Plumper Schnüffler: Virenprogramme erkennen den Staatstrojaner

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Er kam aus Hessen, wurde in Bayern eingesetzt und taugte nicht viel - so viel ist über den am Wochenende enthüllten Staatstrojaner mittlerweile klar. Der vom Chaos Computer Club sezierte Schnüffler wird von Anti-Virus-Software längst erkannt. Doch auch andere Staatstrojaner sind im Einsatz.

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Bayerns Innenminister Herrmann: Blamiert vom CCC

Hamburg - Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat es zugegeben: Der vom Chaos Computer Club analysierte Trojaner, der nicht nur Internet-Kommunikation belauschen kann, sondern auch potentiell Vollzugriff auf den befallenen Rechner erlaubt, wurde in seinem Bundesland eingesetzt. Auch der Hersteller der Software, die von Experten als stümperhaftes Stück Code eingeschätzt wird, ist inzwischen bekannt: Das hessische Unternehmen DigiTask ließ über seinen Anwalt mitteilen, man sei der Urheber des vom CCC analysierten Staatstrojaners.

Die Debatte über die verfassungsrechtlichen und politischen Folgen der Aufdeckung hat gerade erst begonnen - aber für Internetnutzer kann man schon einmal Entwarnung geben, wenn auch nur auf diesen konkreten Schädling bezogen. Denn das Programm, mit dem zumindest in Bayern Ermittlungsbehörden die Rechner von Verdächtigen ausforschten, wird von gängigen Anti-Virenprogrammen als Schadsoftware erkannt und am Funktionieren gehindert. Mehrere Hersteller haben seit Samstag Updates für ihre Programme bereitgestellt, mit denen der Trojaner eindeutig identifiziert wird.

Die Hacker vom Chaos Computer Club höhnten schon am Wochenende, der Trojaner tauge ohnehin nicht viel: "Wir sind hocherfreut, dass sich für die moralisch fragwürdige Tätigkeit der Programmierung der Computerwanze kein fähiger Experte gewinnen ließ", heißt es in einem 20-seitigen Dokument, das der Computerclub veröffentlichte. Die von SPIEGEL ONLINE befragten Virenexperten sehen das ähnlich. Einer konnte sich am Telefon das Lachen kaum verkneifen, als er auf die Schnüffelsoftware angesprochen wurde.

Bedenklich war die Software dennoch: Sie enthielt unter anderem die Funktion, weitere Software nachzuladen, was ihren Herren im Zweifel den Vollzugriff auf befallene Rechner erlaubt hätte. Die hätten sich damit in audiovisuelle Wanzen verwandeln lassen - über Zugriff auf Kamera und Mikrofon. Der Trojaner hätte es dadurch auch erlaubt, die Festplatte des befallenen Rechners auszulesen - oder aber Daten dort abzulegen. Handwerklich schlampig war nicht zuletzt, dass gerade diese Funktion unzureichend abgesichert war. Befallene Rechner hätten somit auch von anderen als den Ermittlern ferngelenkt werden können.

Viren-Bekämpfer: Unsere Software hätte den Eindringling aufgespürt

Sophos, Avira und GData sagten am Montag gegenüber SPIEGEL ONLINE, dass ihre Programme den sogenannten Staatstrojaner entdecken und entfernen können. "TR/GruenFink" und "Backdoor.R2D2" nennen sie den Staatstrojaner. Nachdem der Code des Schnüffelprogramms vom CCC öffentlich gemacht wurde, haben sie die Signatur des Schädlings in ihre Programme aufgenommen - wie viele andere Firmen auch.

Aber auch ohne die Nachrüstung hätte der Staatstrojaner bei Virenscannern Alarm ausgelöst, sagt Ralf Benzmüller, der das Securitylab bei GData leitet. Denn die meisten Virenprogramme gleichen nicht nur Programme mit einer Datenbank ab, sondern erkennen verdächtige Software und das typische Verhalten von Viren und Trojanern. "Wir setzen so viele generische und heuristische Verfahren zur Erkennung von Malware ein, dass der Trojaner aufgefallen wäre", sagt Benzmüller.

In freier Wildbahn ist der Staatstrojaner bisher kaum aufgefallen, sagt Sascha Pfeiffer vom Antiviren-Hersteller Sophos. Das typische Verbreitungsmuster eines Trojaners sehe anders aus. Aufgefallen sei das nun als Staatstrojaner bekannt gewordene Programm bereits im vergangenen Jahr. "Unsere Heuristik hat angeschlagen", sagt Pfeiffer, "bei allen bekannten Versionen". Der Trojaner sei nicht besonders gut programmiert, urteilt er. "Teile davon wurden offenbar eingekauft und dann zusammengestückelt."

"Niemand, der wirklich viel Erfahrung hat"

Auch Benzmüller hält den Trojaner für nicht besonders ausgereift. "Das war niemand, der wirklich viel Erfahrung mit Programmieren hat", sagt Benzmüller von GData. "Bestimmte Ansätze, wie da Sachen gelöst wurden, sind eher schlicht", so der Virenexperte.

Laut den Herstellern haben Ermittlungsbehörden ein grundsätzliches Problem - auch wenn sie künftig einen rechtskonformen, bisher unbekannten Trojaner einsetzen würden: Sophos, Avira und GData erklärten gegenüber SPIEGEL ONLINE, man könne ihrer Software nicht beibringen, bei Staatstrojanern die Augen zuzudrücken. "Außerdem kommt das für uns nicht in Frage", sagt Elisabeth Rothbart von Avira. Das Unternehmen stellt das weitverbreitete Antiviren-Programm Antivirus her.

"Unsere Programme suchen automatisch nach Mustern und schlagen Alarm", so Rothbart - Ausnahmen gibt es nicht. Ähnlich äußerten sich Benzmüller und Pfeiffer. Sollte eine Behörde anfragen, so Benzmüller, würde man eine Absage erteilen müssen. "Wenn wir Hintertüren in unsere Programme einbauen würden, könnte dies ausgenutzt werden." Das ließe sich nicht mit dem Ziel vereinbaren, Nutzer vor Malware zu schützen.

Der CCC hatte mitgeteilt, dass Virenprogramme den Trojaner nicht aufspüren würden - dem widersprechen mehrere Hersteller nun. Die Diskrepanz der Aussagen könnte damit zusammenhängen, dass der CCC den Trojaner auf Computern ohne Netzverbindung eingesetzt hat.

Trotz alledem: Staatstrojaner sind im Einsatz

Der staatliche Einsatz von Trojaner ist allerdings Praxis - wenn auch in Einzelfällen: "Auch wir verfügen über ein Instrument zur Durchführung der sogenannten Quellen-Telekommunikationsüberwachung (TKÜ) welche wir in besonderen Fällen einsetzen, um zum Beispiel Internet-Telefonie und Chats zu überwachen", teilt das Landeskriminalamt in Niedersachsen mit. Eine Aufzeichnung der Tastatureingaben, Screenshots oder die Durchsuchung von Festplatten finde dabei nicht statt. Zweimal seit 2009 sei der Trojaner im Einsatz gewesen.

Die Polizei Rheinland-Pfalz hat nach Angaben des Innenministeriums bisher einmal einen Trojaner eingesetzt - im Zuge eines Amtshilfeverfahrens habe man die Software von einem anderen Bundesland zur Verfügung gestellt bekommen. Bei dem Einsatz sei aber alles gemäß eines richterlichen Beschlusses abgelaufen. Aus Bayern kam diese Amtshilfe dem bayerischen LKA zufolge jedoch nicht, man kooperiere nur bei Tests mit anderen Ländern. Auch Brandenburgs Innenministerium erklärte heute laut "Welt Online", man setzte derzeit in einem Fall einen Trojaner ein, um Internet-Telefonate abhören zu können. Die Länder Sachsen und Hessen haben auf Anfragen von SPIEGEL ONLINE bisher nicht reagiert.

In Nordrhein-Westfalen wird noch geforscht, ob eine der Polizeidienststellen einen Trojaner eingesetzt hat. Das Landeskriminalamt teilte mit, "bislang noch in keinem Fall eine sogenannte Quellen-TKÜ eingesetzt" zu haben. Das Dementi von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) klang hingegen anders. Er schloss aus, dass es sich bei der vom Chaos Computer Club entdeckten Software um eine von Bundeskriminalamt, Verfassungschutz oder Bundespolizei genutzte Software handele.

Was aber nicht bedeutet, dass die Ermittler nicht auf ausgefeiltere Technik zurückgreifen.

Die Debatte über die Überwachung und Ausforschung von Computern dürfte durch den Fall neue Nahrung bekommen. Andrea Nahles (SPD) forderte bereits, bis zur vollständigen Aufklärung jegliche Form von Computerüberwachung vorerst auszusetzen. Der Grüne Konstantin von Notz erklärte, der Trojaner-Fall werfe für ihn "die Frage nach einen grundsätzlichen Verbot der Ausforschung des privaten Kernbereichs" auf.

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1. und nochmal: irgendwas kommt, politische kernschmelze?
weldingart 10.10.2011
Zitat von sysopEr kam aus Hessen,*wurde in Bayern eingesetzt und taugte nicht viel - so viel ist über den am Wochenende enthüllten*Staatstrojaner mittlerweile klar. Der vom Chaos Computer Club sezierte*Schnüffler wird von Anti-Virus-Software längst erkannt. Doch auch andere Staatstrojaner sind im Einsatz. http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,790931,00.html
bundesstaatstrojaner. na toll. aber ich kann die regierenden ja verstehen: wir sind momentan gar ein echtes scheissvolk. überall jammern und mosern, daß es kein geld zum leben mehr hat und so. oder echt scheisse kleinkriminell und gewalttätig. irgendwie schmutzig oder ausländer. und dann die vielen verschwörungstheoretiker und terroristen und demonstranten. also wenn ich so ein volk regieren müßte... aber spass beiseite: der bundestrojaner ist w i d e r l i c h . soweit sind wir schon. gruselig. das merkelregime bricht ständig das grundgesetz. es lügt uns andauernd an und wir haben uns daran gewöhnt. selbst unser verfassungsgericht ist recht kleinlaut geworden. man äußert und entscheidet sich auch schon offen gegen die demokratie ("scheissgrundgesetz", gröhe z.B.verlangt aberkennung von staatssouveränitäten, efsf, esm,.. ) der versuch der faktischen schaffung einer antidemokratischen eudssr an sich ist hochverrat. alle entscheidungen der "regierung" werden GEGEN das Volk und den Bürger getroffen. und keiner steht vor gericht? regiert werden wir aber auch nicht von banken, konzernen, "dem markt" oder anderen luftblasen. diese sind nur werkzeuge in der hand einiger menschen wie du und ich. die medien - die vertuschen und lenken sollen - können die lügen nicht weiter aufrecht erhalten, verlieren sich in aufgeblasener banalität oder plumpester propaganda. überall hektische betriebsamkeit aber keine lösungen in sicht. alle wissen: alles ist gescheitert. ob €, EU, $, etc. das derzeitige finanzterrorsystem geht einem ihrer zyklischen untergänge entgegen. jetzt werden nur noch schnell die letzten billionen erfunden, um bürger und völker damit zu enteignen. DANN wird die resettaste gedrückt. und DANN haben alle kein geld mehr, aber der besitz ist verteilt. und DANN sind die Überwachungsapparate immer noch da. und DANN: geht alles von vorne los. es ist zum kotzen. was tun? ps: Das Grundgesetz ist eine Sammlung von Abwehrrechten. Es soll den Einzelnen vor dem Staat schützen. siehe hier: http://neusprech.org/fundamentalisten-linksliberale/ pps: wir können uns glücklich schätzen, wenn davor nicht noch ein großer krieg angezettelt wird.
2. den Teufel den ich rief ...
weltbetrachter 10.10.2011
Wenn die staatlichen Behörden sich nicht an Recht und Gesetz halten, wie wollen die dann genau das Verhalten vom Bürger erwarten? Sollte sich herausstellen, das die Software verfassungswidrig ist, freue ich mich auf einen von den Medien verfolgten Prozeß vor Gericht. Mal sehen, ob es dazu kommt. -- Wenn sich aber nun einige böswillige Hacker auf den Weg machen, den Behörden zu zeigen, wie so etwas richtig gemacht wird - dann gute Nacht. -- Erst rief man den Teufel - wollte ihn dann nicht haben - und muß jetzt mit den künftigen Konsequenzen klarkommen.
3. DigiTask
s_friedrich 10.10.2011
"Der Schuster hat die schlechtesten Schuhe", könnte man als Entschuldigung gelten lassen...Aber die nationale Beschnüffelung in die Hände einer Firma zu geben, die nicht mal eine simpele Internetseite ohne Fehlermeldungen hin bekommt...ich weiß ja nicht. Und das dann noch unter dem Punkt "Karriere". Ach wie spaßig könnte es sein, wenn es nicht so ernst wäre... http://www.digitask.de/index.php?option=com_content&view=category&layout=blog&id=1&Itemid=6 Offensichtlich ist das Fachpersonal doch dringender benötigt, als zunächst angenommen.
4. Wird schon ermittelt?
W.Otto 10.10.2011
Mal eine Frage an SPON: Wird "schon" gegen die Herstellungsfirma des Staatstrojaners staatsanwaltlich ermittelt? Wer sich gegen unsere Verfassung stellt oder Hilfsmittel zum möglichen Verfassungsbruch herstellt müßte in einem Rechtsstaat belangt werden! ODER?
5. Widersprüchlich
My2Cents 10.10.2011
Irgendwie wimmeln die Aussagen des Berichts nur so vor Widersprüchen: -- "Stümperhaftes Stück Code", und trotzdem ist die Software "bedenklich". -- Virenexperten können "sich das Lachen kaum verkneifen", uns anderen bleibt das Lachen jedoch im Halse stecken. -- "Unseren Virenprogrammen ist der Staatstrojaner schon vor einem Jahr aufgefallen" aber trotzdem hat bisher niemand was bemerkt oder in den zuständigen Foren diskutiert. Ich hänge ja nicht gerne Verschwörungstheorien an, aber ich denke dennoch, hier wird nicht alles öffentlich gesagt, was über das "stümperhafte Stück Code" in Fachkreisen bekannt ist.
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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