsweise des Dienstes aufmerksam analysieren - schließlich entsteht hier eine Datenbank mit personenbezogene Information über die Aufenthaltsorte einzelner Nutzer. Auf den ersten Blick sind bei Places keine groben Datenschutz-Schnitzer zu erkennen - standardmäßig ist eingestellt, dass Informationen über den Aufenthaltsort des Nutzers nicht der ganzen Welt mitgeteilt werden, sondern nur seinen Freunden. Außerdem kann es nicht passieren, dass man den eigenen Aufenthaltsort unwissentlich von Facebook feststellen lässt, dazu muss man die Lokalisierungsfunktion schon aktiv aufrufen - automatische Bewegungsprofile lassen sich damit kaum anlegen, dafür müsste jeder Nutzer jeden Ortswechsel Facebook melden.

Facebook-Kontakte können ihre Freunde verorten

Allerdings sollte jeder Facebook-Nutzer seine Privatsphäre-Einstellungen prüfen. Denn je nachdem, welche Einstellungen man bisher hatte, können die Einschränkungen bei der Verortung durchaus lax ausfallen. So kann man zum Beispiel von Facebook-Kontakten an Orten markiert werden (wenn man zum Beispiel gerade kein Telefon dabei hat).

Dieser Dienst ist bei einigen Konten standardmäßig aktiviert. Bei einem Versuch mit Konten von SPIEGEL-ONLINE-Mitarbeitern ließen sich so Personen von Kontakten verorten, ohne dass sie dem vorab zugestimmt hatten - sie wurden beim ersten Aufruf ihres Facebook-Kontos gefragt, ob sie dieser Aktion zustimmen, bis dahin waren die Angaben für alle Kontakte zu sehen. Solche Verortungen durch Dritte sind laut einem Facebook-Sprecher nicht öffentlich einsehbar - aber für alle Kontakte. Wer auch das unterbinden will, findet in den Privatsphäre-Einstellungen bei Facebook im Menü "Dinge, die andere Personen teilen" den entsprechenden Punkt "Freunde können angeben, dass ich mich an einem Ort befinde".

Manche Anwendungen dürfen Ortsangaben nutzen

Überhaupt ist bei den Detaileinstellungen des Verortungsdienstes das Opt-in (also eine explizite Zustimmung) nicht immer der Standard. So ist war bei einigen von SPIEGEL ONLINE überprüften Facebook-Konten die Option aktiviert, dass die Anwendungen von Facebook-Kontakten ermitteln dürfen, welche Orte man besucht hat.

Nur hat man nun mal keinen Einfluss darauf, welche Anwendungen Freunde nutzen - darum ist diese Einstellung recht heikel. Tipp: Welche Voreinstellung Facebook vorgenommen hat, kann man in den Facebook-Privatsphäreeinstellungen überprüfen. Ganz unten links beim Punkt "Anwendungen und Webseiten" auf "Bearbeite deine Einstellungen" klicken. Dann beim Punkt "Informationen, die durch deine Freunde zugänglich sind" die Freigaben bearbeiten.

Nutzer können neue Orte anlegen - das lädt zu Missbrauch ein

Auch das Anlegen neuer Orte im Detail könnte datenschutzrechtlich problematisch sein - Places-Nutzer können die Ortsdatenbank von Facebook selbst um Einträge erweitern. Fügt man einen neuen Ort hinzu, ist der gleich öffentlich. Facebook mahnt mit diesem Text vor möglichem Missbrauch: "Orte gehörten zu den allgemein zugänglichen Informationen. Wenn du einen Ort mit persönlichen Informationen einer Person hinzufügst, frage die Person erst um Erlaubnis."

Um Erlaubnis sollte man zum Beispiel fragen, wenn man auf einer Geburtstagsparty zu Gast ist, und den Ort als "XYs Wohnung - kostenloses Bier für alle" als neuen Standort der Facebook-Datenbank hinzufügt. Nun können dämliche Nutzer derlei unangenehme Botschaften aber auch heute schon, ganz ohne Verortungsdienst wie Places bei Facebook, StudiVZ und sonst wo veröffentlichen, das Problem ist ein grundsätzliches.

Dass Facebook mit dem neuen Dienst Geld verdienen will, kann man schon in der Anleitung für Werbekunden nachlesen: "Mit dem Orte-Produkt kannst du dein Unternehmen auf Facebook auf eine neue Weise bewerben und stärken. Indem du deinen potentiellen Kunden gestattest anzugeben, wenn sie dein Unternehmen besuchen, können sie ihre Freunde auf dein Unternehmen aufmerksam machen."

insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
der_crt 05.10.2010
1. Die Vorratsdatenspeicherung ist eigentlich unnötig...
...Facebook-Nutzer erledigen das ganz freiwillig ;-)
geotie 05.10.2010
2. Danke für den Service!
Man muss man aber blöd sein, seinen Mitmenschen alles, aber auch alles mitzuteilen. Einerseits regt man sich auf das man auf der Straße von einer Kamera erfasst wird, aber dann teilt man seinen Standort mit. Als Dieb könnte ich mir demnächst anzeigen lassen, wann mein Opfer nach Hause kommt.
FrankB 05.10.2010
3. kriminelle Energie
Das Argument, dass Einbrecher durch jahrealte Hausfassadebilder von google streetview zu einem Einbruch ermuntert werden, ist und bleibt einfach schwachsinnig. Wo sich der oder die Bewohner eines Wohnobjektes aktuell in Echtzeit aufhalten, dürfte für Einbrecher oder "kriminelle Bekannte" (und seien es einfach nur Urlaubsbekanntschaften oder jemand, den man mal irgendwann im Nachtklub kennengelernt und über facebook verlinkt hat) viel interessanter sein.
stillfreestyle 06.10.2010
4. BlaBlaBla
Zitat von geotieMan muss man aber blöd sein, seinen Mitmenschen alles, aber auch alles mitzuteilen. Einerseits regt man sich auf das man auf der Straße von einer Kamera erfasst wird, aber dann teilt man seinen Standort mit. Als Dieb könnte ich mir demnächst anzeigen lassen, wann mein Opfer nach Hause kommt.
Der Meinung bin ich auch, wer so unwissend ist und sich mit den Einstellungen der Social-Networks nicht auseinandersetzt, ist selber daran Schuld, wenn sämtliche Informationen über jemand im Netz frei zugänglich sind. Am Anfang hinter die Einstellung bei Facebook zu steigen ist für Laien sicherlich nicht so verständlich, aber Facebook hat sich bereits gebessert und erklärt wo wann was welche Auswirkungen hat. Einbrecher und Diebe im digitalen Zeitalter, seit Google StreetView ist dieses Argument ziemlich lächerlich. Da Aufstand war doch nur etwas Abwechselung für die gelangweilten Vorstädter und Rentner, die nicht mit ihrer Zeit anzufangen wissen. Ich glaube, wenn wirklich jemand die Absicht hat bei jemanden einzubrechen, wird er sich nicht einem Plan am Computer zurechtbasteln. Es ist im Allgemeinen bekannt, wo die wohlhabenden Wohngebiete in größeren Städten liegen, und eine Verschleierung der Gebäude machte es nur interessanter sich die Sache von näheren anzuschauen. Typisch deutsch, hätte man Studien anfertigen lassen können in dem nachzuweisen ist, wie bereits in anderen Ländern (welche StreetView laufen haben) die Einbruchsrate in die Höhe geschnellt ist. Also die Person die Facebook-Places nutzen will, sollte sich im klaren sein, wer die "Wo befinde ich mich" Funktion sieht und wenn das Mitteilungsbedürfnis so groß ist, das es alle Welt erfahren muss, sollte derjenige/diejenige vielleicht nicht die Adresse bzw. das ganze Profil freigeben. Ansonsten finde ich nichts, was gegen solch eine Funktion spricht.
trickle 06.10.2010
5. Sinnlos und sinnlos...
Die ganze Geo-Location Social MEdia Sache ist irgendwie nicht ganz mein Ding. Dies gleich aus mehreren Grünen: 1.) Was ist mein Vorteil als User? Ich check mich hier und da ein, Super und dann? Bei Four Square werde ich zum MAyor meiner Kneipe ernannt. WEiss jedoch nicht ob es so toll ist, wenn alle Welt weiss, dass ich mehr Zeit in der Kneipe als sonstwo verbringe;-) 2.) Facebook wird attraktiver okay, aber was ist mit Stand Alone Produkten wie Foursquare? - Ich frag mich schon jetzt wie die Geld verdienen wollen und scheinbar bin ich mit der Kritik nicht alleine: http://digisnacks.ch/2010/10/06/four-square%C2%A0kommerzialisieren/
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